Wolfgang Burger: Heidelberger Wut

verfasst am 17.08.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Burger, Wolfgang, Kriminalromane

Wenn man einen Krimi mit Alexander Gerlach liest, der 5 Jahre alt ist, dann ist das auch eine Reise zurück in seiner Familiengeschichte. Denn Autor Wolfgang Burger gibt seinem Krimihelden eine Lebensgeschichte mit, die in jedem neuen Buch um ein paar Facetten reicher wird. Ein Roman aus dem Jahr 2007 ist somit auch ein kleiner nostalgischer Rückblick auf damals, als Gerlach und seine Töchter noch nicht lange in Heidelberg wohnten und noch ein paar Jahre jünger waren.

Aber natürlich ist das Familienleben des Kriminalrats in Heidelberg nicht das Hauptthema. Es sind die Verbrechen und davon sammelt sich eine ganze Menge an: da ist einmal die Entführung des Bank-Filialleiters, der den Räubern Zugang zum Tresor verschaffen musste, während sich seine Frau in der Gewalt der Bösewichte befand.

Dann der verschwundene Nachbar, in dessen Wohnung sich Blutspuren finden und der irgendwie irgendetwas mit dieser Entführung zu tun haben könnte. Zumindest dieses eine: die Frau den Filialleisters pflegte, bei Abwesenheit des Nachbarn, sich um dessen Wohnung zu künnern. Dass dabei ihr Ehemann nichts erfahren durfte liegt daran, dass der den Nachbarn überhaupt nicht ausstehen kann. An Zufälle zu glauben ist ja bekanntlich nicht die Sache der Polizei und so gehen Gerlach und seine Mitarbeiterinnen allen möglichen Querverbindungen nach.

Und die Vergewaltigung der 16-jährigen Jule. Die junge Frau überlebte zwar, doch fiel sie ins Koma und konnte ihren Peiniger nicht mehr benennen. Ein Fall, der seit 10 Jahren nicht aufgeklärt werden konnte – findet sich dazu jetzt vielleicht eine heisse Spur?

Und dann natürlich, gleich zu Beginn, ist da die Sache mit dem Polizeischarfschützen und einem Alexander Gerlach, der eine schwerwiegende Entscheidung auf Leben und Tod treffen muss.

Während die Fahndung nach dem Räuberpärchen schon bald die ersten Erfolge (und Misserfolge) zeigt, wird für die Polizei immer deutlicher, dass hinter der dem Coup ein weiterer Unbekannter, womöglich ein Insider stehen muss. Denn wer sonst verfügte über die Information, dass just an diesem Tag so viel Bargeld im Tresor lagerte, als jemand mit direktem oder indirektem Zugang zur Bank, wer zog im Hintergrund die Fäden? Und wer kassierte den unauffindbaren Teil der Beute? Ist es Seligmann, der verschwundene Nachbar?

Beim Lesen jedenfalls hat man schon bald einen Verdacht, wer dahinter steckt – doch sollte es wirklich so einfach sein?

Was recht gemächlich beginnt, das wird zu einem wahren Sprint, bei sich die Ereignisse nur so überschlagen. Und den eigenen Verdacht konnte ich mir dabei in die Haare schmieren. Oder auch nicht. Dauernd tauchen neue Erkenntnisse und Hinweise auf und dabei bleibt es aber immer glaubwürdig. Ganz schön aufreibend, dieses Krimi-Lesen!

Ein „alter“ Gerlach-Krimi, der enorm viel Spaß macht, ein optimaler Zeitvertreib, der neben der nötigen Spannung dazu auch noch eine ganze Menge an Atmosphäre mitbringt. Als Wolfgang Burger-Fan darf man diesen Krimi keinesfalls auslassen.


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