Florian Harms: Versuchung

verfasst am 28.03.2019 von | 1 Kommentar
Rubriken: Harms, Florian, Kriminalromane

Harms erster Roman fängt sehr dramatisch an. Mit einem Flugzeugunglück beginnt eine Geschichte, die in den Orient und zu den Machenschaften eines in der Schweiz angesiedelten Konzerns führt. Ein einziger Passagier überlebt den Absturz der Maschine über Nordafrika. Er  findet sich bei seinem Erwachen, nach einer tiefen Bewusstlosigkeit, in der Obhut eines jungen marokkanischen Paares wieder.

August Liebig, so der Name des Abgestürzten, ist auf der Suche nach seinem Vater, der ebenfalls bei einem Flugzeugunglück in dieser Gegend verschwand – alle anderen Passagiere überlebten damals diesen Absturz. Was also geschah mit Bernhard Liebig, dem bekannten Sternekoch aus der Schweiz?

Hier kommt der Privatermittler Calanda ins Spiel. Im Auftrag einer schweizer Firma soll er Bernhard Liebig suchen. Calanda, einer der Besten seiner Zunft in Europa, beginnt mit seiner Recherche.

Zu selben Zeit macht sich auch August auf die Suche nach seinem Vater. Auf abenteuerlichen Wegen betätigt er sich als Spurensucher und erhält dabei den einen oder anderen nützlichen Hinweis. Er gerät in die absurdesten Situationen, die ihm aber immer wieder weiter helfen.

Bei den Schilderungen über die Spurensuche schien es mir oft, als ob ich mich in einem Märchen aus „Tausend und Einer Nacht“ befinde. Der Autor schildert sehr blumig, und äußerst ausführlich (um nicht zu sagen: stellenweise langatmig)  die wundersamen Wege des jungen Mannes. Alles erscheint sehr „mysteriös“ und verwirrend.

Was steckt hinter dem ganzen Aufwand, den der Schweizer Konzern betreibt? Der Wunsch der Firma, Calanda möge einen neuen Geschmack ausfindig machen, zusätzlich zu den bestehenden Grundgeschmäckern salzig, bitter, süß und sauer. Eine fünfte Geschmacksrichtung ist Umami, die aus dem fernen Osten kommt. Alles was die Schweizer als Indiz für diesen neuen Geschmack anzubieten haben, ist ein kleines Stückchen Holz mit besonderem Geruch und Geschmack.

Bernhard Liebig, selbst Sternekoch und ursprünglich von dem Konzern auch als Geschmacksscout  engagiert, um diesen neuen Geschmack ausfindig zu machen. Und dabei hatte sich wohl von seiner Aufgabe als Spürnase verabschiedet, um auf eigene Faust das begehrte Objekt zu finden.

In den Erzählungen und Formulierungen des Autors erkennt man seine journalistische Tätigkeit. Er ist jahrelang durch die arabischen Länder gereist und hat die Sitten und Bräuche kennen gelernt. Sehr lehrreich fand ich die ausführlichen Informationen zum Thema Geschmack und Aromen. Was für ein weites Feld für unsere Sinne!

„Versuchung“ ist eine spannende Erzählung (trotz mancher Längen).

Dabei baut die Handlung des Romanes auf einigen Zufällen auf, wie zum Beispiel die beiden Flugzeugabstürze:
Bei einem überleben alle Passagiere, nur einer ist verschwunden; beim zweiten Absturz überlebt nur einer – der Sohn des verschwundenen Überlebenden vom ersten Absturz. 

Harms hat keinen  blutrünstigen Krimi geschrieben; es gibt wohl Tote, aber kein grausiges Blutvergießen und auch keinen Täter im herkömmlichen Sinn. Das ist auch gut so – ich finde das  ausgesprochen wohltuend – denn es gibt schon ja genug Kriminalromane die mehr oder weniger einem gleichen Schema folgen. „Versuchung“ hebt sich da sehr positiv ab!



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  • Kommentar von  Mikka Gottstein am 29.03.2019 um 22:52 Uhr Uhr

    Hallo,

    das klingt wirklich nach einem Buch abseits der Klischees, das muss ich mir wohl mal näher angucken… :-)

    LG,
    Mikka

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