Günther Peer: Der Himmel der Hölle

verfasst am 14.02.2016 von | 1 Kommentar
Rubriken: Historienromane, Peer, Günther

Ich bewundere den Autor für den Mut, sich diesem Thema zu widmen: Homosexualität hinter Klostermauern! Leider war die Umsetzung nicht ganz nach meinem Geschmack.

Ein Buch mit einer Geschichte in der Geschichte.

Der junge Giorgio Pertoni stammt aus gutem Hause und sein sehnlichster Wunsch ist es, als Mönch in einem Kloster Karriere zu machen. Dies wird auch immer wieder stark betont.
Giorgio ist äusserst engagiert und ambitioniert, verbringt Stunden in der Klosterbibliothek um sich weiterzubilden und die Geschichte des Klosters zu ergründen.

Umso weniger sind all seine weiteren Handlungen nachvollziehbar. Man sollte denken er wäre voll auf seine Aufgaben im Kloster fokussiert, dennoch lässt er sich in einen Strudel der Geheimnisse ziehen und verstrickt sich immer tiefer darin.

Eines Tages findet Giorgio (mittlerweile hat er die Priesterweihe hinter sich und heißt jetzt Pater Placidus) einen Brief von einem Fremden in seinem Briefkasten. Dieser, sein Name ist Edgar, ein Bauernjunge, gesteht ihm, er habe sich während der heiligen Messe unsterblich in ihn verliebt und er mochte ihn küssen, umarmen und sein Lustsklave sein, etc., etc….
Gerade als er sich noch über diesen Brief wundert, klopft der Mitbruder Pater Maurus an die Tür und droht ihm: Er wisse alles und er würde ihn ebenfalls begehren. Wenn er ihm nicht zur Verfügung stünde, würde er ALLES verraten…

Und hier kommt für mich das absolut unverständliche. Placidus geht sofort darauf ein und befriedigt ihn. Maurus hatte doch gar nichts in der Hand gegen ihn. Placidus hatte gerade mal den Brief bekommen und kannte den Schreiber zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht einmal. Er hätte sofort zum Abt gehen können, ihm den Brief zeigen und versichern können, dass er diesen gewissen Edgar noch nie gesehen hat.
Dennoch beginnt eine lange Zeit des „Missbrauches“ durch Pater Maurus, und auch mit Edgar trifft er sich aus lauter Neugier und geht sofort eine Beziehung mit ihm ein. Auch das kann ich als Frau nicht nachvollziehen. Kein sich kennenlernen, kein verlieben, nein,… Edgar sagt: Ich liebe dich und kann ohne dich nicht sein….. Und Placidus denkt sich offenbar: Na gut,… dann… wieso nicht, und gesteht ihm auch sofort seine Liebe. Das passt einfach nicht dazu, wie karrierefocusiert er sonst dargestellt wird. Da fehlt mir einfach der Moment des Zweifels und des haderns. Oder einfach irgendetwas an diesem Edgar dass ihm einfach den Atemraube. Das kann man ja nicht nach einer Stunde wissen ob man jemanden liebt?!?!

Die nächste Sünde die er begeht ist, dass er, durch das Ansägen einer Leitersprosse, Pater Maurus tötet. Er kommt auch damit durch. Er könnte seine Liebe zu Edgar jetzt angstfreier leben, doch die Beziehung zu seinem, ach so geliebten, Edgar endet auch. Schon nach kurzer Zeit erhält er wieder einen Brief. Wieder von einem Bauernjungen, und es wiederholt sich genau das Selbe wieder. Kein Kennenlernen, sofort Sex und große Liebe.
Es wirkt ehrlich gesagt so, als würde der Autor nur gerne möglichst schnell zu den Sexszenen kommen wollen.

Auch als Placidus Briefe erhält, in denen ihm offenbart wird, dass der geheimnisvolle Verfasser über all seine „Schandtaten“ bescheid weiß, hindert ihn das in keiner Weise daran, völlig ungeniert (und zum Teil mitten in der Kirche) mit seinem Handeln fortzufahren. Er versucht nicht einmal nach den Regeln des Klosters zu leben.

Neben diesem Liebeswirrwarr schafft er es, sich zum Prior des Klosters hochzuarbeiten und er vertieft sich immer mehr in geheime Schriften über den Klostergründer Romuald von Versailles. Diese Geschichte läuft nebenbei und plätschert dahin ohne große Höhepunkte. Romuald flieht aus seinem reichen, verschwenderischen und lüsternen Elternhaus um sich auf die Reise nach Rom zu machen. Dort will er den Papst um die Erlaubnis bitten ein Kloster zu Gründen. Diese Reise verläuft ohne großartige Ereignisse. Er ist zutiefst gläubig und ihm widerstrebt jede Art von Sexualität. Dennoch wird er am Ende völlig überstürzt und unschuldig wegen Sodomie zum Tode verurteilt.

Leider kommt in den fast 500 Seiten nie eine richtig brennende Spannung auf.
Die Sexszenen sind für meinen Geschmack auch zu stark ausgeschmückt und zum Teil echt ekelhaft (die Szenen mit Pater Maurus).
Die Handlungen des Hauptcharakters sind für mich absolut nicht nachvollziehbar, sein Gewissenskonflikt der manchmal angesprochen wird, kommt finde ich viel zu schwach heraus.
Die ganzen Geheimnisse auf die ständig angespielt wird, werden nicht mehr richtig aufbereitet.

Leider für mich nur 2,5 Sterne.


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  • Kommentar von  Günther Peer am 22.02.2016 um 17:29 Uhr Uhr

    Liebe Bloggerin,
    ich kann mit ihrem „Urteil“ leben, denn es zeigt mir, dass Sie absolut keine Ahnung von einem klösterlichen Leben und dem damit verbundenen System haben, sonst könnten Sie nicht zu solchen Folgeschlüssen kommen. Ich bin aber gerne bereit Ihnen Nachhilfe zu geben, aufgrund meiner erlebten Erfahrungen. Würden Sie nämlich nur im Ansatz das klösterliche System der katholischen Kirche kennen, dann wüssten Sie, dass allein schon der Gedanke, dass ein Mönch eine sexuelle Verfehlung begehen könnte, zum Ausschluss aus dem Kloster bedeuten kann oder zumindest würde er unter ständiger Beobachtung seiner Mitbrüder stehen. Wissen Sie was dies dann zu bedeuten hat? Keinesfalls mache ich Ihnen einen Vorwurf, aber Sie hätten sich ein wenig informieren können, bevor Sie ein Rezension über diesen Roman abgegeben haben. Denn meine geschilderten Szenen sind durchaus nicht aus der Luft geholt. Und was die Spannung in meinem Roman betrifft, das ist wohl relativ. Aber offensichtlich haben Sie nicht bedacht, dass es sich um theologische, moralische und ethische Abfolgen handelt. Aber wie schon erwähnt … Sie haben subjektiv geurteilt. Ich weiß, warum ich die Geschichte so geschrieben habe, denn nicht umsonst habe ich drei Jahre, tagtäglich, daran gearbeitet und sorgfältig recherchiert.
    Herzlich grüßt der Autor

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