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	<title>Literatur Blog &#187; Romane</title>
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	<description>von LeserInnen für LeserInnen</description>
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		<title>Daniel Glattauer: Ewig Dein</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Feb 2012 19:14:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Glattauer, Daniel]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Daniel Glattauer]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Versprechen oder eine Drohung?  Oder ein Versprechen, das sich mehr und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1582" title="Ewig Dein" src="/wp-content/uploads/Ewig-Dein.jpg" alt="" width="150" height="244" />Ein Versprechen oder eine Drohung?  Oder ein Versprechen, das sich mehr und mehr als Drohung entpuppt? Auf die Spur der bedrohlichen Bedeutung dieser Phrase macht sich Daniel Glattauer und kehrt damit, nach seinem phänomenal erfolgreichen Ausflug in das Genre der &#8220;Email-Romane&#8221;,  zurück in die Welt der &#8220;normalen Romane&#8221;. <span id="more-1581"></span></p>
<p>Die meisten Leserinnen und Leser werden Glattauer nur von &#8220;Gut gegen Nordwind&#8221; oder &#8220;Alle sieben Wellen&#8221; kennen, Doch bereits davor gab es den Schriftsteller Daniel Glattauer, der u.a. mit &#8220;Darum&#8221; oder &#8220;Der Weihnachtshund&#8221; Bücher über Zwischenmenschliches schrieb die mir, ehrlich gesagt, noch besser gefielen als seine danach erschienenen internationalen Bestseller.</p>
<p>Gespannt also schlug ich &#8220;Ewig Dein&#8221; auf um zu lesen, wie diese Rückkehr gelungen ist. Gleich der erste Eindruck: witzig. Geistreich und originell, das wird ein Spaß beim Lesen.</p>
<p>Judith sieht Hannes zuerst im Supermarkt, dann in ihrem Geschäft und bald auch in ihrem Herzen. Alles scheint auf ein Versprechen der beiden zueinander hinaus zu laufen. Bis, ja bis die Zuneigung von Hannes überschäumt, wie das Wasser i9m Kochtopf. Nur dass man bei Hannes nicht so einfach die Energie herunter drehen kann, er kocht und schäumt und libt immer wieter, immer mehr. Und wird vom Versprechen zur Drohung.</p>
<p>Aber der Reihe nach: wir sind dabei, als in Judiths Gedanken aus der flüchtigen Bekanntschaft mit Hannes, dem Architekten, zuerst Sympathie und dann eine immer stärker werdende Zuneigung wird.  Kein Detail an ihm entspricht irgendeinem Traumbild, doch in der Summe seines Wesens trifft er bei ihr genau den richtigen Ton. Und alle lieben ihn, bald auch Judith.</p>
<p>Zuneigung wird zu Sehnsucht und Sehnsucht wird zu Leidenschaft. Etwas ungleich verteilt, aber immerhin.</p>
<p>Nun ja, während aller dieser Phasen gab es durchaus Momente, in denen Zweifel hätten aufkommen können, hätte sie nur genauer hingesehen/hingehört. Aber wenn man/frau einmal auf diesen Weg der Leidenschaft eingeschwenkt ist, dann neigt man/frau nun einmal zum Übersehen, zum Nicht-Zur-Kenntnis-Nehmen von Offensichtlichem.</p>
<p>Wenn es nun normalerweise zu einer gewissen Konsolidierung im weiteren Ausbau einer Beziehung kommt, so verhält es sich bei Hannes völlig anders. Der nämlich möchte jeden Tag ein neues, noch höheres  Gefühlslevel erreichen, er ist immer in der Nähe, Tag und Nacht,  und ..  jetzt sind wir beim Thema Bedrohung angelangt. Hannes ist allgegenwärtig, er macht Judith zur Gefangenen seiner überbordenden Liebe. Nicht körperlich, aber seelisch dringt er in Judiths Leben ein, die immer verzweifelter nach einem Ausweg aus dieser wie unter einem Zwang stehenden Beziehung sucht.</p>
<p>Diese Judith, irgendwie kenne ich sie. Oder zumindest kenne ich Menschen, die ihr sehr ähnlich sind. Das sind alles Menschen, die ich mag, und so ist es nur logisch, dass ich das ganze Buch über mit Judith mitleiden, mitverzweifeln, mitfühlen musste. Und Daniel Glattauer hat es mir mit der Art und Weise wie er dieses Buch geschrieben hat, immens leicht gemacht, die Geschichte zu erleben und zu erfühlen. Ich fühlte mich von Hannes fast  genauso bedrängt wie es Judith schon nach wenigen Beziehungswochen war, dann genauso bedroht wie sie, als sich Hannes&#8217; Leidenschaft als Obsession entpuppte, war gleichsam Co-Gestalkter und Co-Opfer und oft genauso gehetzt wie Judith selbst (Obwohl, nur um es zu erwähnen, Hannes und ich persönlich wohl kaum in eine solche Situation gekommen wären).</p>
<p>Zusammengefasst: Gut, dass Glattauer von einer Fortsetzung seiner Email-Erfolge absah und sich wieder der normalen Prosa zuwandte.</p>
<p>Denn deshalb gibt es ein enorm fesselndes Buch, bei dessen Lektüre ich öfters selbst fast atemlos war, so sehr geht die Geschichte zuerst unter die (Gänse)Haut und dann durch Mark und Bein. Und das Schlimmste/das Beste dabei ist: man kann sich vorstellen, wie so etwas tatsächlich passiert.</p>
<p>&#8220;Ewig Dein&#8221; hat &#8211; das war mir schon nach den ersten 10 Seiten völlig klar &#8211; erneut das Zeug zum (verdienten) Bestseller. Und mit einem solchen literarischen Erfolgslauf kann einem dieser Glattauer schön langsam richtig unheimlich werden.</p>
<p>PS: zu den 5 Sternen mindestens noch 2 dazu!</p>
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		<title>Benjamin Stein: Replay</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 16:28:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Stein, Benjamin]]></category>
		<category><![CDATA[Benjamin Stein]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man von Geburt an mit einem Handicap zu leben hat, dann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1579" title="Replay" src="/wp-content/uploads/Replay.jpg" alt="" width="150" height="245" />Wenn man von Geburt an mit einem Handicap zu leben hat, dann ist es doch die beste Chance, die man bekommen kann: über eine Technik zu verfügen, die nicht nur über dieses Handicap hinweg hilft, sondern viel mehr Möglichkeiten eröffnet, als sie ein Mensch von Natur aus haben könnte.<span id="more-1578"></span></p>
<p>Ed Rosen hatte diese Chance. Sein entstelltes (und wie man sagen muss von Ärzten noch weiter verpfuschtes) Auge durch ein Implantat zu ersetzen. Zu verdanken hat er diese Chance dem Professor Matana, seinem Boss, der in seinem Unternehmen alles bereit stellte, was zur Entwicklung nötig war und ihn, Ed Rosen als ersten Träger eines solchen Wundergerätes auswählte.</p>
<p>Jetzt trägt er es, dieses künstliche Auge. Die grausame Zeit seiner Jugend ist längst überwunden, denn damals kam zum wirklichen Leid auch noch das eingebildete dazu, das war seine Vorstellung, wie sehr er auf alle abstossend wirken musste, etwas das ihn mit dem Erwachsenwerden zumindest nicht mehr belastete.</p>
<p>Er erinnert sich genau, wie es war an jenem Morgen, als er dieser physischen Transformation seiner selbst zustimmte, wie es war, als er an jenem Morgen erwachte und meinte, anstatt seines Fußes einen Huf zu sehen. Dort wo sein Fuß sein sollte, sah er einen Huf unter der Decke heraus ragen! Und genau da entschloss er sich, zu zu dem Prototypen für einen neuen, technisch verbesserten Menschen zu werden.</p>
<p>Magisch und hypnotisch, diese beiden Attritute kamen mir schon beim Lesen von Stein&#8217;s Buch &#8220;Die Leinwand&#8221; in den Sinn und hier ist es wieder, dieses Gefühl: es beginnt ganz unscheinbar, unauffällig, beiläufig und doch &#8211; schon nach wenigen Absätzen haben  sich ganz eigene Welten aufgebaut. Die Welt im Kopf des Ed Rosen und die Welt um ihn herum.</p>
<p>In Rückblenden erzählt sich sein Leben, Schritt für Schritt nähern wir uns über die Jahre hinweg der Zukunft, die gleichzeitig die eigentliche Gegenwart des Buches ist. Dabei wechseln sich Abschnitte, in denen Tage, Wochen in wenigen Sätze beschrieben werden, ab mit Abschnitten, in denen es seitenweise um nur wenige Minuten in Eds Leben geht.</p>
<p>Das gibt dem Buch einen ganz eigenen Rythmus, in dem sich auch noch der (zeitliche) Standort verschiebt, in dem sich die Frage nach Gegenwärtigem oder Vergangenem meistens nicht zweifelsfrei beantworten lässt -  oder anders ausgedrückt: es ist nicht klar was heute geschieht, was nur eine Erinnerung an gestern ist, denn wir wissen lange gar nicht, wann diese Geschichte spielt.</p>
<p>Und dann, fast nebenbei, mitten drinnen im Buch, liest man eine sehr interessantes Statement zum Thema Soziale Netzwerke: wie schafft es zB. ein Unternehmen wie Facebook (aber auch viele andere, machen wir uns da keine Illusionen), Millionen Menschen jede beliebige Information heraus zu locken, sie eines Teiles ihrer (Persönlichkeits)Rechte zu berauben und sie dazu auch noch dauerhaft an sich zu binden. Etwas, das einfach das ganze Leben durchschaubar, transparent macht, das es mit einer Zeile, einem Bild, einem Video zerstören oder aufbauen kann, hält uns schon heute fest in seinem Griff. Wir aber wollen es nicht bemerken, halten uns selbst für stärker als das System.</p>
<p>Nun: in der gar nicht so fernen zukünftigen Gegenwart des Ed Rosen hat etwas über unsere köperliche und geistige Seite schon längst die Oberhand gewonnen und wir lassen es uns genauso wie heute frohen Mutes gefallen.</p>
<p><strong>Ein futuristischer Roman, der zutiefst in der Gegenwart verwurzelt ist.</strong><br /><strong>Eine spannender Thriller über das Ausufern der Dinge.</strong><br /><strong>Ein beeindruckendes Bucherlebnis.</strong><br /><strong>Eine besondere Empfehlung.</strong></p>
<p>PS: Warum das Buch den Titel &#8220;Replay&#8221; trägt, findet man beim Lesen heraus. Für mich aber könnte dieses Buch mit dem Titel &#8220;Replay&#8221; auch eine Art moderne Neuinszenierung &#8211; ein Replay &#8211; eines anderes Buches sein. &#8220;1984&#8243;.</p>
<p>PPS: Und warum ist Benjamin Stein mit seinem Blog <a href="http://turmsegler.net/20091021/turmsegler-benjamin-stein-hat-0-fans/">Turmsegler</a> auf Facebook?</p>
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		<title>Diana Beate Hellmann: Aus Liebe zu ihm</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2012/01/diana-beate-hellmann-aus-liebe-zu-ihm/</link>
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		<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 01:32:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sabine</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hellmann, Diana Beate]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Diana Beate Hellmann]]></category>

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		<description><![CDATA[Ihr erinnert Euch vielleicht noch: Diana Beate Hellmann ist jene Autorin, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1532" title="Aus Liebe zu ihm" src="/wp-content/uploads/Aus-Liebe-zu-ihm.jpg" alt="" width="150" height="223" />Ihr erinnert Euch vielleicht noch: Diana Beate Hellmann ist jene Autorin, die vor einigen Jahren mit der Geschichte ihrer Krebserkrankung, die unter dem Titel &#8220;Zwei Frauen&#8221; erschienen ist, einen Weltbestseller landete. Seitdem schreibt Sie &#8211; mit teilweise erheblichem Erfolg &#8211; weitere Bücher. Soweit &#8211; so gut.<span id="more-1530"></span></p>
<p>Wenn Sie eigene Erfahrungen verwertet, so ist das meist sehr spannend, zumal Frau Hellmann extrem ehrlich gegen sich selbst ist. Wenn Sie aber meint, eigene (oder die Erfahrungen anderer, so genau ist das bei diesem Buch nicht ersichtlich) Erfahrungen auch noch in eine spannende Handlung einbetten zu müssen, so ist dies zum Scheitern verurteilt.</p>
<p>Dies gilt auf jeden Fall für dieses Buch. Es geht erneut um eine Grenzerfahrung &#8211; und daran ist das Leben der Autorin wahrlich nicht arm &#8211; wie in einer weiteren Rezension, die morgen folgt, zu lesen sein wird: Ihr Mann, den sie sehr liebt, erkrankt an Prostatakrebs.</p>
<p>Was sie da erzählt, ist durchaus spannend und nachvollziehbar: Sie beschreibt die Ängste, die ein Paar mittleren Alters hat, wenn einer der beiden an Krebs erkrankt. Wunderbar offen und ehrlich ist zu lesen, was auf einen Mann zukommt, der sich einer radikalen Prostatektomie (einer Komplettentfernung der Prostata) unterziehen musste.</p>
<p>Auch auf die Veränderungen, die das für eine Paarbeziehung mit sich bringt, geht sie, erfreulicherweise, viel offener ein, als das in anderen Werken zu lesen ist. Vor allem diese Ehrlichkeit, auch sich selbst und ihrem Partner (wenn es sich denn um die beiden handelt) ist frappant und manchmal direkt körperlich schmerzhaft. So wird der Partner durchaus nicht immer liebenswert dargestellt, sondern wohl eher so, wie er ist, ein ziemlicher Chauvinist. Und die Ich-Erzählerin? Neurotisch ist noch das netteste Wort, das mir dazu einfällt.</p>
<p>Gerade deshalb ist dieser &#8211; in der Reihe &#8220;Erfahrungen&#8221; erschienene Band &#8211; trotzdem lesenswert.</p>
<p>Wieso allerdings diese an sich schon mehr als tragfähige Geschichte unbedingt in eine abstruse Serienmörderstory eingepackt werden musste, verstehe ich nicht. Sollte dies das Buch &#8220;spannender&#8221; machen? Mehr &#8220;romanhafter&#8221;? Meiner Ansicht nach ist das nicht nur nicht notwendig, sondern macht einen interessanten Erfahrungsbericht zu einem verschwurbelten Roman. Und das ist schade.</p>
<p>Müsste ich spekulieren, würde ich sagen, sie tut das, um das Geschehene aus einer distanzierteren Position betrachten zu können; um die eigene Geschichte nicht zu nah an sich heran lassen zu müssen. Das ist nicht gelungen und wertet das Buch, das an sich sehr interessante Informationen für Betroffene liefert, deutlich ab.</p>
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		<title>Benedict Wells: Fast genial</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2012/01/benedict-wells-fast-genial/</link>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 23:06:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Wells, Benedict]]></category>
		<category><![CDATA[Benedict Wells]]></category>

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		<description><![CDATA[Francis Dean, knapp achtzehn Jahre alt, wohnt mit seiner manisch-depressiven Mutter Katherine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span><img class="alignleft  wp-image-1485" title="Fast genial" src="/wp-content/uploads/Fast-genial.jpg" alt="" width="150" height="238" /></span>Francis Dean, knapp achtzehn Jahre alt, wohnt mit seiner manisch-depressiven Mutter Katherine in einem Trailerpark am Stadtrand von New Jersey. Hier leben Penner, Verrückte und kaputte Familien. Francis fühlt sich als Loser, vergeigt die Schule und hat Angst, in diesem Kaff ohne Zukunftsperspektive hängen zu bleiben. Seinen leiblichen Vater kennt er nicht. <span id="more-1476"></span>Seine Mutter meinte, sie hätte mit ihm eine kurze Affäre gehabt, könne sich nicht mehr wirklich an ihn erinnern. Nachdem Francis seine Mutter wieder mal mit Hilfe des psychiatrischen Notdienstes in der Klinik unterbringen lassen muss erfährt er von ihr, dass er ein Retortenbaby ist. Gezeugt bei einem Experiment zur Züchtung menschlicher Genies. Francis begibt sich auf die Suche nach seinem leiblichen Vater. </p>
<p>Francis besucht täglich seine Mutter in der Klinik und lernt dort Anne-May kennen. Sie ist aufgrund eines Suizidversuches untergebracht. Er ist fasziniert von ihrer Persönlichkeit und stattet ihr bald ebenfalls täglich einen Besuch ab. Nur zögerlich bildet sich zwischen beiden ein Band.</p>
<p>Eines Tages versucht Francis Mutter sich das Leben zu nehmen und hinterlässt ihm einen Brief, in dem sie ihm die Wahrheit über seinen leiblichen Vater erklärt. Francis ist ein Retortenbaby, gezeugt in einem Experiment, in dem die Gene hochintelligenter Menschen zur Züchtung einer neuen Elite weitergegeben werden sollten. Sein Vater soll ein Wissenschaftler aus Harvard sein.</p>
<p>Francis gibt seinem Stiefvater Rayn die ganze Schuld an der Misere seiner Mutter. Dieser hat nach der Scheidung seinen Bruder alleine mitgenommen und ihn zurück gelassen. Doch auf der Suche nach seiner wahren Identität springt er über seinen Schatten und sucht den ihm verhassten Stiefvater auf. Er borgt sich 5000 Dollar, um sich auf den Weg zu machen, seinen leiblichen Vater zu finden. Dabei begleiten ihn sein Freund Groover und das Mädchen Anne -May, in die er sich mittlerweile verliebt hat.</p>
<p>Auf dem Weg nach Los Angeles erleben die drei jungen Menschen eine aufregende Zeit. Allen gibt das Gefühl von Freiheit und Zukunft den nötigen Antrieb, um diese Reise durchzuhalten. Francis setzt alles daran, in der Klinik, in der die Experimente durchgeführt wurden, den Namen seines Vaters zu erfahren.  Dabei erlebt er eine überraschende Wende.</p>
<p>Ein flüssig geschriebener Roman über drei junge Menschen auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens und der Erkenntnis, dass Sozialisation und eigene Anstrengung wichtige Voraussetzungen sind, ein zufriedenes Leben gestalten zu können. Da helfen weder Gene genialer Erzeuger noch ein überdurchschnittlicher IQ.</p>
<p>Die letzten Kapitel des Buches wäre meines Erachtens nicht notwendig gewesen. Dadurch erhält das Buch den Touch „jetzt wusste der Autor nicht mehr, wie er den Abschluss genial hinbekommt.“ </p>
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		<title>Daphne du Maurier: Der Apfelbaum</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/11/daphne-du-maurier-der-apfelbaum/</link>
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		<pubDate>Mon, 21 Nov 2011 03:23:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kathy</dc:creator>
				<category><![CDATA[du Maurier, Daphne]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Daphne du Maurier]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist die Geschichte von einem Mann und einem Apfelbaum aus dessen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1416" title="Der Apfelbaum" src="/wp-content/uploads/Der-Apfelbaum.jpg" alt="" width="150" height="250" />Es ist die Geschichte von einem Mann und einem Apfelbaum aus dessen Garten. Der Mann ist unzufrieden, ja sogar unglücklich in seiner Ehe, kommt aber auch nie auf den Gedanken etwas zu ändern. Stattdessen leidet er unter der depressiven und wichtigtuerischen Art seiner Frau. Er ärgert sich Tag für Tag über sie weil sie ihm ständig unterschwellige Vorwürfe jeglicher Art macht. <span id="more-1415"></span></p>
<p>Er zieht sich immer mehr in sein Arbeitszimmer oder ins Pub zurück. Als sie nach kurzer schwerer Krankheit stirbt kommt er zu der Erkenntnis dass er sogar erleichtert ist und ab diesem Zeitpunkt ein völlig freies Leben führen kann und er genießt dieses neue Leben sehr. Eines Tages im Spätherbst fällt ihm bei einem Rundgang durch seinen Garten ein alter knorriger Apfelbaum auf der noch nie getragen hat und zudem einem jungen Apfelbaum das Licht und den Platz wegnimmt.</p>
<p>Er steht armselig da mit seinen durchhängenden Ästen und es kommt dem Mann so vor als würde ihm der Baum, wie seine Frau zu ihren Lebzeiten, Vorwürfe machen. Das möchte er sich nicht täglich mit ansehen müssen und er beschließt dass der Baum weg muss. Als er jedoch mit dem Gärtner darüber spricht ergreift dieser Partei für den Apfelbaum. Er solle ihm noch eine Chance geben denn er (der Gärtner) sei sich sicher dass er (der Apfelbaum) im nächsten Frühjahr blühen würde.</p>
<p>So lässt sich der Alte überreden und wird von diesem Tag an vom Apfelbaum regelrecht schikaniert. Es ist äußerst unterhaltsam wie viele Möglichkeiten der Autorin einfallen wie ein Baum einen Menschen schikanieren kann. Im Laufe des Lesens hatte ich zwei mögliche Enden für das Buch im Kopf.</p>
<p>Das Eine: Der Mann realisiert dass er seine Frau doch vermisst!</p>
<p>Das Zweite: Das der Apfelbaum schlussendlich über den Mann siegt und diesen fertig macht. Ob eine dieser Möglichkeiten zutrifft müsst ihr schon selbst herausfinden.</p>
<p>Jedenfalls ist dieses Buch wirklich empfehlenswert, eine nette kleine Geschichte für zwischendurch!</p>
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		<title>Haruki Murakami: 1Q84 Buch 3</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/11/haruki-murakami-1q84-buch-3/</link>
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		<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 05:10:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Murakami, Haruki]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Haruki Murakami]]></category>

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		<description><![CDATA[Es ist von Anfang an wieder da:  eingefangen von der klaren, manchmal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-1460 alignleft" title="1Q84" src="/wp-content/uploads/1Q84.jpg" alt="" width="150" height="234" />Es ist von Anfang an wieder da:  eingefangen von der klaren, manchmal fast übertrieben einfachen Sprache des Buches versinkt man in der Welt von Aomame und Tengo, hat das gleiche vertraute Gefühl wie schon beim Lesen des ersten Buches (eigentlich Buch 1+2), ist mitten im Buch, mitten in der Erzählung, mitten in dieser anderen Welt.<span id="more-1459"></span></p>
<p>Die Lektüre des ersten Buches ist schon fast ein Jahr her, mehr als ein paar grobe Erinnerungsfetzen hatten sich da nicht gehalten. Haruki Murakami verwebt dann, so als ob es für den Fortgang der Erzählung genau an dieser Stelle nötig wäre, fortwährend ein ganze Menge an Hinweisen auf den Beginn der Geschichte, auf die Personen, auf den Ursprung der Situation, in der sie sich befinden &#8211; und siehe da: alles tauchte Schritt für Schritt wieder aus der Erinnerung auf  und selbst ein Nachlesen meiner eigenen Besprechung hier im Blog war nicht nötig.</p>
<p>Schwer, den Inhalt von Buch 3 so zusammen zu fassen, dass man nicht zu viel über das Ende von Buch 1+2 erfährt. Nur so viel: Aomame und Tengo haben an vielen Orten und Zeiten Hinweise gefunden, die beide zueinander führen können, doch es ist noch nicht soweit. In ihren Gedanken sind sie schon nahe beisammen, in diesem Jahr 1Q84, das nun schon so lange dauert. Anderseits ist es sehr einfach, den Inhalt zusammen zu fassen: das, was sich in Buch 1-2 zugetragen hat, wird nun weiter geführt. Mehr nicht, aber das reicht aus (wahrscheinlich auch noch für Buch 4,5,6, etc.)</p>
<p>Man hat einen Roman in der Hand, der neben Science Fiction, Fantasy, Thriller und Krimi auch noch ein Liebesroman ist. Oder gar nichts davon &#8230; oder noch viel mehr. Mit einfachen, klaren Worten und Sätzen zog Murakami mich in diese einerseits vollkommen reale andererseits völlig fremdartige Welt hinein. Wo gibt es denn bei uns &#8220;Puppen aus Luft&#8221;? Oder 2 Monde? Oder einen Gebühreneintreiber (dessen Identität ein neues Rätsel darstellt), der an Türen klopft, dabei aber unsichtbar bleibt? </p>
<p>Es kommt kein Wort zu viel in die Sätze, keine schriftstellerischen Kunstgriffe sind zu finden, hier gibt es schlicht und ergreifend nur die zum Geschehen gehörigen Worte in kurzen Sätzen. Das macht 1Q84 zu einer sehr einfach zu lesenden Lektüre.</p>
<p>Doch auch das sollte man wissen, bevor man sich ans Lesen macht:  die eigene Vorstellungskraft wird vehement gefordert. Denn Murakami liefert mit seinem Buch (nur?) den schnörkellosen Rahmen, um die verspielten, die bildhaften Details muss/kann/darf man sich, je nach Gutdünken in seinen Gedanken selber kümmern. Wenn man das will, dann wird sich eine tiefe Freundschaft zum Buch 3 entwickeln. Ich wollte das und wir (Buch und ich) wurden Freunde, die viele entspannde, ruhige Stunden miteinander verbrachten, in denen ich immer wieder abschweifte und ein wenige die beim Lesen entstandenen Bilder wanderte.</p>
<p>So wurde Buch 3 fast noch  mehr als Buch 1+2 eine phantasievolle Reise durch die Welt von Aomame und Tengo, immer scharf an der Grenze von Realtität und Fantasie. Und so viel kann man verraten: Tengo und Aomame finden zueinander (denn das ist in Wahrheit keine große Erkenntnis, denn darauf läuft es doch schon seit Buch 1 hinaus).</p>
<p>Es gibt Ausflüge in die Realität wenn sich ein Privatdetektiv an Anomames und Tengos Fersen heftet und Ausflüge in eine Art von Flower-Power-Welt mit zwei Monden, wandernden Seelen und überraschenden Schwangerschaften. Meistens aber ist gar nicht klar, wo man sich befindet, so sehr vermischen sich die Elemente miteinander -  typisch Murakami, bin ich fast versucht zu bemerken, jedenfalls erfüllt er damit die Erwartung seiner Leserschaft.</p>
<p>In Summe war es für mich nicht so überraschend wie Buch 1+2, das hatte wohl auch damit zu tun, dass in diesem Buch die (Handlungs-)Fäden zu einem gemeinsamen Finale zusammen finden sollten/wollten &#8211; oder auch nicht Finale, denn es ist nicht ausgeschlossen, dass es auch ein Jahr 1Q85 geben wird oder 1Q84 in eine Verlängerung geht.  In Summe auch nicht ganz so überzeugend,  oft ist es ein Spagat zwischen dem Fortschreiben der Geschichte und der Wiederholung von bereits Bekanntem aus Buch 1+2 (für alle, die sich nur mehr an wenig daraus erinnern und für NeueinsteierInnen). In Summe manchmal ein wenig langatmig, wenn Murakami viele Zeilen mit Themen verbringt, die doch keinen klärenden Fortschritt in der Handlung mit sich bringen.</p>
<p>Vielleicht nicht so ganz so gewaltig wie Buch 1+2 aber trotzdem eine unbedingte Leseempfehlung, wenn man zu den Menschen gehört, die es lieben in einem Buch zu versinken!! Und ein Muss, wenn man 1+2 gelesen hat &#8211; so ist das eben mit den Fortsetzungen, man kommt einfach nicht daran vorbei.</p>
<p>PS: im Übrigen gilt das, <a title="1Q84 Buch 1+2" href="http://www.literatur-blog.at/2011/01/haruki-murakami-1q84/">was über Buch 1+2 zu sagen war</a>, hier weiter, denn es ist eine einzige Geschichte.</p>
<p>PPS: praktisch jedes Jahr wird Haruki Murakami als ein Kandidat für den Literatur-Nobelpreis genannt. Ob er sich mit diesem Buch dafür empfohlen hat, oder ob er sich damit in Richtung Kommerz entwickelt, ist eine Frage, die die Leserschaft spalten wird. Und ich bin mir mit mir darüber auch nicht ganz einig.</p>
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		<title>Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/11/eugen-ruge-in-zeiten-des-abnehmenden-lichts/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 01:35:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Ruge, Eugen]]></category>
		<category><![CDATA[Eugen Ruge]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach nur 2, 3 Sätzen hatte ich das Gefühl, dass mir in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1453" title="In Zeiten des abnehmenden Lichts" src="/wp-content/uploads/Eugen-Ruge.jpg" alt="" width="150" height="246" />Nach nur 2, 3 Sätzen hatte ich das Gefühl, dass mir in diesem Buch alles vertraut ist. So schnell in einen Roman hinein zu finden, das ist mir bis jetzt nur selten passiert. Eugen Ruge macht es mit seinem sehr persönlichen Stil möglich, dass schon nach wenigen Seiten das Gefühl aufkommt, hier schon ewig zu lesen und noch ewig lesen zu können.<span id="more-1452"></span></p>
<p>&#8220;In Zeiten des Abnehmendes Lichts&#8221; ist die Beschreibung des Weges einer Familie in der DDR über 4 Generation und 50 Jahre hinweg. Zuerst sind da die blind-gläubigen Kommunisten (Charlotte und Wilhelm), die nach dem Ende des Naziregimes in der Partei und in der DDR das Allheilmittel und Paradiesder neuen Menschen sehen.  Die 1950er Jahre sind die Zeit des Stalinismus, in der sie, wie die meisten Kommunisten aus Überzeugung, schon ganz bewusst weg sehen mussten, um nicht erkennen zu können/wollen/müssen, was wirklich in diesem entstehenden Staat an Willkür und Unterdrückung tagtäglich stattfand. Die beiden gehören nicht direkt im Inneren Kreis der Partei, sind aber doch so nahe am Zentrum der Macht, um zu glauben, etwas verändern und mitgestalten zu können.</p>
<p>Dann, im Laufe der Jahre, lässt sich die Realität nicht mehr komplett ausblenden. Die nächste Generation (Irina und Kurt) hat einen schon ein wenig klareren, manchmal sogar zynischen Blick auf das Leben und die Zwänge des Arbeiter- und Bauernstaates. Obwohl immer wieder und immer öfter Zweifel am Handeln Staat und Partei aufkommen, so werden beide doch niemals in Frage gestellt. Der Glaube an die Reformierbarkeit, an Wandel und Fortschritt des Kommunismus ist beinahe ungebrochen. Obwohl Kurt jahrelang im Gulag in Sibirien um seine reine Existenz ringen musste, und dabei aus einer anderenen Perspektive den Blick auf Stalinismus, Kommunismus und Partei werfen konnte, bleiben beide unbeirrbar (unbelehrbar?)  auf Linie.</p>
<p>Erst in der dritten Generation (Alexander) überwiegen zuerst die Zweifel und siegt dann die Erkenntnis, dass die DDR nicht die Zukunft ist sondern immer schon die Vergangenheit war. Alexanders Leben ist zugleich der Rahmen dieses Romanes, mit ihm beginnt es, mit ihm kommen wir an den (geographischen) Ausgangspunkt zurück, mit ihm schließt sich der Kreis.</p>
<p>Zwischen Humor mit Augenzwinkern und tiefer Traurigkeit, zwischen dem beinahe skurrilen Leben in der DDR und dem wie entwurzelten Leben nach der Wende &#8211; es sind viele bewegende Momente und man glaubt jeden einzelnen davon. Und die Geschichten über den Alltag in Ostdeutschland werden zu einer Geschichte über die DDR selbst.</p>
<p>Mit einem klaren und scharfen Blick auf die Menschen erzählt Ruge gleichzeitig über das Innere eines künstlich geschaffenen Staatsgebildes, das vom ersten Tag seiner Existenz an in Wahrheit schon auf dem Niedergang war. In dem gleichzeitig aber eine große Anzahl von Gutgläubigen und Gutwilligen unbeirrt (und vergeblich) daran arbeitete, doch noch eine Erfolggeschichte zustande zu bringen.</p>
<p>Diese Familiengeschichte, die, wie ich annehme, stellvertretend für die Geschichter vieler Familen der DDR stehen kann, ist eine Erzählung aus der Sicht von Menschen, die eigentlich das Rückgrat von Staat und Partei sein sollten, von beiden aber letztendlich nur als ideologisches Aushängeschild benötigt (missbraucht) wurden um den eigentlich Plan &#8211; die allgemeine Gleichschaltung, den absoluten Gehorsam &#8211; verwirklichen zu können.</p>
<p>Spannend ist es, wie Ruge den einzelnen Menschen nicht nur einen eigenen Charakter sondern jeweils auch eine eigene Sprache zuordnet, was sich manchmal bis hin zu unterschiedlichen Schreibstilen fortsetzt. Damit werden die Mitglieder der Familie in einem ganz außerordentlich hohen Maße lebendig und greifbar. Die Charakterisierung, die Betrachtung und Beschreibung ihrer Lebenswege über mehrere Jahrzehnte hinweg gehört für mich zum Einprägsamsten und Wirkungsvollsten, das ich in den letzten Monaten gelesen habe.</p>
<p>Ein Buch, das es schaffte mich von der ersten Zeite an zu interessieren und von dem ich wirklich praktisch jede der 425 Seiten genossen (von genießen, nicht von Genosse!) habe. Mit Menschen im Mittelpunkt, an deren Schichsal es leicht fiel Anteil zu nehmen.</p>
<p>Alles wirkt einerseits vertraut, berichtet andererseits aber aus einer so überaus fremden und unwirklichen Welt. Die verquere Sprache der Partei, das wie selbstverständlich praktizierte Denunzieren und Diffamieren von &#8220;Abweichlern&#8221;, das stereotype Vokabular: es war alles real, doch es erscheint jetzt, mehr als 20 Jahre danach, wie aus einem Endzeit-Science-Fiction-Roman.</p>
<p>Zusammengefasst: ich habe ein Buch gelesen, mit dessen Hilfe ich das Phänomen DDR ein wenig besser verstehen kann &#8211; werde aber noch viele mehr benötigen um (Aussenstehender, der ich bin) nur annähernd eine Ahnung davon zu haben.</p>
<p>PS: für mich ein wirklich würdiger Gewinner des <a href="http://www.deutscher-buchpreis.de/de/458579/">Deutschen Buchpreises 2011</a></p>
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		<title>E.L.Doctorow: Der Marsch</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/10/e-l-doctorow-der-marsch/</link>
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		<pubDate>Fri, 28 Oct 2011 23:56:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Doctorow, Edgar Lawrence]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[E.L. Doctorow]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Marsch beschreibt das Leben im Rahmen des Feldzuges von General William [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="size-full wp-image-1450 alignleft" title="Der Marsch" src="/wp-content/uploads/Der-Marsch.jpg" alt="" width="150" height="244" />Der Marsch beschreibt das Leben im Rahmen des Feldzuges von General William Tecumseh Sherman im Jahr 1865. Eine breite Spur der Gewalt und Verwüstung lässt der Heerestross auf seinem Marsch  durch die US-Staaten Georgia, South &#8211; und North Carolina hinter sich. Am Ende steht die Kapitulation von Joe Johnston, General der Südstaatenarmee und schärfster Gegner von Sherman.<span id="more-1449"></span></p>
<p>Ein Roman von Edgar Lawrence Doctorow ist immer eine Vermengung von historischer Wahrheit mit fiktiven Schicksalen. Im Mittelpunkt stehen in diesem Roman über und gegen das Kriegshandwerk somit nicht vorrangig die Strategien der Militärs und der Verlauf von Schlachten. Im Mittelpunkt stehen die Soldaten, die Opfer, die befreiten Sklaven, die entwurzelten Menschen.</p>
<p>Vom West-Point-gedrillten Offizier bis zum Jungen aus New York, der in den Krieg zog, weil er dafür Geld bekam. Vom Mädchen aus den Südstaaten, dessen Mutter eine Sklavin und dessen Vater der Massa, der Sklavenhalter war. Vom Leid und vom Entsetzen des Krieges, die in den Feldlazaretten ihrem sichtbaren und kumulierten Höhepunkt fanden. Von der Frau aus den Südstaaten, die ehemals der besseren Gesellschaft angehörte und nun zu einem mitfühlenden Menschen wird. Vom kleinen Gauner, der den Krieg zu seinem eigenen Vorteil nutzen möchte. </p>
<p>Das sind nur ein paar der Menschen die Doctorow beschreibt und  immer wieder kreuzen sich ihre Wege im Sog des Heeres, manche überleben, einige sterben, alle, die überleben kommen verändert aus dem Krieg zurück.</p>
<p>Ein Buch, das ein sehr glaubhaftes Bild darüber vermittelt, wie der Sezessionskrieg die Einzelnen betroffen, umgeformt, entwurzelt hat. Einige der Charaktere bekommen dabei ein sehr ausgepägtes Profil, einige ziehen   wie eine Nebelschwade vorbei und verschwinden wieder in der Masse.</p>
<p>Das ist auch die einige Schwäche dieses Romanes: Masse. Durch die schiere Menge an Personen und Handlungsästen gelingt es kaum, etwas davon wirklich zu vertiefen. Damit begreift man nur ein wenig, wie die Sklaven geknechtet und gequält wurden, welche Vorstellung die Herrenmenschen aus dem Südstatten von sich und der Welt hatten, mit welchen Ängsten ein Soldat in die Schlacht zieht. Doch es bleibt für meinen Geschmacht zu oft nur an der Oberfläche (aber vielleicht müsste ich dafür ein anderes Buch lesen).</p>
<p>Und manchmal geraten die Erzählabschnitte etwas zu episch und ausladend ohne dabei wirkliche Weiterentwicklungen zu bringen &#8211; solche Stellen konnte ich problemlos quer überlesen, ohne dabei den Faden der Handlung zu verlieren.</p>
<p>Als eine ergänzende Quelle zum Thema Sezessionskrieg liefert &#8220;Der Marsch&#8221; den Einblick in das Leid und die Qualen der Menschen, egal ob sie aus dem Norden oder dem Süden kamen, und macht die Zerissenheit des Landes zu dieser Zeit auch für Europäer etwas klarer und verständlicher. Das Allgemein-Gültige an diesem Buch, das verstehen wir in Europa auf jeden Fall: Kriege verändern nichts, sie zerstören nur das Miteinander.</p>
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		</item>
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		<title>José Saramago: Kain</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/10/jose-saramago-kain/</link>
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		<pubDate>Wed, 19 Oct 2011 00:07:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Saramago, José]]></category>
		<category><![CDATA[José Saramago]]></category>

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		<description><![CDATA[Gott erschuf Adam und Eva als erste Menschen. So weit, so übereinstimmend. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1432" title="Kain" src="/wp-content/uploads/Kain.jpg" alt="" width="150" height="247" />Gott erschuf Adam und Eva als erste Menschen. So weit, so übereinstimmend. Darüber, was sich danach zutrug, herrscht zwischen José Saramago und der Bibel dann doch die eine und andere unterschiedliche Auffassung. In &#8220;Kain&#8221; spielt sich alles ein wenig anders ab (und wer weiß, in welche, vielleicht bessere, oder doch schlechtere Welt uns Saramagos Altes Testament geleitet hätte).<span id="more-1431"></span></p>
<p>Diese neue &#8220;Schöpfungsgeschichte&#8221; ist, rein stilistisch gesehen, eine Mischung aus Märchen (wenn auch defintiv für Erwachsene) und Satire.  Manchmal so geschrieben, wie man es auch in der Bibel lesen könnte (abgesehen vom Inhalt natürlich), machmal so geschrieben, wie man es eben heutzutage schreibt.</p>
<p>Ein sehr zusammenfassender Satz findet sich gleich zu Beginn des Buches (S.16, und Gott hat gerade Evas Nabel erschaffen): &#8220;Dies war das letzte Mal, dass der Herr ein von ihm geschaffenes Werk betrachtete und es für gut befand.&#8221; Das ist eine Zusammenfassung für den Inhalt UND den Stil des Buches. Beides genial, beides grossartig.</p>
<p>Danach folgt die Erzählung des Alten Testamentes von einen neuen Betrachtungspunkt aus. Das fängt bei Adam und Eva an (denn vorher gab es auch bei Saramago nichts Menschliches auf der Welt), aber schon das, womit sich die beiden, so ganz miteinander, ansonsten aber alleine, die kommenden paar Jahrzehnte vertreiben werden, weicht von bislang Bekannten ab. </p>
<p>Später ist es dann Kain, dem hier ein neue, sehr umfassende Rolle, die Hauptrolle, zugedacht ist. Kain, der böse Bruder, ist nach dem Mord an Abel,  als  Gottes Strafe gewissermaßen, zu einem Chronisten und Begleiter aller dieser uns hinlänglich bekannten Figuren aus dem Alten Testament geworden. Isaak und Noah, Abraham und Moses, um nur wenige zu nennen, trifft er auf seinem Weg. Aber auch die allseits bekannte Geschichte erlebt er mit, Jericho, Sodom und Gomorrah, die Sintflut &#8211; Kain ist dabei und zunehmend entsetzt.</p>
<p>Seine Aufzeichung vermitteln uns das Bild einer Welt, in der Gott so ziemlich ausser Rand und Band geraten ist. Nicht, dass die Geschichten andere wären als in der Bibel, aber Kain sieht sie aus einer anderen, aus einer könnte man sagen, ehrlicheren Perspektive, als es bislang geschrieben steht. Mehr und mehr zeigt sich der rachsüchtige, der gnadenlose und auch gedankenlose Gott, der von den anderen verlangt, was er selbst nicht zu geben bereit ist: Verzeihen, Vergeben, Demut.</p>
<p>Mitten in dieser neu interpretierten Welt bewegt sich Kain vorwärts und rückwärts durch die Zeiten und trifft dabei, sein Leben scheint wie schon erwähnt ewig anzudauern, auf die Prominenz, die man aus der Bibel kennt.  Seine Tat, der Brudermord, erscheint ihm bei dieser Reise immer geringer, je mehr er sieht, was sich sein Herrgott so alles leistet. Kurzum: Kain kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.</p>
<p>Immer nur mit Flammen und Schwert, das macht auf Dauer keinen guten Eindruck, auch nicht bei einem Gott. Woher also sollten die Menschen wissen, wie man in Harmonie mit der Welt und den Wesen rundherum lebt, wenn der, der unbedingten Glauben von ihnen einfordert, dafür kein Beispiel gibt? Gute Frage!</p>
<p>Vielleicht sind ja doch Flamme und Schwert die einzig wahren Werkzeuge in dieser Welt? Nun, man sieht sich heute um und erkennt recht schnell, welche Strömung die Oberhand gewonnen hat.</p>
<p>Köstlich, bissig, manchmal so richtig böse (damit meine ich diese gute, die intelligente Art von &#8220;böse&#8221;, die sich nur in genau ausgewogenen und passenden Formulierungen zeigt). Manchmal mit Augenzwinkern, manchmal zum lauten Auflachen verleitend. Und irgendwie auch logisch, denn es hätte ja auch so ablaufen können. Die Dinge (Ereignisse, Dialoge) schieben sich ineinander, es wechselt die Perspektive, die Person oft mitten im Satz,was man aber vielleicht nicht immer gleich bemerkt. Denn, und das ist das Spannende beim Lesen, es macht oft auch Sinn, selbst wenn man diesen Perspektivenwechsel überlesen hat.</p>
<p>Auf den Schriftsteller José Saramago bin ich leider erst nach seinem Tod gestossen, auch der Literatur-Nobelpreis, den er 1998 erhielt, hatte mich nicht früher auf die literarische Spur des 1922 in Portugal geborenen  und 2010 auf Lanazorte gestorbenen Autors geführt. Leider erst so spät, muss ich nun sagen, aber seine Bücher gibt es ja noch.</p>
<p>&#8220;Kain&#8221; ist sein letzter Roman, erschienen im Jahr 2009 und (für mich) ein phänomenaler Einstieg in sein Werk. Seine früheren Werke kenne ich (noch) nicht, aber von diesem weiß ich, dass es der Feder eines jung Gebliebenen entstammt.</p>
<p>PS: Eine wahrhaft &#8220;göttliche Satire&#8221;.</p>
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		<title>Ludwig Laher: Und nehmen was kommt</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/10/ludwig-laher-und-nehmen-was-kommt/</link>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 00:49:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Laher, Ludwig]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Ludwig Laher]]></category>

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		<description><![CDATA[Monika, eine Roma,  wächst Mitte der 1980iger in der sozialistischen Tschechoslowakei in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1360" title="Und nehmen was kommt" src="/wp-content/uploads/Und-nehmen-was-kommt.jpg" alt="" width="150" height="257" />Monika, eine Roma,  wächst Mitte der 1980iger in der sozialistischen Tschechoslowakei in äußerst armseligen Verhältnissen auf. Als Kind erlebt sie einzig im Kindergarten schöne Abwechslung. Es gibt dort reichlich Essen und viel Spielzeug. Zuhause gibt es in Wasser eingeweichtes Brot oder Kartoffeln. Die tristen familiären Umstände veranlassen das Jugendamt, Monika in ein Kinderheim zu stecken. Entwurzelt von Familie und ihrer Kultur beginnt ein Albtraum für das junge Mädchen. Sie landet auf dem größten Straßenstrich Europas&#8230;<span id="more-1359"></span></p>
<p>Im Kinderheim werden die Kinder eher verwaltet, obwohl das Personal durchaus bemüht ist, ein Mittelmaß zwischen Autorität, Zuwendung und Förderung zu finden.</p>
<p>Monika Sehnsucht nach der Umgebung von früher, nach der Großmutter, verblassen. Was aber bleibt ist eine unermessliche Sehnsucht nach der Mutter. Diese kündigt zwar einen Besuch vor Weihnachten an, doch dann erfährt Monika, dass die Mutter bereits seit Wochen verstorben und begraben ist.</p>
<p>In der Nacht weint sie viel, sie weiß nicht wie es weitergehen wird. Die Bedeutung der Mutter wächst durch den unmittelbaren Verlust. Das brutale Verlassenwerden ohne Abschied schmerzt tief. Und Monika kultiviert diesen Schmerz. Sie beginnt sich mit Glasscherben am Unterarm zu schneiden. Dadurch lässt kurzfristig der Schmerz in ihrer Seele nach.</p>
<p>Ihr junges Leben gerät total aus den Fugen, zur Autoaggression mischt sich äußerst provokatives Verhalten mit eruptiver Gewalttätigkeit gegen andere. Als schwer Erziehbare eingestuft wird sie in eine geschlossene Anstalt eingewiesen. Das neue Heim ist im Prinzip wie das alte. Dort lehrt sie niemand, wie man im Leben zurechtkommt. Niemand warnt das Mädchen vor dem scheinbar schnellen Geld auf dem Straßenstrich. Es wird ihr kein brauchbares Rüstzeug mitgegeben, um in der Welt außerhalb von Institutionen überleben zu können. </p>
<p>Nach Erreichung des achtzehnten Lebensjahres kann Monika das Heim verlassen. Sie tappt in die erstbeste Falle.  Es tritt ein, wovor sie die ganze Zeit unendliche Angst gehabt hat. Es gibt keinen sanften Übergang an einem geschützten Ort, an dem sie sich in ihrer neu erlangten Freiheit und die damit verbunden Schwierigkeiten einleben könnte. Monika trifft sich mit Zuzanna, einer ehemaligen Mitbewohnerin des Heimes, hat ihre ersten Drogenerfahrungen und wird in das Sexgeschäft eingeführt. </p>
<p>Auf dem größten Straßenstrich Europas gelandet helfen ihr Speed und Alkohol, sich schnell mit dem Sexgeschäft zu arrangieren. Sie verachtet die Männer, doch auf Drogen muss sie sich nicht lange überwinden, den alternden Miststücken ihre Wünsche zu erfüllen. Ja sie tritt sie mit ihren Stiefeln auf Wunsch hin, ungehemmt, bis sie winseln. </p>
<p>Was kaum jemand zu kümmern scheint, sind ihre zahlreichen Schnittnarben und Tätowierungen. Manche Freier nehmen diese wahrscheinlich als Dekoration eines verruchten Lebenswandels zur Kenntnis, wie das zu einer dominanten, dunklen Nutte halt auch passt. Kaum jemand ahnt, dass dieser Körper eine verstörende Geschichte haben könnte.</p>
<p>Nach und nach wird durch Misshandlungen, Gewalt und Demütigungen vieler Männer die Persönlichkeit der jungen Romni fast zerstört. Bis Phillip, ein Kunde, auftaucht und ihr einen Ausweg anbietet. Monika versucht diese Chance zu ergreifen, beginnt, sich  neuerlich vor Verrat und Betrug fürchtend, gefangen in ihrem Misstrauen und ihren Ängsten, einen neuerlichen Versuch des Absprungs.</p>
<p>Dieses Buch geht wirklich unter die Haut!<br />Ungeschminkt und nicht effektheischerisch beschreibt der Autor die tragische und beklemmende Geschichte einer jungen Frau, eingebettet in die Kultur der Roma und der brutalen Diskriminierung Menschen anderer Hautfarbe und anderer Herkunft!</p>
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		</item>
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		<title>Victor Hugo: Der letzte Tag eines Verurteilten</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/10/victor-hugo-der-letzte-tag-eines-verurteilten/</link>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 23:41:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hugo, Victor]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Victor Hugo]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn im Jahr 2011 etwas geschieht, das Abscheu, Entsetzen und Unverständnis auslöst, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1425" title="Der letzte Tag eines Verurteilten" src="/wp-content/uploads/Hugo.jpg" alt="" width="150" height="242" />Wenn im Jahr 2011 etwas geschieht, das Abscheu, Entsetzen und Unverständnis auslöst, dann muss das nicht immer ein Terroranschlag oder ähnliches sein. Es kann sich auch, und es geschieht in der Tat viel zu oft, um eine Hinrichtung in den Vereinigten Staaten handeln &#8211; wie zuletzt die staatlich angeordnete Tötung von Troy Davis, der im September mittels eine Giftspritze hingerichtet wurde. Trotz weltweiter Proteste, trotz erheblicher Zweifel an seiner Schuld.<span id="more-1424"></span></p>
<p>Dabei muss es nicht immer Texas sein, diesmal war es der US-Bundesstaat Georgia, der nichts gegen diese Barbarei unternahm und auch weltweite Proteste einfach an seiner Auge-um-Auge-Politik abprallen lies.</p>
<p>Im frühen 20. und noch viel mehr im 19. Jahrhundert war die Todesstrafe praktisch in jedem Staat der Erde möglich und auf der Tagesordnung. Geht man aber fast 200 Jahre in der Zeit zurück, ins Frankreich des Jahres 1829, dann trifft man dort auf einen Mann, der gerade ein Buch wider die Todesstrafe geschrieben hat: Victor Hugo. In einer Zeit, in der man Hinrichtungen auch noch gerne vor johlendem Publikum als &#8216;Top-Event&#8217; veranstaltete gab es schon eine Stimme, die sich erhob um dieser Barabarei Einhalt zu gebieten.</p>
<p>Fast 200 Jahre später sind es nicht nur die &#8220;Schurkenstaaten&#8221;, wie George W. Bush sie einst nannte, es sind die USA selbst, die als letzter Staat aus der Reihe der Demokratien noch Menschen umbringen (Dabei frage ich mich, wie man  sich über eine Steinigung in Saudi-Arabien empören kann, wenn daheim den Leuten eine Nadel in die Vene gestossen wird).</p>
<p>Fraglich ist natürlich, ob es die Ansichten irgendeines Unterstützers der Todesstrafe geändert hätte, hätte er &#8220;Der letzte Tag des Verurteilten&#8221; gelesen.</p>
<p>Möglich aber auf jeden Fall, denn Victor Hugo schreibt über die letzten Tage des Delinquenten aus der Sicht des Todeskandidaten. Was dabei zu Tage tritt ist wahrhaft beklemmend. Nicht wie erfunden, wie Dichtung, sondern wie ein Bericht (aus der Todeszelle), wie die wirklichen letzten Stunden eines Menschen, ein Tagebuch, das sich in Stunden einteilt. So nahe am Leben und am Tod, dass es beim Lesen schwer fällt, sich davon und daraus zu lösen.</p>
<p>Es ist ein Buch in der Sprache, mit den Inhalten der damaligen Zeit. Aber weil es die Erinnerungen, die Gedanken, die Hoffnungen und die Ängste eines Menschen beschreibt, der auf seinen unausweichlichen, gewaltsamen Tod wartet, gibt es keinen Unterschied zwischen damals und heute &#8211; das Leid ist zeitlos.</p>
<p>Hugo war gerade einmal 26 Jahre alt, als er dieses Buch schrieb. Keine Rede also davon, daß es die Weisheit des Alters sein muss, die für Erkenntnis sorgt. wie menschenverachtend und ungerecht die Todesstrafe ist. Hugo kam mitten in seiner Strum- und Drangzeit zu dieser Erkenntnis: weil er sah und erkannte, wie mit viel zu vielen seiner Zeitgenossen umgegangen wurde.</p>
<p>Dieses Plädoyer gegen die Todesstrafe war der Startschuss für Hugos lebenslangen Kampf dagegen. Bis zu seinem Tod trat er gegen die Todesstrafe auf und war ein Wegbereiter für deren Abschaffung in vielen Ländern in den folgenden Jahrzehnten.</p>
<p>Es wäre an der Zeit, wenn die letzten verblieben Schurken-Bundesstaaten in den USA auch endlich in der Neuzeit, im 21. Jahrhundert ankommen würden, anstatt moralisch im Wilden Westen von Billy The Kid &amp; Co hängen zu bleiben. Denn nach heutigem Stand haben erst 16 der US-Bundestaaten die Todesstrafe abgeschafft,  über China, Iran, Saudi Arabien und Konsorten brauchen wir gar nicht zu reden.</p>
<p>Weitere Infos zum Thema Todesstrafe:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-09/usa-todesstrafe-protest">Über die Hinrichtung von Troy Davis</a></li>
<li><a href="http://www.todesstrafe.de/">www.todesstrafe.de</a></li>
<li><a href="http://www.todesstrafe.at/">www.todesstrafe.at</a></li>
<li><a href="http://todesstrafe.amnesty.at/">todesstrafe.amnesty.at</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Peter Henisch: Großes Finale für Novak</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/10/peter-henisch-groses-finale-fur-novak/</link>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 00:34:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Henisch, Peter]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Henisch]]></category>

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		<description><![CDATA[Franz Novak  ist ein sehr harmoniebedürftiger Mensch. Dieses Bedürfnis lebt er besonders [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1348" title="Großes Finale für Novak" src="/wp-content/uploads/Novak.jpg" alt="" width="150" height="246" />Franz Novak  ist ein sehr harmoniebedürftiger Mensch. Dieses Bedürfnis lebt er besonders gegenüber sein Frau Herta aus. Sie gerät bei Konflikten immer in Rage und dabei überschlägt sich ihre Stimme, das kostet Novak zu viel Energie. Sein Sohn Bernd findet ihn diesbezüglich viel zu nachgiebig. Zwei Tage nach seinem 55. Geburtstag kommt Novak ins Spital. Eine Gallensteinoperation und die beginnende Leidenschaft zu Opern ändern Novaks Leben von Grund auf.<span id="more-1347"></span></p>
<p>Zuerst alleine in einem Klassezimmer liegend,  wird das freie Bett mit dem Patienten Herrn Kratky belegt.  Dieser ist laut, in allen Dimensionen. Beim Reden, Schnarchen, Radio hören, Schnaufen, Furzen… </p>
<p>Gegen den Lärm Kratkys und Novaks schlaflose Nächte hat die indonesische Krankenschwester Manuela ein ideales Rezept. Sie gibt ihm einen kleinen Kassettenrekorder mit Kopfhörern und Kassetten mit Opern. Novak mag aber gar keine Opern. Ja, er hasst diese Gejaule sogar. Das beginnt sich zu ändern. Anfangs willkommen gegen den Lärm  spürt er bald die Berührung von neuen Gefühlen, die durch die Musik sein Inneres durchfluten.</p>
<p>Novak versucht von Schwester Manuela herauszufinden, welche Geschichten hinter dieser Musik stecken. Ihr bedeuten Opern etwas, und er genießt es, ihr zuzuhören.  Die entstehende Nähe verursacht bei ihm bald Herzklopfen und einen erhöhten Blutdruck. Er hat <em>sein</em> Geheimnis. Er liebt <em>ihre</em> Musik. Und er träumt von <em>ihr</em>.</p>
<p>Nach seiner Genesung kommt Novak zurück in sein Haus in Grabern und empfindet plötzlich eine furchtbare Enge. Das Haus wirkt befremdlich, merkwürdig, peinlich komisch. Die Fotogalerie, mit Aufnahmen von ihm und seiner Frau Herta, erscheint ihm plötzlich absurd, skurril und lächerlich.</p>
<p>Gleichzeitig fehlen ihm die Musik und die Träume, in denen Manuela vorkommt.<br />Er muss diese Träume verscheuchen, die Musik aus seinem Kopf herausbringen und schleunigst in sein normales Leben zurückfinden. Vielleicht wäre ihm das auch gelungen, hätten sich die Bedingungen, die das normale Leben ausmachen, nicht geändert. Als Postangestellter wird er aufgrund von Einsparungsmaßnahmen in die Frühpension geschickt.</p>
<p>Zur inneren Unruhe kommt auch eine äußerliche, die sich in extremer Lärmempfindlichkeit niederschlägt. Der bellende Hund des Nachbarn, der Rasenmäher, die Baustellengeräusche, das Brummen des Geschirrspülers und vor allem die Stimme seiner Gattin, das alles empfindet er als reinste Zumutung.</p>
<p>Die Versuchung, den Lärmpegel mit Opernmusik verstummen zu lassen, wird immer größer. Zu Beginn will Novak dieser Versuchung widerstehen, ist doch die Musik untrennbar mit den Gedanken an Schwester Manuela verbunden.</p>
<p>Herta beginnt die Veränderungen an ihrem Franz wahrzunehmen. Sie macht sich ernsthafte Sorgen. So verlässt sich eines Tages früher als sonst ihren Friseursalon um mit ihrem Mann über ihre Ängste zu sprechen. Vor dem Haus, noch an die fünfzig Meter entfernt, hört sie Musik. Zuerst glaubt sie, diese käme aus dem Nachbarhaus. Nur Gestörte und Geschmacksverwirrte hören sich Arien girrender Frauenzimmer an.</p>
<p>Dann bemerkt sie, dass die Musik aus dem eigenen Haus kommt. Entsetzt stellt sie ihren Franz zur Rede, doch er spricht nicht mehr mit ihr.  Er verlässt das Haus und zieht in eine Pension, besorgt sich CD-Player, Kopfhörer und CDs und hört erlöst die Opern „Zauberflöte“, „Hoffmanns Erzählungen“, „Fliegender Holländer“…</p>
<p>Mit seinem ersten Besuch im Operhaus beginnt dann Novaks großes, erbittertes und tragisches Finale.</p>
<p>Eine berührende und tragische Geschichte!</p>
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		<title>Wolfgang Hermann: Die Augenblicke des Herrn Faustini</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 06:06:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hermann, Wolfgang]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfgang Hermann]]></category>

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		<description><![CDATA[Herr Faustini lebt in Hörbranz, einem kleinen Städtchen in Vorarlberg. Er entdeckt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/696.jpg.thumb-243x243-keepratio.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1284" title="Die Augenblicke des Herrn Faustini " src="/wp-content/uploads/696.jpg.thumb-243x243-keepratio.jpg" alt="" width="154" height="243" /></a>Herr Faustini lebt in Hörbranz, einem kleinen Städtchen in Vorarlberg. Er entdeckt in sich einen Riss und hat bald daraufhin seine erste Psychotherapieeinheit. Ausgewählt hat er die Therapeutin aufgrund ihres Namens: Angela Nussbächle. Was konnte da schon schiefgehen. Eine Engelin von einem Nussbaum nahe an einem Bächlein – so leitet er den Namen her. Er begibt sich quasi in Reparatur, bevor der Riss, die Verschiebung seiner Wahrnehmungen, irreparabel wird.<span id="more-1283"></span></p>
<p>Der Riss, so erklärt Faustini seiner Therapeutin bedeutet, er sieht jemand auf der Straße gehen und er hört in sich selbst jemanden sagen: jemand geht über die Straße.<br />Wenn an einem Zaun ein Mann zu einem anderen spricht, gehe er, Faustini, in diesen Satz hinein und findet dann den Ausgang nicht mehr.</p>
<p>Nach fünf Sitzungen ist die Behandlung bei Frau Nussbächle zu Ende. Sie meint, er könne sich nun selbst reparieren. Um den Riss in sich zu kitten beschließt Faustini zu verreisen. Er schlägt eine Europa-Karte auf, wählt blind sein Ziel. Als er die Augen wieder öffnet, zeigt sein Finger auf den Ort Edenkoben (!)</p>
<p>So reist er gemütlich mit der Bahn nach Deutschland nach Edenkoben in der Pfalz. Faustini fragt sich bald, ob die Kleinstadt Edenkoben „… eine Versuchsstation zur Ausbalancierung der beiden Welten Eden und Schweinekoben…“ sei?<br />(S. 36)</p>
<p>In seiner ersten Nacht fühlt er sich vor dem zu Bett gehen gefangen in der Endlosigkeit. Das tut gut. Bis in die Fingerspitzen fühlt er diese Endlosigkeit, während er am Fenster steht und in den Weinberg sieht. Doch dieses Gefühl ist nicht von langer Dauer. Es verfliegt rasch, als eine Fliege ihn vom Schlaf abhält. Nach erfolgloser Jagd auf das Tier steht eines fest. Das Zimmer in der Pension ist zu klein für ihn und die Fliege. Einer von beiden muss ausziehen. Und da ist er wieder, der Riss&#8230;</p>
<p>Auf der Suche nach dem Kitt, der den Riss in ihm wieder zusammenschweißt, lernt sich Faustini durch veränderte Blickwinkel auf seine Umwelt neu kennen. Dazu trägt nicht nur Emil, der Mann in weißen Tennissocken bei, sondern auch eine Frau, die mit ihrem faszinierendem Auftreten in Faustini das völlig unerwartete Gefühl von Glück hochsteigen lässt.</p>
<p>Eine hübsche Geschichte, die einen selbst anregt, wieder mal einen Blick auf sein Inneres zu lenken.<br />Der Autor beschreibt Faustinis Sicht der Dinge mittels Metaphern, einer eher einfachen, bildhaften Sprache. Persönlich hätte ich mir mehr „Wortakrobatik“ gewünscht!</p>
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		<title>Doris Knecht: Gruber geht</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 01:42:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Knecht, Doris]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Doris Knecht]]></category>

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		<description><![CDATA[Gruber ist Mitte dreißig, liebt Bob Dylan und seinen roten Porsche. Als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" src="/wp-content/uploads/Gruber-geht.jpg" alt="" width="150" height="247" />Gruber ist Mitte dreißig, liebt Bob Dylan und seinen roten Porsche. Als Manager reist er durch die Welt und landet eines Tages beruflich in Zürich. Er denkt bereits über eine lustvolle Abendgestaltung nach, doch ein knisterndes Kuvert in der Innentasche seines Designerjackets lenkt ständig ab. Der Brief ist von einem Krankenhaus an ihn gerichtet. Normalerweise geht er ja nicht zum Arzt. Ärzte sind, so Gruber, etwas für Luschen. Für Hypochonder. Für Leute auf der Suche nach Selbstmitleid. Seine Gedanken sind bald wieder bei der Idee, eine willige Frau aufzustöbern, um sie abends abzuschleppen.<span id="more-1354"></span></p>
<p>In Zürich lernt er Sarah kennen. Plötzlich gefällt ihm etwas an einer Frau. Das ist neu. Eigentlich besteht sein Zugang anderen Menschen zu begegnen in Zynismus und einer ordentlichen Portion Präpotenz. John Gruber ist von sich selbst und seinem Leben so voreingenommen, an anderen lässt er kein gutes Haar. Frauen sind für ihn dazu da, um ihn zu befriedigen. Aber bitte! Am nächsten Morgen sollten sie verschwunden sein! Ein völliger Unsympathler, dieser Gruber…</p>
<p>Sarah findet er sympathisch. Sie hat ein kehliges, gluckerndes Lachen und Humor. Sie ist es auch, die nichtsahnend das zerknitterte Kuvert, den ominösen Brief öffnet. Sie beginnt zu lesen. Ihr Gesicht wird ernst. Sehr ernst. Dann verkündet sie die Botschaft über den Tod. Tumor. John Gruber hat Krebs.</p>
<p>Nachdem ihm Sarah seine Sterblichkeit gezeigt hat, wütet in Gruber zunächst ein nicht näher beschreibbares Gefühl der Irritation. Der Kontakt zu Sarah wird vorerst auf Eis gelegt.</p>
<p>Zurück in Wien begibt sich John in Behandlung. Es folgen einige Chemo-Therapien, doch der Tumor wächst, will nicht verschwinden. Gruber hat Angst, die sich immer mehr potenziert. In dieser Situation fällt ihm dann auch noch so eine Diskont-Ratgeber-Weisheit seiner Schwester Kathi ein. Er soll seinem Gefühl einen Namen geben, denn nur dann, wenn etwas einen Namen hat, kann er auch verhandeln. Und er gibt seinen Gefühlen Namen. Angst hat er gefunden, Panik, völlige Verunsicherung und Verständnislosigkeit. Außerdem war Gruber beleidigt, richtiggehend stinkbeleidigt, weil es ausgerechnet ihn getroffen hat.</p>
<p>John lernt sich selbst neu kennen, empfindet plötzlich Empathie und schafft durch einen Perspektivenwechsel die Marotten seiner Familie schätzen zu lernen.</p>
<p>Sarah kommt aufgrund ihres Berufs DJane nach Wien. Plötzlich ist sie da. Und Gruber merkt, dass er sie vermisst hat. Sie ist auch der Anlass, dass er zu kämpfen beginnt, trotz des schier unüberwindbaren Abgrundes, vor dem er nur mehr ein Stück entfernt zu stehen scheint.</p>
<p>Ein überraschender Roman, verfasst in einer lockeren, erfrischenden Sprache! Absolut lesenswert!</p>
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		<title>Peter Rosei: Geld!</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/10/peter-rosei-geld/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 07:48:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Rosei, Peter]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Rosei]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Ende des Romans hat der junge Broker Tom Loschek eine neue [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1351" title="Geld" src="/wp-content/uploads/Geld.jpg" alt="" width="150" height="232" />Am Ende des Romans hat der junge Broker Tom Loschek eine neue Geschäftsidee: „Amerika! Immobilien! Die braven Leute wollen sich Eigenheime bauen. Jeder sein warmes Nest. So viel Geld haben sie aber nicht, um das zu schaffen. Also brauchen sie Kredit, und den gibt man ihnen, nicht zu knapp.“ Wie die ganze Geschichte ausgegangen ist, wissen wir ja inzwischen und sie wird wohl auch noch nachfolgende Generationen beschäftigen.<span id="more-1350"></span></p>
<p>Peter Rosei erzählt in „Geld!“ die Vorgeschichte des großen Zusammenbruchs, stellt uns Menschen vor, die Geld haben, jedoch kein großes Aufheben darüber machen und es selbstverständlich laufend vermehren wollen. Ihnen stellt er die Gruppe der so genannten Aufsteiger samt den dazu passenden Frauen gegenüber, die im Schatten des Geldadels auch unbedingt an die große Kohle kommen wollen.</p>
<p>Der Roman beginnt mit dem 60-jährigen Georg Asamer, Besitzer einer florierenden Werbeagentur, der alleine mit einer Haushälterin in seiner Villa in Hietzing wohnt. Asamer hat nicht vergessen, dass sein Erfolg auch auf der Motivation seiner Mitarbeiter beruht. Neues Personal geleitet er noch persönlich zum Arbeitsplatz. Und jetzt steht er im Badezimmer und starrt auf seine dämlichen Zehen und Nägel, „die nie etwas vom Sterben gehört oder gewusst hatten &#8230;&#8221;</p>
<p>Der Unternehmertypus Asamer stirbt aus und wird ersetzt von seinem Nachfolger Andy Sykora, glatt und frisch &#8220;wie eine Wasserlache gleich nach dem Regen&#8221;. Sykora nimmt seine Mitarbeiter nicht wirklich wahr, nur sich selbst, ist skrupellos und wird von keinerlei moralischen Zwängen gebremst. Da dies auf Dauer aber auch fad ist, sucht er sich ein neues Betätigungsfeld, ein Abenteuer, die Börse, sprich den Thrill der Spekulation.</p>
<p>Ein weiterer Reicher ist der Schweizer Pharmakonzernerbe Hansjörg Falenbruck, der vor Jahren vor der Last des väterlichen Erbes und einer aus heiterem Himmel abgesagten Hochzeit in die Südsee geflohen ist. Dort führt er das Hotel in dem Sykora und seine Gattin Elena, eine ehemalige Sekretärin in Asamers Agentur, die Flitterwochen verbringen. Einige Jahre später und zurück in Wien wird Frau Sykora völlig undramatisch in den Besitz des Konzernerben übergehen.</p>
<p>In weiterer Folge stoßen wir auch auf die Spuren von Irma Wonisch, jener Frau die einst Falenbruck vor dem Altar stehen ließ, ebenfalls einer Erbin aus begütertem Wiener Bürgertum, die sich gern in Künstlerkreisen bewegt und ihrer Sexualität freien Lauf lässt. Doch dann lernt sie den am Beginn erwähnten Broker Loschek kennen, der als Kind misshandelt wurde und bei Pflegeeltern aufwuchs. Sein Geltungsdrang fasziniert Irma und obwohl in finanziellen Dingen durchaus bewandert, liefert sie sich dem unscheinbaren jungen Mann aus.</p>
<p>Zwischen diesen Figuren entwickelt Peter Rosei ein fein gesponnenes Beziehungsgeflecht und fügt die einzelnen Charakterstudien zu einem Gesellschaftsportrait. Selbstgefällig, unverfroren, eitel und maßlos sind sie allesamt, wenngleich es Unterschiede zwischen dem alten Geldadel und den Neureichen gibt, die jegliche soziale Verantwortung vermissen lassen &#8211; ein ehemaliger österreichischer Finanzminister könnte als Prototyp dieser neuen gierbasierten Spezies dienen.</p>
<p>Rosei besticht in diesem schmalen Büchlein mit tiefgründiger Psychologie in einer formvollendeten Sprache. Die Thematik des schnöden Mammons steht nicht im Scheinwerferlicht, sondern lauert im Hintergrund und stellt die Triebfeder des menschlichen Handelns dar. Kurze Rede, langer Sinn: ein Roman passend wie die Faust aufs Auge dieser Welt, die von einer Finanzkrise in den nächsten Wirtschaftsabschwung taumelt und weil es so lustig ist, gleich noch einmal von vorne. </p>
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		<title>Hallgrímur Helgason: Eine Frau bei 1000°</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/10/hallgrimur-helgason-eine-frau-bei-1000%c2%b0/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 20:08:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Helgason, Hallgrímur]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Hallgrímur Helgason]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach den ersten 20,25 Seiten sickerte es ganz langsam durch: Forrest Gump! [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1383" title="Eine Frau bei 1000°" src="/wp-content/uploads/Eine-Frau-bei-1000.jpg" alt="" width="150" height="226" />Nach den ersten 20,25 Seiten sickerte es ganz langsam durch: Forrest Gump! Ich lese hier ein Buch über Forrest Gump, nur eben in der isländischen, weiblichen und weniger rührenden sondern eher verschärften, direkteren Version. Diese Erkenntnis half mir ab diesem Zeitpunkt enorm weiter beim Lesen, denn bis dahin hatte ich mich schon mehrmals gefragt, wo überhaupt ich denn hier hinein geraten war.<span id="more-1382"></span></p>
<p>Tom Hanks sitzt auf seiner Bank im Park und erzählt seine Forrest-Gump-Geschichte. Das ist ein weitaus angenehmeres Bild als jenes, das bei den Erzählungen der 80-jährigen kettenrauchenden, bettlägerigen, pflegebedürftigen Herbjörg Maria Björnsson entsteht. Nicht nur weil sie, abgeschoben von der Familie, in einer ehemaligen Garage mit Bett und PC ihre Tage dahin lebt. Das alleine wäre eher bemitleidenswert. Nein, das Bild der Frau auf dem Buchumschlag wirkt auf mich einfach &#8230; unheimlich und abweisend, kalt (ist das Mann oder Frau, 80 oder 180 Jahre alt, noch lebendig oder schon tot?). Und ihre Erzählungen verstärken diesen Eindruck noch.</p>
<p>Und wie komme ich auf Forrest Gump? Herbjörg, die Enkelin des isländischen Präsidenten, Herbjörg, die die Beatles in Hamburg getroffen hat und mit John Lennon geknutscht, Herbjörg, die in Südafrika während der Apartheit am Tisch des Präsidenten saß, die Marlene Dietich kennen lernte und deren Vater ein glühender Naziverehrer war. Und noch ein paar Ereignisse mehr, die für Island, für Europa innerhalb ihrer eigenen Lebensspanne wichtig waren, hat sie selbst erlebt, war ein Teil davon, kann sich daran erinnern und darüber berichten.</p>
<p>Was diese Berichte aber an Wahrheitsgehalt beinhalten, daß muss man sich selbst ausrechnen. Wenn die alte, vom Krebs zerfressene Frau heute im Internet als jugendliche Schönheitskönigin auftritt und Männer aus der ganzen Welt sich in sie verlieben lässt, sagt das genug aus über ihre Geschichten aus der Vergangenheit? Je mehr ich von ihr lese, desto mehr wandelt sich das Bild von Tom Hanks in Hans Albers; von Forrest Gump in den Lügenbaron Münchhausen (ob das gerecht oder ungerecht ist &#8211; ich weiß es nicht). Hallgrímur Helgason lässt es offen, ob er eine Geschichte über das Leben einer Frau erfindet, oder die Geschichte einer Frau, die ihr Leben erfindet.</p>
<p>Ein vor und zurück in der Zeit: ein (halbes) Kapitel lang sind wir in der Garage, erleben Herbjörg wie sie heute ist, krank, eigentlich schon bald tot, sarkastisch. Alleine mit sich, ihrem PC und ihrer (deutschen) Handgranate, die sie seit dem 2. Weltkrieg begleitet (man weiß ja nicht, wozu man so ein Ding gebrauchen könnte). Dann wieder zurück in ein vergangenes Kapitel ihres Lebens, räsonierend (sehr oft) über Männer, die Welt zur jeweiligen Zeit, die Länder und die Menschent im Allgemeinen. Dann grenzen sich ihren Gedanken zeitlich ein, dreht sich alles um die Zeit von Beginn bis zum Ende des Weltkrieges, darum, wie sie in dieser Zeit lebte, wie sie damals eine andere wurde.</p>
<p>Ihre Geschichten sind manchmal amüsant, manchmal traurig, zynisch und anklagend, verzeihend und komisch. Ganz so auf und ab, wie es die Biografie eines bewegten Lebens sein kann. Dabei legt sie bei ihren Erinnerungen keinen gesteigerten Wert auf Chronologie, es geht vor und zurück, lediglich der Anfang und der Endpunkt sind fest: 1929, das Jahr ihrer Geburt und 2009, das Jahr, in dem sie in der Garage haust. Ihr Räsonieren ist dabei oft eine Anklage, ein Mensch, unzufrieden mit dem Ausgang und dem Verlauf seines/ihres Lebens kann auch im Rückblick wohl kaum viele wertvolle, positive Momente finden.</p>
<p>Es ist ein Ein-Personen-Stück in einer Szene. Das Bühnenbild ändert sich nicht, es bleibt immer das Bett, die Garage, der PC, die Handgranate. Hin und wieder Gastauftritte von NebendarstellerInnen. Die Rückblicke sind wie Einspielungen, projiziert auf die Wand hinter dem Bett, Herbjörg spricht dazu mit alter, verrauchter Stimme, bewegt sich nicht.</p>
<p>Man sieht, ich habe einige Eigenbau-Bilder gebraucht, um in dieses Buch hinein zu finden, einige entstanden zwischen den Seiten &#8211; Bilder, die, da bin ich sicher, kaum bei anderen LeserInnen entstehen werden, die werden sich, wenn überhaupt, ihre ganz eigenen zurecht malen. Mit diesen Bilder und Assoziationen aber wurde für mich langsam aber sicher etwas Lesenswertes daraus. Ohne sie? Kann ich nicht sagen, ich hätte möglicherweise nach einigen Seiten aufgehört (und das wäre, im nachhinein betrachtet, schade gewesen).</p>
<p>So begann eine abwechslungsreiche Lesereise durch die Zeit und durch ein Leben. Mit jeder gelesenen Seite benötigte ich die (Hilfs)Bilder weniger, konnte ich mich mehr in die Erzählungen und in die Erzählerin hinein versetzen und beides mit erleben. Oft etwas derb, direkt, ungeschminkt und brüsk in der Sprache aber insgesamt genau so abwegig und skurril, wie ich es mir von Hallgrímur Helgason erwartet hatte.</p>
<p>PS eine Sache hat mich bei diesem Buch beeindruckt: immer wieder, mitten im Text, finden sich kurze Formulierungen, die eine Situation, einen Gedanken, ein Geschehen, eine Erinnerung oder eine Sache mit wenigen Worten enorm prägnant und bildhaft beschreiben. Beispiele dafür zu bringen wäre allerdings nicht zielführend, es fehlte dabei ja der Kontext der Handlung. Da hilft nur selbst lesen.</p>
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		<title>Andrej Kurkow: Der wahrhaftige Volkskontrolleur</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/10/andrej-kurkow-der-wahrhaftige-volkskontrolleur/</link>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 16:20:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kurkow, Andrej]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Andrej Kurkow]]></category>

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		<description><![CDATA[Pawel Aleksandrowitsch Dobrynin, hochanständiger Sowjet aber nicht gerade beliebt, wird auf der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1264" title="Der wahrhaftige Volkskontrolleur" src="/wp-content/uploads/Kurkow.jpg" alt="" width="150" height="248" />Pawel Aleksandrowitsch Dobrynin, hochanständiger Sowjet aber nicht gerade beliebt, wird auf der Kolchoseversammlung zum Volkskontrolleur ernannt. Das Amt des Arbeitskontrolleurs gilt auf Lebenszeit. Damit untersteht er der höchsten Führungsebene des Landes. Er hat allerdings auch Privilegien. Institutionen und Werke, die einer Kontrolle unterzogen werden, sind verpflichtet, den Volkskontrolleur zu verpflegen und seine Arbeit abzugelten.<span id="more-1263"></span></p>
<p>So begibt sich Pawel auf die Reise. Er hinterlässt sein einfaches Leben und nimmt Abschied von seiner Frau Manjoschka, seinen Kindern Petka und Paul, sowie seinem geliebten Hund, um sich im Amt bestätigen zu lassen und seine Arbeit aufzunehmen.</p>
<p>Zuerst landet er beim Sekretär Kowalenkow. Dieser ist für Pawels Einschulung zuständig. Er übergibt ihm die Broschüre „Arbeitskontrolle“ von Lenin. Ein paar Tage darauf bringt ihn ein Fahrer zum Genossen Pawljuk, wo er bei Tee durch die Partei als Volkskontrolleuer betraut wird. Letztendlich ist noch das Politbüro in Moskau als letzte Instanz dran um Pawel in seinem Amt zu bestätigen.</p>
<p>Als Volkskontrolleur wird er in die verschiedensten Regionen geschickt, um dort den erbarmungslosen Kampf für die wahre Ordnung und für die Qualität der Produktion zu führen.</p>
<p>Nebenbei sieht das System vor, dass Pawel in seinem Amt eine dienstliche Ehefrau zur Seite gestellt bekommt. Das ist ihm gar nicht geheuer. Aber für alle, die nicht aus Moskau kommen, ist das so vorgesehen. Gleichzeitig wird Pawel versichert, dass seine Familie in der Obhut der Partei ist, er solle sich also keine Sorgen machen. Seine erste Reise zwecks Arbeitskontrolle geht ins Polargebiet.</p>
<p>Nebenbei sitzt Direktor Banow abends gerne auf dem Dach seiner Schule und genießt den Ausblick. Banow erhält vom obersten Regime immer pädagogische Anweisungen. So sollen alle Schüler und Schülerinnen einen Aufsatz schreiben. Titel kann aus 3 Themen gewählt werden. „Warum ich mein Vaterland liebe“, „Meine Familie – die Erbauer des Kommunismus“ oder „Wovon mein Papa träumt“. Dabei fällt ihm ein Aufsatz des Jungen Robert Roid in die Hände. Der Name Roid erinnert ihn an einen rothaarigen Anarchisten, den er im Kampf kennengelernt hat. Dessen Lebensmotto war: „Es gibt nur zwei Freuden. Die Frauen und den Kampf.“ Der Direktor lernt die Schwester des vergifteten Anarchisten kennen und verliebt sich in sie.</p>
<p>Außerdem kommt ein Engel vom Himmel auf die Erde um Nachschau zu halten, warum es noch kein Russe und keine Russin in den Himmel geschafft hat. Er tauscht unwissend mit dem jungen Deserteur Sergunkow, einem ehemaligen Rotarmisten, die Kleidung. Bald pilgert der Engel mit einer ganzen Gruppe von Deserteuren, stets dem Stern Archipka folgend, in Richtung gelobtes Land, um dort eine neue Existenz aufzubauen.</p>
<p>Als weiterer Akteur treibt sich der Künstler Mark mit seinem sprechenden Papagei Kusma durchs Land.</p>
<p>Diese vier Handlungsstränge haben eines gemeinsam. Das Leben im Kommunismus ist absolut durchstrukturiert, alles in der Gesellschaft in angeordnet, vorgeschrieben und so überschaubau gemacht. Ansonsten gibt es bei den Protagonisten keine gemeinsamen Berührungspunkte.</p>
<p>Ein hoch sozialkritisches Buch. Empfehlenswert!</p>
<p>Gefehlt hat mir eine weitere Verbindung der vier Handlungsstränge, als &#8220;nur&#8221; die politische Struktur des Landes und ihre Auswirkungen auf das tägliche Leben. Außerdem hat mich der Schreibstil persönlich nicht angesprochen.</p>
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		<item>
		<title>Douglas Coupland: JPod</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/09/douglas-coupland-jpod/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Sep 2011 07:02:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coupland Douglas]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Douglas Coupland]]></category>

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		<description><![CDATA[Während der Lektüre von „JPod“ drängte sich mir unweigerlich die Frage auf, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1276" title="JPod" src="/wp-content/uploads/JPod.jpg" alt="" width="150" height="225" />Während der Lektüre von „JPod“ drängte sich mir unweigerlich die Frage auf, ob es sich bei diesem Werk nicht teilweise um reine Papierverschwendung handelt. Weil die ersten hunderttausend Zahlen nach dem Komma von Pi benötigen schon einigen Platz, 30 Seiten genau genommen. Und in einer Liste von 58.894 willkürlich generierten Ziffern einmal den Buchstaben O zu verstecken, verschlingt ebenfalls auf einen Sitz gleich mal 30 Seiten.<span id="more-1275"></span></p>
<p>Da fallen die 8.363 Primzahlen zwischen 10.000 und 100.000 schon gar nicht mehr so ins Gewicht.</p>
<p>Aber „JPod“ hat, man glaubt es kaum, auch so etwas wie eine Handlung, eine versuchte zumindest. Coupland erzählt von einer kleinen Entwicklungsabteilung für Ideen in einem Konzern, der Computerspiele in Vancouver, Kanada herstellt. Kaitleen, Bree, John Doe, Cowboy, Mark und der Ich-Erzähler Eithan Jarlewski, alle mehr oder weniger autistische Nerds, tummeln sich Tag und Nacht in ihrer Arbeitswabe. Das neueste Projekt ist ein Skateboardspiel, in das nach dem Willen der Marketing-Manager eine Schildkröte integriert werden soll, um es ein wenig aufzupeppen, sprich pfeifen muss das Ding.</p>
<p>Wenn sie glauben dies sei absurd, so werfen sie diesen Gedanken gleich wieder über Bord, denn die Skurrilitäten purzeln nur so aus den Seiten hervor. Eithans Mutter, die im Keller des elterlichen Hauses eine beachtliche Cannabisplantage betreibt, tötet aus Versehen ihren jugendlichen Liebhaber mittels Stromschlag. Der Vater, ein erfolgloser Schauspieler auf der Jagd nach seiner ersten Sprechrolle verstrickt sich ebenfalls in Affären mit jungen Kolleginnen und somit benötigen beide regelmäßig die Hilfe ihres Sohnes.</p>
<p>Dann taucht auch noch ein dubioser Chinese namens Kam Fong mit einem Flüchtlingsschwarm auf, der ebenfalls mit Drogen handelt und in weiterer Folge Eithans Vorgesetzten nach China entführen lässt, wo er ihn im Hinterland in einer Fabrik unter ständiger Heroingabe die Sohlen von Nike-Turnschuhen ausstanzen  lässt.</p>
<p>Eithan macht sich auf den Weg ins Reich der Mitte, um den Boss zurückzuholen, was gar nicht so einfach ist, das sich dieser inzwischen an die Droge gewöhnt hat und trifft zum Drüberstreuen im Flugzeug auch noch auf den Schriftsteller Douglas Copeland, der eine lukrative Geschäftsidee verfolgt.</p>
<p>An dieser Stelle möchte ich anmerken, sollte Mr. Copeland auch zukünftig derartigen Stuss fabrizieren, wird ihm wohl tatsächlich nichts anderes übrig bleiben, als sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen.</p>
<p>Zwar gelingen ihm immer wieder witzige Dialoge, aber alles in allem ist die Story doch zu flach. Coupland zeichnet das Ab- bzw. Zerrbild des modernen Angestelltendaseins in einem multinationalen Konzern. Überarbeitet ist keiner der Protagonisten, ganz im Gegenteil versuchen sie durch allerlei Spielchen ein wenig Ablenkung (um nicht zu sagen Sinn) in ihren Arbeitsalltag in der dumpf gewordenen Wohlstandsgesellschaft des 21. Jahrhunderts zu bringen.</p>
<p>Ronald McDonald, The Simpson oder die Ninja-Turtles, die Kenntnisse von Douglas Coupland über die amerikanische Gesellschaft und ihre „kulturellen“ Auswüchse sind vielfältig und er versucht sie in breiter Phalanx mit aller Gewalt zwischen die Buchdeckeln zu pressen. Was zu viel ist zuviel – mein besonderes Beileid gilt an dieser Stelle den beiden Übersetzern. Es muss die Hölle gewesen sein!</p>
<p>Irgendwie passt es zum Gesamtbild, dass das Lektorat auch nicht zu Hochform aufgelaufen ist und sich eine erkleckliche Anzahl von Fehlern eingeschlichen hat. Empfehlenswert ist die Lektüre in der Nähe eines Computers, um die vielen, dem Europäer wahrscheinlich unbekannten Begriffe gleich googeln zu können. Sollten sie Spezialist für Softwareapplikationen, amerikanische Fastfoodketten oder selbst ein Autist sein, vergessen sie meine vorangegangene Empfehlung.</p>
<p>Um alles auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen: die Hälfte der Seiten hätte angesichts der dünnen Handlung bei weitem auch gereicht!     </p>
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		<title>Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 15:49:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jonasson, Jonas]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Jonas Jonasson]]></category>

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		<description><![CDATA[Allan Emmanuel Karlsson hat im letzten Jahrhundert wahrlich eine Menge erlebt. Kaum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" title="Jonas Jonasson" src="/wp-content/uploads/Jonasson.jpg" alt="" width="150" height="240" />Allan Emmanuel Karlsson hat im letzten Jahrhundert wahrlich eine Menge erlebt. Kaum ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung wo er nicht seine Finger oder noch mehr von sich im Spiel hatte. Da er für sein Alter noch erstaunlich agil ist, steigt er aus dem Fenster des Seniorenheims, in dem er residiert und macht sich wie man so schön sagt vom Acker. Wir schreiben Montag, den 2. Mai 2005 und die Vorbereitungen zur Feier seines 100. Geburtstags sind in vollem Gange. Aber Herr Karlsson will lieber noch mal ein Abenteuer erleben und er sollte nicht enttäuscht werden. <span id="more-1320"></span></p>
<p>Bereits am Busbahnhof von Malmköping (richtig bemerkt, wir befinden uns in Schweden) entwendet er einem jungen Mann einen Koffer, der mit der Kleinigkeit von 50 Millionen Kronen gefüllt ist. Das Geld dient allerdings nicht zur Bestechung eines Politikers (wie gesagt wir sind in Schweden und nicht in Österreich), sondern stammt aus einem Drogendeal der Verbrecherorganisation „Never again“. Daraufhin heften sich die Mitglieder dieses Syndikats an die Fersen des Hundertjährigen, der in Pantoffeln unterwegs ist.</p>
<p> Selbstverständlich versetzt sich die Polizei und die Presse nach dem Verschwinden von Herrn Karlsson in helle Aufregung und startet eine landesweite Fahndung bzw. Kampagne.</p>
<p>Besonders der ermittelnde Staatsanwalt Ranelid wittert eine Sensation, die seiner Karriere den entscheidenden Schub verpassen kann und versteigt sich zu aberwitzigen Theorien.</p>
<p>Inzwischen ist Herr Karlsson mit dem Bus in die schwedischen Wälder unterwegs, trifft dort auf den Kleinkriminellen Julius Jonsson und die beiden freunden sich an. Als dann der seinen Koffer suchende Drogendealer auftaucht gibt es den ersten Toten – es handelte sich allerdings um ein Versehen, da es in einer Kühlkammer nun mal halt wirklich ziemlich kalt wird, wenn man vergisst sie wieder aufzumachen. </p>
<p>In weiterer Folge stoßen in diesem Road-Trip ein Imbissbudenbesitzer, eine schöne Frau mitsamt einem Elefanten(!), sowie Schäferhund, aber auch der Chef des Verbrechersyndikats „Never Again“ aufeinander und jagen mit den verschiedensten Vehikeln kreuz und quer durch Schweden. Und die Polizei in Gestalt von Kommissar Aronsson ist immer einen Schritt hintennach, fast so wie im richtigen Leben.</p>
<p>So weit so gut, aber parallel dazu erzählt Jonas Jonasson (der Autor) die schier unglaubliche Biographie von Allan Emmanuel Karlssen, eine dreiste Lügengeschichte von beinahe Münchhausenscher Dimension. Nachdem sich der junge Karlssen den Beruf des Sprengmeisters selbst beigebracht hat und es ein unfreiwilliges Opfer gab, gerät der völlig unpolitische Schwede in die Fänge der Weltpolitik.</p>
<p>Oppenheimer gab er den entscheidenden Tipp zum Bau der Atombombe, selbigen Dienst erwies er Josef Stalin. Einer der vielen Verlobten von Mao tse Tung rettete er das Leben. Mit dem amerikanischen Vizepräsidenten Harry Truman leerte er zwei Flaschen Tequila während Präsident Roosevelt verstarb. Mit Herbert Einstein, dem Bruder des berühmten Physikers, legte er Wladiwostock in Schutt und Asche und auch der gegenwärtige Diktator von Nordkorea Kim Jong il saß bereits als Kind auf seinem Schoß und weinte bittere Tränen.</p>
<p>Dies ist nur ein kleiner Auszug aus dem ereignisreichen Leben von Allan Emmanuel Karlssen in einem turbulenten Jahrhundert und die Episode mit Mei Ling, der Frau des Revolutionärs Tschiang Kai-Shek erspare ich uns lieber, denn die war mal eine wirklich unangenehme Frau, mein lieber Schwan.</p>
<p>Karlssen überquerte weiters den Himalaja (im zweiten Anlauf, denn beim ersten Versuch hatte er sich verlaufen), geriet in Gefangenschaft des iranischen Geheimdienstes in der Ära des Schahs (iranische Gefängnisse sind aber auch heute noch keine Beauty-Farmen) und rettete Winston Churchill das Leben – eine Leistung, die er im Spanischen Bürgerkrieg auch für General Franco erbrachte.</p>
<p>Jonassons Werk mit dem doch etwas sperrigen Titel ist eine Mischung aus Kriminalsatire und Geschichtsroman, erinnert phasenweise an „Forrest Gump“, wenngleich Allan Emmanuel Karlsson nicht mit jener grenzenlosen Naivität ausgestattet ist, die der Protagonist aus Winston Grooms Roman sein eigen nennen kann.</p>
<p>Die Sprache ist (bewusst?) einfach gehalten, daher rasch lesbar. Die Figurenzeichnung verharrt leider etwas zu sehr an der Oberfläche. Aber alles in allem eine vergnügliche, flotte Lektüre, getragen von der Phantasie und Kreativität des Autors, die zum Schmunzeln anregt, ein richtiges Sommerbuch halt. Aber der geht leider auch schon wieder zu Ende.</p>
<p>PS: Jetzt ist mir auch klar, warum die Kriminalitätsrate in Schweden so niedrig ist. Dort werden anscheinend nur die Dummen Verbrecher und die Klugen gehen alle zur Polizei. Bei uns scheint dies ja leider umgekehrt zu sein. Oder vielleicht doch nicht?</p>
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		<title>Roberto Bolaño: Das Dritte Reich</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 17:35:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bolaño, Roberto]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Roberto Bolano]]></category>

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		<description><![CDATA[In einer Anmerkung am Ende des Buches schreibt Christian Hansen, der Übersetzer, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1353" title="Das Dritte Reich" src="/wp-content/uploads/Das-dritte-Reich.jpg" alt="" width="150" height="230" />In einer Anmerkung am Ende des Buches schreibt Christian Hansen, der Übersetzer, dass man hier ein Buch in der Hand habe, von dem niemand weiß, ob Bolaño selbst es veröffentlicht wissen wollte. Denn obwohl bereits im Jahr 1989 in einem praktisch druckreifen Manuskript fertig gestellt, hat es Bolaño zu seinen Lebzeiten nicht an seinen Verlag weiter gegeben. Ein Werk aus dem Nachlass, ein Frühwerk erwartet uns, doch ob es in dieser Form, in diesem Inhalt und Umfang den Vorstellungen des Autors entspricht, ob es aus seiner Sicht für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt war, das bleibt wohl unbekannt.<span id="more-1352"></span></p>
<p>Die Idee zum Roman wurde unter anderem aus Bolaños eigener Leidenschaft für Brettspiele geboren. Diese findet sich hier mit seinen Betrachtungen für den Faschismus, die Nazis, über den Krieg, über das dadurch verursachte Leid der Menschen zusammen, Themen, die bei Bolaño immer wieder im Mittelpunkt seiner Romane und Erzählungen stehen.</p>
<h3>Aus der Realität</h3>
<p>Udo Berger kehrt erstmals nach 10 Jahren an den Ort an der spanischen Costa Brava zurück, mit dem er viele und schöne Erinnerungen an frühere Familienurlaube verbindet. Es ist der erste gemeinsame Urlaub mit seiner Freundin Ingeborg, geplant als Erholung und als Arbeitsurlaub. Dabei werden viele das, was Udo als &#8220;Arbeit&#8221; bezeichnet viel eher als Freizeit und Vergnügen betrachten: seine gestellte Aufgabe ist es, für das Strategiespiel &#8220;Das dritte Reich&#8221; eine neue  Strategie zu entwickeln und darüber einen Artikel für ein Fachmagazin zu schreiben.</p>
<p>Tage vergehen, an denen Udo zuerst einmal lernt, sich um seine Freundin zu kümmern, begreift, dass er aktiv daran arbeiten muss, ihre Beziehung in Schwung zu halten, versteht, dass er sich nicht einfach den ganzen Tag an seinen Spieltisch, den er &#8211; nicht ohne Schwierigkeiten, muss man sagen -  in seinem Hotel organisieren konnte, im Hotelzimmer setzen kann, wenn sie einen gemeinsamen Urlaub geplant hatten.</p>
<h3>Die Fiktion</h3>
<p>Später, als Udo im &#8220;Verbrannten&#8221;, dem Mann mit dem verbrannten Gesicht, einen Partner für das Spiel findet, verlieren sich alle Vorsätze und Vorstellungen, die ihn mit Ingeborg verbinden. Schritt für Schritt zieht ihn das Spiel gegen den undurchschaubaren Gegner aus der Realität in die Scheinwelt des Strategiespieles hinein. Udo spielt &#8220;Die Deutschen&#8221;, der Verbrannte übernimmt den Part der Alliierten. Der neuerliche Kampf um &#8220;Das Dritte Reich&#8221; entbrennt in der Phantasie der beiden und wird auf dem Spielbrett ausgetragen.</p>
<p>Ein Kampf um den Sieg beim Spiel wird mit jedem Tag wie zu einem Kampf um den Sieg in der realen Welt. Immer mehr übernimmt das Spiel die Regie über das gesamte Geschehen. Immer verlockender wird es, mit neuen Spielzügen die historische Wirklichkeit zu verändern. Menschen und  Kriegsgerät werden verschoben, einfach von einem Spielfeld ins nächste und Udo begreift zunehmend alles als ganz reale Manöver. </p>
<p>Wie einfach ist es doch, eine Armee dorthin zu stellen, eine Flotte hier zum Einsatz zu bringen, Gibraltar fällt, London wird bedroht. Hätten damals die deutschen Generäle nur das Wissen und das strategischen Können von Udo gehabt, ein anderer Ausgang des Krieges wäre möglich gewesen.</p>
<p>Langsam wird klar, dass es sich um weitaus mehr handelt, als um die intensive Beschäftigung mit dem Spiel. Vielmehr beginnt das Spiel in unerklärlicher Weise in die reale Welt einzugreifen. Udos Gegner beim Spiel wird zu einer Bedrohung, geheimnisvoll wandelt sich in heimtückisch, Rivalität beim Spiel in wirkliche Feindschaft. Der Verbrannte gewinnt immer mehr Stärke, Udo kann seine anfänglichen Erfolge nicht nützen und gerät in Bedrängnis. Weitaus mehr vielleicht, als er denkt.</p>
<h3>Echt Bolaño</h3>
<p>Alleine schon die Tagebuchform dieses Buches lässt ein gänzlich neues Bolaño-Lesegefühl entstehen. Wenn man es von ihm gewohnt ist, lange und inhaltsvolle Sätze und seitenlange Absätze zu lesen, dann ist jetzt die Aufteilung in Tages-Kapitel, die jeweils nur wenige Seiten umfassen, eine ganz neue Erfahrung (Ich muss sagen, es erleichtert die Lektüre doch ungemein, man kann bewusst pausieren und findet leicht den Wiedereinstieg). Auch sonst fand ich weit kürzere Gedankengänge und Sätze als in vielen anderen Werken von Bolaño vor &#8211; kürzer, dabei aber genauso direkt, klar und wirkungsvoll. </p>
<p>Die Tagebucheinträge des Udo Berger wirken so, als würde der gerade an seinem Schreibtisch oder auf der Terrasse oder am Spielbrett sitzen, gerade jetzt darüber nachdenken, was er den Tag über getan habe, eben nur noch überlegen, wie er dieses nun formulieren und jenes niederschreiben kann. Es sind Sätze und Eindrücke und Gedankengänge wie aus einem wahren Leben.</p>
<p>Langsam entwickelt sich eine Spannung, die greifbar, fast körperlich wird. Man merkt, dass das Spiel, obwohl davon zu Beginn kaum die Rede ist, sich immer weiter in den Vordergrund drängt, so als ob es als dritte Person mit Ingeborg und Udo (später mit Udo und dem &#8220;Verbrannten&#8221;) im Hotelzimmer wäre und immer vehementer darauf poche, endlich selbst im Mittelpunkt zu stehen, selbst die Richtung vorzugeben. Es ist das Spiel, das die Spieler zu Spielfiguren seiner (Spiel)Regeln macht, wie Marionetten.</p>
<p>Wie gebannt las ich einen Tag nach dem anderen und wieder einmal konnte ich eines der Bücher von Roberto Bolaño nicht aus der Hand legen, bis die letzte Zeile gelesen war.</p>
<p>Es ist eine beeindruckende Schilderung von Irreführungen, Obsessionen, Träumen. Ein fast übergangsloses Hin und Her zwischen den Kriegsjahren und dem Jetzt in dem sich die Elemente ganz unterschiedlicher Genres zu einem grossartigen Roman zusammen finden.</p>
<p>PS: Die Messlatte, die Basis für Bolaños posthumen Ruhm ist &#8220;2666&#8243;. &#8220;Das Dritte Reich&#8221; hätte es aus meiner Sicht ebenfalls mit Leichtigkeit geschafft, den Ruhm des Roberto Bolaño zu begründen. Ich hoffe , dass es noch weiteres aus dem bislang unveröffentlichten Nachlass zu lesen gibt, denn es wäre zu schade, wenn diese Quelle schon endgültig versiegt ist.</p>
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