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	<title>Literatur Blog &#187; Sündi</title>
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	<description>von LeserInnen für LeserInnen</description>
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		<title>Norbert Horst: Splitter im Auge</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Oct 2011 23:54:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Horst, Norbert]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalromane]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Horst]]></category>

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		<description><![CDATA[Kommissar Thomas Adam, von allen nur Steiger genannt, weil sein Vater Bergmann [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1412" title="Splitter im Auge" src="/wp-content/uploads/Splitter-im-Auge.jpg" alt="" width="150" height="243" />Kommissar Thomas Adam, von allen nur Steiger genannt, weil sein Vater Bergmann war, ist ein alter Haudegen des Einsatztrupps der Dortmunder Kriminalpolizei. Knapp über 50, geschieden, desillusioniert und gesundheitlich angeschlagen vermittelt er irgendwie den Eindruck eines Wallander aus dem Ruhrpott. <span id="more-1411"></span>Da Steiger der Hang zu Eigensinnigkeiten nicht abzusprechen ist, landete er auf dem beruflichen Abstellgleis, sprich viele Spät- und Nachtdienste, Einsatz dort, wo gerade Not am Mann ist.</p>
<p>Vor kurzem war Steiger Mitglied in einer Mordkommission, die den bestialischen Sexualmord an einem Mädchen aufgeklärt hat. Der Täter, ein Asylwerber aus Burkina Faso wurde aufgrund eines anonymen Hinweises und überreichlich vorhandener DNS rasch gefasst und anschließend verurteilt. Allerdings passt die Aussage einer Zeugin nicht ins Bild, die das Mordopfer nach ihrem Verschwinden noch lebend gesehen haben will und von ihr sogar eine SMS mit der Bitte um Hilfe erhalten hat.</p>
<p>Steiger beginnt an der offiziellen Version zu zweifeln und nimmt gemeinsam mit seiner jungen Partnerin Jana Goll, einer engagierten Ermittlerin mit kasachischen Wurzeln, die Fährte wieder auf, was in seiner Dienststelle auf heftige Ablehnung stößt. Bei seinen Recherchen stößt Kommissar Adam auf zwei ältere Fälle, die signifikante Parallelen zum aktuellen Kriminalfall aufweisen. Steiger vermutet einem Serienmörder auf der Spur zu sein, aber niemand will ihm Glauben schenken.</p>
<p>Steiger verlässt sich nicht so sehr auf die Fakten, sondern auf sein Bauchgefühl, wie es viele große Kriminalisten in der Literatur zu tun pflegen. Unterstützung erhält er nur von Paul Battaglino, dem bestaussehenden Polizisten im Lande, so eine Art George Clooney der Dortmunder Polizei, mit dem er seit den gemeinsamen Anfängen in der Polizeischule eng befreundet ist.  </p>
<p>Parallel zum Krimiplot erzählt der Autor die Lebensgeschichte der Täter, einem ungleichen Brüderpaar aus schwerreichem Hause. Auch Steiger sieht sich plötzlich mit einem Halbbruder konfrontiert, der nach dem Tod seines Vaters, kurz vor der Testameneröffnung, einer außerehelichen, vor allen geheim gehaltenen Beziehung entsteigt.</p>
<p>Norbert Horst ist von Beruf Kriminalhauptkommissar in Nordrhein-Westfalen und hat selbst in zahlreichen Mordfällen ermittelt. Im Blick hinter die Kulissen des Polizeigetriebes liegt auch die absolute Stärke dieses Kriminalromans. Die zunehmenden Drogen- und Eigentumsdelikte vor allem in Großstädten, verbunden mit einer generell steigenden Aggressivität in der Gesellschaft ergeben jene Melange, aus der die sich verbreitende Frustration in den Polizeiapparaten genährt wird.</p>
<p>Die Geschichte verläuft genretypisch in mehreren Ebenen, der Spannungsbogen wird von Seite zu Seite angespannt, um schließlich alle Handlungsfäden am Ende zu einem großen Showdown zusammenzuführen. Die Sprache ist einfach gehalten und ermöglicht eine unkomplizierte und rasche Lektüre der knapp 350 Seiten.</p>
<p>Ärgerlich ist wieder einmal ein eher schlampiges Lektorat. Irgendwie drängt sich mir der schwere Verdacht auf (die seuchenartig sich verbreitende Unschuldsvermutung gilt diesmal nicht), dass speziell bei Büchern die ausschließlich als Taschenbuch verlegt werden in diesem Bereich gespart bzw. geschludert wird. Und wenn dem so ist, dann ist es eine Frechheit!</p>
<p>Stellenweise geraten auch die Sprachbilder ein wenig plump. Beispiel gefällig? „Jana folgte ihm mit einem Gesicht, dem man von der Internationalen Raumstation aus angesehen hätte, dass ihr hier einiges gegen den Strich ging.“  Aber im Großen und Ganzen ein ganz brauchbarer und spannender Krimi für einen verregneten Sonntag oder den einen oder anderen Winterabend. Jedenfalls hat Norbert Horst mit dem Steiger einen neuen deutschen Kriminalkommissar geschaffen, der sicherlich Ausbaupotential hat.</p>
<p>PS: Wie ein Splitter ins Auge stach mir dieses Buch, da es diesen Monat die von ARTE und Zeit erstellte Krimibestenliste anführt und da muss ich mich schon ein bisschen wundern.     </p>
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		<title>Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/10/friedrich-durrenmatt-die-physiker/</link>
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		<pubDate>Sat, 08 Oct 2011 02:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dürrenmatt, Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Komödie]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Dürrenmatt]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Tag der Bekanntgabe des diesjährigen Nobelpreisträgers für Literatur ist mir ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1401" title="Die Physiker" src="/wp-content/uploads/Die-Physiker.jpg" alt="" width="150" height="238" />Der Tag der Bekanntgabe des diesjährigen Nobelpreisträgers für Literatur ist mir ein willkommener Anlass wieder einmal (blind) in die Lade mit der Aufschrift „Standardwerke zur Deutschmatura“ zu greifen. And the winner is Tomas Tranströmer! Da sich aber kein Gedicht des schwedischen Poeten darin befindet, wurden es wieder mal „Die Physiker“ vom guten, alten Fritz Dürrenmatt. Dieses Werk der geneigten Leserin oder dem interessierten Leser dieses Blogs vorzustellen, würde in die Kategorie „Eulen nach Athen tragen“ fallen oder wenn sie so wollen ähnlich sinnvoll wie die Ausweitung des Rettungsschirms für Griechenland sein.<span id="more-1400"></span></p>
<p>Trotzdem eine kurze Darstellung des Inhalts, quasi zur Wiederholung und Belebung.</p>
<p>Wir befinden uns in der Villa einer Irrenanstalt – ja, blicken sie sich ruhig um, das Theaterstück hat nichts von seiner Aktualität verloren. Im Mittelpunkt stehen drei Physiker, die sich für geisteskrank halten. Der erste behauptet Albert Einstein zu sein, der zweite hält sich für Sir Isaac Newton und der dritte Naturwissenschafter, Johann Wilhelm Möbius, hat die Weltformel entdeckt, die in den falschen Händen zur Vernichtung der gesamten Menschheit führen kann.</p>
<p>Möbius behauptet, ihm erscheine König Salomo, um sich selbst unglaubwürdig erscheinen zu lassen und so dem Missbrauch seiner revolutionären Entdeckung vorzubeugen. Newton und Einstein sind aber in Wahrheit Agenten rivalisierender Geheimdienste, die sich ins Irrenhaus einweisen ließen, um an die Erkenntnisse ihres „Kollegen“ zu gelangen.</p>
<p>Die drei Physiker ermorden ihre Krankenschwestern, da sie um ihr Geheimnis fürchten. Als die Polizei unter der Leitung von Kommissar Voß die Ermittlungen aufnimmt, vernichtet Möbius die Formel und überzeugt seine „Kollegen“ ihr gefährliches Wissen zu verschweigen, um die Welt vor dem Untergang zu retten.</p>
<p>Doch leider ist es zu spät, weil die Besitzerin und Chefärztin des Irrenhauses Mathilde von Zahnd bereits sämtliche Aufzeichnungen kopiert hat. Sie, die einzige Verrückte im gesamten Ensemble, glaubt tatsächlich im Auftrag von König Salomo zu handeln und will mit Hilfe der Formel die Weltherrschaft erringen. Die Physiker, durch die von ihnen verübten Morde öffentlich als Verrückte stigmatisiert, bleiben im Irrenhaus eingesperrt und sehen sich nicht in der Lage van Zahnd an der Verwirklichung ihrer Pläne zu hindern.</p>
<p>Friedrich Dürrenmatt thematisiert in dieser „Komödie“ die Grundfrage von Ethik in der Wissenschaft, der Verantwortung des Forschers für seine Entdeckung und das Dilemma, dass einmal Entdecktes nicht mehr zurückgenommen werden kann. Newton und Einstein repräsentieren den Zwiespalt zwischen der um ihrer selbst Willen betriebenen „reinen Wissenschaft“ und der pragmatischen, auf ihre Anwendung ausgerichteten Forschung. Aus beiden Zweigen entsteht neues Wissen und lässt die Schlussfolgerung zu, dass Wissenschaft zwangsläufig zum Negativen führt.</p>
<p>Ob Newton und Einstein nun Verrückte, Agenten oder verrückte Agenten sind ist von untergeordneter Bedeutung. Im Vordergrund steht die Tatsache, dass Wissenschaft immer auch in die falschen Hände geraten kann und häufig auch gerät.</p>
<p>Dürrenmatt schrieb die Physiker im Jahr 1961 unter dem Eindruck der sich global ausbreitenden atomaren Bewaffnung.</p>
<p>Auch 50 Jahre nach der Veröffentlichung bzw. Erstaufführung sind „Die Physiker“ noch immer eines der am häufigsten gespielten Theaterstücke des deutschen Sprachraums.</p>
<p>Wie viele wissenschaftliche Theorien können dieses Privileg für ihren Gegenstand für sich in Anspruch nehmen? </p>
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		<title>Peter Rosei: Geld!</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/10/peter-rosei-geld/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Oct 2011 07:48:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Rosei, Peter]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Rosei]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Ende des Romans hat der junge Broker Tom Loschek eine neue [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1351" title="Geld" src="/wp-content/uploads/Geld.jpg" alt="" width="150" height="232" />Am Ende des Romans hat der junge Broker Tom Loschek eine neue Geschäftsidee: „Amerika! Immobilien! Die braven Leute wollen sich Eigenheime bauen. Jeder sein warmes Nest. So viel Geld haben sie aber nicht, um das zu schaffen. Also brauchen sie Kredit, und den gibt man ihnen, nicht zu knapp.“ Wie die ganze Geschichte ausgegangen ist, wissen wir ja inzwischen und sie wird wohl auch noch nachfolgende Generationen beschäftigen.<span id="more-1350"></span></p>
<p>Peter Rosei erzählt in „Geld!“ die Vorgeschichte des großen Zusammenbruchs, stellt uns Menschen vor, die Geld haben, jedoch kein großes Aufheben darüber machen und es selbstverständlich laufend vermehren wollen. Ihnen stellt er die Gruppe der so genannten Aufsteiger samt den dazu passenden Frauen gegenüber, die im Schatten des Geldadels auch unbedingt an die große Kohle kommen wollen.</p>
<p>Der Roman beginnt mit dem 60-jährigen Georg Asamer, Besitzer einer florierenden Werbeagentur, der alleine mit einer Haushälterin in seiner Villa in Hietzing wohnt. Asamer hat nicht vergessen, dass sein Erfolg auch auf der Motivation seiner Mitarbeiter beruht. Neues Personal geleitet er noch persönlich zum Arbeitsplatz. Und jetzt steht er im Badezimmer und starrt auf seine dämlichen Zehen und Nägel, „die nie etwas vom Sterben gehört oder gewusst hatten &#8230;&#8221;</p>
<p>Der Unternehmertypus Asamer stirbt aus und wird ersetzt von seinem Nachfolger Andy Sykora, glatt und frisch &#8220;wie eine Wasserlache gleich nach dem Regen&#8221;. Sykora nimmt seine Mitarbeiter nicht wirklich wahr, nur sich selbst, ist skrupellos und wird von keinerlei moralischen Zwängen gebremst. Da dies auf Dauer aber auch fad ist, sucht er sich ein neues Betätigungsfeld, ein Abenteuer, die Börse, sprich den Thrill der Spekulation.</p>
<p>Ein weiterer Reicher ist der Schweizer Pharmakonzernerbe Hansjörg Falenbruck, der vor Jahren vor der Last des väterlichen Erbes und einer aus heiterem Himmel abgesagten Hochzeit in die Südsee geflohen ist. Dort führt er das Hotel in dem Sykora und seine Gattin Elena, eine ehemalige Sekretärin in Asamers Agentur, die Flitterwochen verbringen. Einige Jahre später und zurück in Wien wird Frau Sykora völlig undramatisch in den Besitz des Konzernerben übergehen.</p>
<p>In weiterer Folge stoßen wir auch auf die Spuren von Irma Wonisch, jener Frau die einst Falenbruck vor dem Altar stehen ließ, ebenfalls einer Erbin aus begütertem Wiener Bürgertum, die sich gern in Künstlerkreisen bewegt und ihrer Sexualität freien Lauf lässt. Doch dann lernt sie den am Beginn erwähnten Broker Loschek kennen, der als Kind misshandelt wurde und bei Pflegeeltern aufwuchs. Sein Geltungsdrang fasziniert Irma und obwohl in finanziellen Dingen durchaus bewandert, liefert sie sich dem unscheinbaren jungen Mann aus.</p>
<p>Zwischen diesen Figuren entwickelt Peter Rosei ein fein gesponnenes Beziehungsgeflecht und fügt die einzelnen Charakterstudien zu einem Gesellschaftsportrait. Selbstgefällig, unverfroren, eitel und maßlos sind sie allesamt, wenngleich es Unterschiede zwischen dem alten Geldadel und den Neureichen gibt, die jegliche soziale Verantwortung vermissen lassen &#8211; ein ehemaliger österreichischer Finanzminister könnte als Prototyp dieser neuen gierbasierten Spezies dienen.</p>
<p>Rosei besticht in diesem schmalen Büchlein mit tiefgründiger Psychologie in einer formvollendeten Sprache. Die Thematik des schnöden Mammons steht nicht im Scheinwerferlicht, sondern lauert im Hintergrund und stellt die Triebfeder des menschlichen Handelns dar. Kurze Rede, langer Sinn: ein Roman passend wie die Faust aufs Auge dieser Welt, die von einer Finanzkrise in den nächsten Wirtschaftsabschwung taumelt und weil es so lustig ist, gleich noch einmal von vorne. </p>
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		<title>Douglas Coupland: JPod</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/09/douglas-coupland-jpod/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Sep 2011 07:02:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Coupland Douglas]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Douglas Coupland]]></category>

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		<description><![CDATA[Während der Lektüre von „JPod“ drängte sich mir unweigerlich die Frage auf, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1276" title="JPod" src="/wp-content/uploads/JPod.jpg" alt="" width="150" height="225" />Während der Lektüre von „JPod“ drängte sich mir unweigerlich die Frage auf, ob es sich bei diesem Werk nicht teilweise um reine Papierverschwendung handelt. Weil die ersten hunderttausend Zahlen nach dem Komma von Pi benötigen schon einigen Platz, 30 Seiten genau genommen. Und in einer Liste von 58.894 willkürlich generierten Ziffern einmal den Buchstaben O zu verstecken, verschlingt ebenfalls auf einen Sitz gleich mal 30 Seiten.<span id="more-1275"></span></p>
<p>Da fallen die 8.363 Primzahlen zwischen 10.000 und 100.000 schon gar nicht mehr so ins Gewicht.</p>
<p>Aber „JPod“ hat, man glaubt es kaum, auch so etwas wie eine Handlung, eine versuchte zumindest. Coupland erzählt von einer kleinen Entwicklungsabteilung für Ideen in einem Konzern, der Computerspiele in Vancouver, Kanada herstellt. Kaitleen, Bree, John Doe, Cowboy, Mark und der Ich-Erzähler Eithan Jarlewski, alle mehr oder weniger autistische Nerds, tummeln sich Tag und Nacht in ihrer Arbeitswabe. Das neueste Projekt ist ein Skateboardspiel, in das nach dem Willen der Marketing-Manager eine Schildkröte integriert werden soll, um es ein wenig aufzupeppen, sprich pfeifen muss das Ding.</p>
<p>Wenn sie glauben dies sei absurd, so werfen sie diesen Gedanken gleich wieder über Bord, denn die Skurrilitäten purzeln nur so aus den Seiten hervor. Eithans Mutter, die im Keller des elterlichen Hauses eine beachtliche Cannabisplantage betreibt, tötet aus Versehen ihren jugendlichen Liebhaber mittels Stromschlag. Der Vater, ein erfolgloser Schauspieler auf der Jagd nach seiner ersten Sprechrolle verstrickt sich ebenfalls in Affären mit jungen Kolleginnen und somit benötigen beide regelmäßig die Hilfe ihres Sohnes.</p>
<p>Dann taucht auch noch ein dubioser Chinese namens Kam Fong mit einem Flüchtlingsschwarm auf, der ebenfalls mit Drogen handelt und in weiterer Folge Eithans Vorgesetzten nach China entführen lässt, wo er ihn im Hinterland in einer Fabrik unter ständiger Heroingabe die Sohlen von Nike-Turnschuhen ausstanzen  lässt.</p>
<p>Eithan macht sich auf den Weg ins Reich der Mitte, um den Boss zurückzuholen, was gar nicht so einfach ist, das sich dieser inzwischen an die Droge gewöhnt hat und trifft zum Drüberstreuen im Flugzeug auch noch auf den Schriftsteller Douglas Copeland, der eine lukrative Geschäftsidee verfolgt.</p>
<p>An dieser Stelle möchte ich anmerken, sollte Mr. Copeland auch zukünftig derartigen Stuss fabrizieren, wird ihm wohl tatsächlich nichts anderes übrig bleiben, als sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen.</p>
<p>Zwar gelingen ihm immer wieder witzige Dialoge, aber alles in allem ist die Story doch zu flach. Coupland zeichnet das Ab- bzw. Zerrbild des modernen Angestelltendaseins in einem multinationalen Konzern. Überarbeitet ist keiner der Protagonisten, ganz im Gegenteil versuchen sie durch allerlei Spielchen ein wenig Ablenkung (um nicht zu sagen Sinn) in ihren Arbeitsalltag in der dumpf gewordenen Wohlstandsgesellschaft des 21. Jahrhunderts zu bringen.</p>
<p>Ronald McDonald, The Simpson oder die Ninja-Turtles, die Kenntnisse von Douglas Coupland über die amerikanische Gesellschaft und ihre „kulturellen“ Auswüchse sind vielfältig und er versucht sie in breiter Phalanx mit aller Gewalt zwischen die Buchdeckeln zu pressen. Was zu viel ist zuviel – mein besonderes Beileid gilt an dieser Stelle den beiden Übersetzern. Es muss die Hölle gewesen sein!</p>
<p>Irgendwie passt es zum Gesamtbild, dass das Lektorat auch nicht zu Hochform aufgelaufen ist und sich eine erkleckliche Anzahl von Fehlern eingeschlichen hat. Empfehlenswert ist die Lektüre in der Nähe eines Computers, um die vielen, dem Europäer wahrscheinlich unbekannten Begriffe gleich googeln zu können. Sollten sie Spezialist für Softwareapplikationen, amerikanische Fastfoodketten oder selbst ein Autist sein, vergessen sie meine vorangegangene Empfehlung.</p>
<p>Um alles auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen: die Hälfte der Seiten hätte angesichts der dünnen Handlung bei weitem auch gereicht!     </p>
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		<title>Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/09/jonas-jonasson-der-hundertjahrige-der-aus-dem-fenster-stieg-und-verschwand/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Sep 2011 15:49:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Jonasson, Jonas]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Jonas Jonasson]]></category>

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		<description><![CDATA[Allan Emmanuel Karlsson hat im letzten Jahrhundert wahrlich eine Menge erlebt. Kaum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft" title="Jonas Jonasson" src="/wp-content/uploads/Jonasson.jpg" alt="" width="150" height="240" />Allan Emmanuel Karlsson hat im letzten Jahrhundert wahrlich eine Menge erlebt. Kaum ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung wo er nicht seine Finger oder noch mehr von sich im Spiel hatte. Da er für sein Alter noch erstaunlich agil ist, steigt er aus dem Fenster des Seniorenheims, in dem er residiert und macht sich wie man so schön sagt vom Acker. Wir schreiben Montag, den 2. Mai 2005 und die Vorbereitungen zur Feier seines 100. Geburtstags sind in vollem Gange. Aber Herr Karlsson will lieber noch mal ein Abenteuer erleben und er sollte nicht enttäuscht werden. <span id="more-1320"></span></p>
<p>Bereits am Busbahnhof von Malmköping (richtig bemerkt, wir befinden uns in Schweden) entwendet er einem jungen Mann einen Koffer, der mit der Kleinigkeit von 50 Millionen Kronen gefüllt ist. Das Geld dient allerdings nicht zur Bestechung eines Politikers (wie gesagt wir sind in Schweden und nicht in Österreich), sondern stammt aus einem Drogendeal der Verbrecherorganisation „Never again“. Daraufhin heften sich die Mitglieder dieses Syndikats an die Fersen des Hundertjährigen, der in Pantoffeln unterwegs ist.</p>
<p> Selbstverständlich versetzt sich die Polizei und die Presse nach dem Verschwinden von Herrn Karlsson in helle Aufregung und startet eine landesweite Fahndung bzw. Kampagne.</p>
<p>Besonders der ermittelnde Staatsanwalt Ranelid wittert eine Sensation, die seiner Karriere den entscheidenden Schub verpassen kann und versteigt sich zu aberwitzigen Theorien.</p>
<p>Inzwischen ist Herr Karlsson mit dem Bus in die schwedischen Wälder unterwegs, trifft dort auf den Kleinkriminellen Julius Jonsson und die beiden freunden sich an. Als dann der seinen Koffer suchende Drogendealer auftaucht gibt es den ersten Toten – es handelte sich allerdings um ein Versehen, da es in einer Kühlkammer nun mal halt wirklich ziemlich kalt wird, wenn man vergisst sie wieder aufzumachen. </p>
<p>In weiterer Folge stoßen in diesem Road-Trip ein Imbissbudenbesitzer, eine schöne Frau mitsamt einem Elefanten(!), sowie Schäferhund, aber auch der Chef des Verbrechersyndikats „Never Again“ aufeinander und jagen mit den verschiedensten Vehikeln kreuz und quer durch Schweden. Und die Polizei in Gestalt von Kommissar Aronsson ist immer einen Schritt hintennach, fast so wie im richtigen Leben.</p>
<p>So weit so gut, aber parallel dazu erzählt Jonas Jonasson (der Autor) die schier unglaubliche Biographie von Allan Emmanuel Karlssen, eine dreiste Lügengeschichte von beinahe Münchhausenscher Dimension. Nachdem sich der junge Karlssen den Beruf des Sprengmeisters selbst beigebracht hat und es ein unfreiwilliges Opfer gab, gerät der völlig unpolitische Schwede in die Fänge der Weltpolitik.</p>
<p>Oppenheimer gab er den entscheidenden Tipp zum Bau der Atombombe, selbigen Dienst erwies er Josef Stalin. Einer der vielen Verlobten von Mao tse Tung rettete er das Leben. Mit dem amerikanischen Vizepräsidenten Harry Truman leerte er zwei Flaschen Tequila während Präsident Roosevelt verstarb. Mit Herbert Einstein, dem Bruder des berühmten Physikers, legte er Wladiwostock in Schutt und Asche und auch der gegenwärtige Diktator von Nordkorea Kim Jong il saß bereits als Kind auf seinem Schoß und weinte bittere Tränen.</p>
<p>Dies ist nur ein kleiner Auszug aus dem ereignisreichen Leben von Allan Emmanuel Karlssen in einem turbulenten Jahrhundert und die Episode mit Mei Ling, der Frau des Revolutionärs Tschiang Kai-Shek erspare ich uns lieber, denn die war mal eine wirklich unangenehme Frau, mein lieber Schwan.</p>
<p>Karlssen überquerte weiters den Himalaja (im zweiten Anlauf, denn beim ersten Versuch hatte er sich verlaufen), geriet in Gefangenschaft des iranischen Geheimdienstes in der Ära des Schahs (iranische Gefängnisse sind aber auch heute noch keine Beauty-Farmen) und rettete Winston Churchill das Leben – eine Leistung, die er im Spanischen Bürgerkrieg auch für General Franco erbrachte.</p>
<p>Jonassons Werk mit dem doch etwas sperrigen Titel ist eine Mischung aus Kriminalsatire und Geschichtsroman, erinnert phasenweise an „Forrest Gump“, wenngleich Allan Emmanuel Karlsson nicht mit jener grenzenlosen Naivität ausgestattet ist, die der Protagonist aus Winston Grooms Roman sein eigen nennen kann.</p>
<p>Die Sprache ist (bewusst?) einfach gehalten, daher rasch lesbar. Die Figurenzeichnung verharrt leider etwas zu sehr an der Oberfläche. Aber alles in allem eine vergnügliche, flotte Lektüre, getragen von der Phantasie und Kreativität des Autors, die zum Schmunzeln anregt, ein richtiges Sommerbuch halt. Aber der geht leider auch schon wieder zu Ende.</p>
<p>PS: Jetzt ist mir auch klar, warum die Kriminalitätsrate in Schweden so niedrig ist. Dort werden anscheinend nur die Dummen Verbrecher und die Klugen gehen alle zur Polizei. Bei uns scheint dies ja leider umgekehrt zu sein. Oder vielleicht doch nicht?</p>
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		<title>Cormac McCarthy: Draußen im Dunkel</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/09/cormac-mccarthy-drausen-im-dunkel/</link>
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		<pubDate>Fri, 16 Sep 2011 14:22:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[McCarthy, Cormac]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Cormac McCarthy]]></category>

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		<description><![CDATA[Cormac McCarthy zählt neben Philip Roth, Thomas Pynchon und Don DeLillo zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1357" title="Draußen im Dunkel" src="/wp-content/uploads/Draussen-im-Dunkeln.jpg" alt="" width="150" height="250" />Cormac McCarthy zählt neben Philip Roth, Thomas Pynchon und Don DeLillo zu den wohl bedeutendsten Romanschriftstellern unserer Zeit und wird alljährlich, wenn der Zirkus um die Vergabe des Literatur-Nobelpreises beginnt, wie das Amen im Gebet in die Manege getrieben. Weil es bald wieder so weit ist, kein schlechter Anlass ein Werk des Meisters genauer unter die Lupe zu nehmen, der sich vorwiegend mit Menschen beschäftigt, die sich an den Rändern der menschlichen Gesellschaft bewegen.<span id="more-1356"></span></p>
<p>McCarthy, der ähnlich Thomas Pynchon praktisch nie in der Öffentlichkeit auftritt, erzählt in „Draußen im Dunkel“, seinem zweiten, im Jahr 1968 erschienen Roman, die Geschichte des Geschwisterpaares Cuffa und Rinthy Holme, die abgeschieden in einer Hütte fern der Zivilisation im Süden der USA in inzestuöser Beziehung zusammenleben.</p>
<p>Als die Schwester ein Baby zur Welt bringt, setzt es der Bruder und Vater kurzerhand im Wald aus und überlässt es seinem Schicksal. Dort wird es von einem Kesselflicker, so eine Art fahrender Gemischtwarenhändler gefunden, der regelmäßig bei der Hütte vorbeikommt. Er nimmt das namenlose Neugeborene mit und übergibt es in die Obhut einer Amme.</p>
<p>Seiner im Wochenbett liegenden Schwester erzählt Cuffa das Kind sei unmittelbar nach der Geburt gestorben, doch Rinthy glaubt ihm nicht und macht sich auf die Suche nach ihrem Baby. Aber das scheint von vornherein aussichtslos. Niemand hat das Kind gesehen, keiner kann Auskunft geben. Die Menschen in diesem Landstrich sind seltsam. Fremde werden gefürchtet, denn in der Nacht streifen drei Reiter durch die Gegend. Sie plündern, sie brandschatzen, sie morden.</p>
<p>Nachdem Cuffa bemerkt, dass seine Schwester verschwunden ist, macht er sich ebenfalls auf den Weg, um nach ihr zu suchen. Im Prinzip ist damit die Handlung des Romans referiert, wenig spektakulär, ohne verblüffende Wendungen und Irrwege.</p>
<p>Beeindruckend ist allerdings die drastische Sprache von Cormac McCarthy. Vorwiegend mit schlichten mitleid- und emotionslosenlosen Sätzen, direkten Reden in Mundart ohne Anführungszeichen, die Zeichensetzung ausschließlich an der gewünschten, vom Autor dadurch hervorgerufenen Verständlichkeit und nicht am Lehrbuch orientiert, erzeugt er einen strengen Realismus, der einem Schauer über den Rücken rieseln lässt.</p>
<p>Knapp und präzise die Beschreibung der Südstaatenlandschaft durch die das Geschwisterpaar irrt. Real und mythisch zugleich. Unwirtliche Berge, faulige Sumpflandschaften, wuchernde Wälder, ein reißender Fluss, der zur Todesfalle wird. Eine Topographie des Bösen, weil das Gute fehlt. Beinahe von der ersten Seite wird man das Gefühl nicht los, dass die Suche nur ein apokalyptisches Ende nehmen kann.  </p>
<p>„Ich beneide alle Leser, die ihre erste Erfahrung mit der Prosa dieses Autors noch vor sich haben; es ist eine Erfahrung, als habe man die Welt bislang durch Milchglas betrachtet. McCarthys Sprache klärt den Blick.“, meinte die Süddeutsche Zeitung in einem Kommentar.</p>
<p>Und mir graut vor dem nächsten Werk.</p>
<p>PS: Ich danke einem Freund, der mir dieses Buch (und noch viele andere) vermacht hat, welches aus der Auflösung einer der bestsortierten privaten Bibliotheken dieses Landes stammt.           </p>
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		<title>Thomas Hürlimann: Der große Kater</title>
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		<pubDate>Wed, 14 Sep 2011 00:42:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Biographie]]></category>
		<category><![CDATA[Hürlimann, Thomas]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Hürlimann]]></category>

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		<description><![CDATA[„Der Bundespräsident saß hinter dem Pult im Ledersessel. Er war am Ende. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1337" title="Der große Kater" src="/wp-content/uploads/Der-grosse-Kater.jpg" alt="" width="150" height="238" />„Der Bundespräsident saß hinter dem Pult im Ledersessel. Er war am Ende. Er hatte keine Kraft mehr. Er liebte sein Land, seine Frau, und die Dämmerung liebte er auch. Es war der 19. Juli 1979, kurz nach 17 Uhr.“ Thomas Hürlimann erzählt im vorliegenden Werk eindringlich und wortgewaltig die Geschichte seines Vaters Hans, dem ehemaligen Schweizer Staatsoberhaupt, von seinen Landsleuten liebevoll der große Kater genannt.<span id="more-1336"></span></p>
<p>„Viele blieben stehen, alte Männer zogen den Hut, und es sagten die Mütter mit ehrfürchtig leiser Stimme: ’Schau, mein Kind, da kommt der große Kater!’“ Der Staatsbesuch des spanischen Königspaares hätte der Höhepunkt seiner politischen Karriere werden sollen. Doch ausgerechnet am geplanten Zenit spinnt sein langjähriger Weggefährte Pfiff, der Chef der Sicherheitspolizei, eine teuflische Intrige, deren Auslöser in der Vergangenheit wurzelt.</p>
<p>Dort hat der große Kater nämlich einst Pfiff seine Freundin Marie ausgespannt. Sie ist heute seine Frau, die Mutter ihrer drei Kinder und selbstverständlich die First Lady. Der jüngste Sohn des Paares ist an Krebs erkrankt und liegt im Sterben. Pfiff hat den Besuch eben jener Kinderklinik ins Damenprogramm aufgenommen und dies auf unschuldig &#8211; perfide Weise damit begründet, dass Königin Sofia früher eine Kinderkrankenschwester war.</p>
<p>Für Marie entstand jedoch zwangsläufig der Eindruck, ihr Mann benütze den sterbenden Sohn für seine politischen Zwecke, die öffentliche Zurschaustellung soll ihm seine Karriere retten. Beim abendlichen Staatsdiner mit dem Königspaar kommt es zum Eklat, um nicht zu sagen zum Skandal. Der große Kater ist am Ende, sein Rücktritt scheint unabwendbar.</p>
<p>Aber der Präsident nimmt sich die anklagenden Worte seiner Frau zu Herzen, zieht alle Register seines strategischen Könnens und holt zum Gegenschlag aus, um zu retten was noch zu retten ist.</p>
<p>Streng chronologisch läuft die autobiographisch-fiktive Handlung während der 20 Stunden des spanischen Staatsbesuchs ab, nur unterbrochen durch Reisen in die Vergangenheit des großen Katers und seines langjährigen Gefährten Pfiff, quasi back to the roots. Und an den Wurzeln dieses Romans geht es nicht um Politik, sondern um alte Rechnungen, die beglichen werden wollen, um verletzten Stolz befeuert aus der unerschöpflichen Quelle von einst verschmähter oder gewährter Liebe.   </p>
<p>Hürlimann (ich meine den Schriftsteller) gewährt einen Blick hinter die Kulissen des politischen  Getriebes, in die höchsten Sphären der Macht. Bereits im Jahr 1979 war der Druck der Öffentlichkeit auf politische Amtsträger enorm – zur Erinnerung: dies war die Zeit als bei uns Bruno Kreisky aufgrund seines medialen Talents noch fröhliche Volksfeste feierte.</p>
<p>Die Grenzen zwischen Öffentlichem und Privatem beginnen zu verschwimmen, eine Entwicklung, die sich im 21. Jahrhundert in diese Richtung weiterpervertiert hat – man denke nur an die bizarren „Homestories“ oder an das Gesicht unserer Justizministerin, sozusagen ein Ka(r)lauer.</p>
<p>Spaß beiseite, ähnlich Kreisky war Hürlimann (ich meine den Politiker) noch das, was man eine Type nennt, ein Mann von Schrot und Korn, einer aus dem Volk. „Das war sein Markenzeichen – wenn er gefahren wurde, bediente der Bundespräsident die Hupe selber, vom Fond aus, und ihr Gequieke war laut genug, um schmetternde Militärkapellen, Schlachtenlärm, Glockenläuten und den Jubel der Massen schrill zu übertönen.“ &#8211; möglicherweise hat da unser Hubsi Gorbach etwas falsch verstanden.</p>
<p>Bundespräsident Hans Hürlimann ist jedenfalls nicht vergleichbar mit den neurolinguistisch programmierten, jederzeit austauschbaren Politzombies unserer Zeit. Und seinem Sohn Thomas ist mit dieser Mischung aus Politsatire, Familienepos, sowie philosophischer Reflexion ein Schlüsselroman seiner Zeit gelungen, der auch heute noch aktuell ist. Ach, was schreibe ich bloß, „der große Kater“ ist leider aktueller denn je.</p>
<p>PS: Im Jahr 2010 wurde das Buch verfilmt, mit dem grandiosen Bruno Ganz in der Rolle des großen Katers.</p>
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		<title>Friedrich Torberg: Die Erben der Tante Jolesch</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Sep 2011 00:12:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Humor]]></category>
		<category><![CDATA[Torberg, Friedrich]]></category>
		<category><![CDATA[Friedrich Torberg]]></category>

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		<description><![CDATA[Sollte einem Schriftsteller die Gnade zuteil werden sein einen Bestseller zu verfassen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1308" title="Die Erben der Tante Jolesch" src="/wp-content/uploads/Tante-Jolesch1.jpg" alt="" width="150" height="243" />Sollte einem Schriftsteller die Gnade zuteil werden sein einen Bestseller zu verfassen, spürt er möglicherweise den inneren Drang oder den äußeren Zwang, eine Fortsetzung zu schreiben. Dieses Vorhaben kann von Erfolg gekrönt sein oder fürchterlich in die Hose gehen. Davon abgesehen scheint es eine wichtige Funktion zu sein, den Rubel am Rollen zu halten, wenn er sich endlich in Bewegung gesetzt hat. Selbst der große Friedrich Torberg konnte nicht widerstehen und musste die Kuh nochmals durchs Dorf treiben, so lange sie eben noch Milch gibt, um es ein wenig salopp zu formulieren.<span id="more-1307"></span></p>
<p>Der Autor nimmt jedoch von vornherein seinen Kritikern den Wind aus den Segeln, indem er anstelle eines Vorworts verschiedene mögliche Verrisse publiziert. „Friedrich Torberg, dem seit seinem 1930 erschienenen Erstlingsroman ‚Der Schüler Gerber hat absolviert’ jede breitere Publikumswirkung versagt geblieben ist, bittet also die Leser seiner erfolgreichen ‚Tante Jolesch’ ein zweitesmal zur Kassa. Man merkt die Absicht und man ist von vornherein verstimmt.“</p>
<p>Angefressen bin ich zwar ganz und gar nicht, wenngleich doch zu vermerken ist, dass sich die humoristische Qualität des vorliegenden Buches nicht mit der „Original-Jolesch“ messen kann. Vom sprachlichen Standpunkt sind die Erben analog zu den Anekdoten der legendären Ahnfrau allerdings wieder zum auf der Zunge zergehen lassen.  </p>
<p>Torberg liefert anfangs Berichtigungen und Bereicherungen, Zusätzliches und Nachträgliches, sowie selbstverständlich Ergänzungen zu den Geistesgrößen dieser untergegangenen Epoche, sprich jene Begebenheiten, die im ersten Buch keinen Platz mehr fanden oder ihm erst nachträglich einfielen oder zugetragen wurden.</p>
<p>Beispielsweise über Karl Kraus, der in seinen Jugendjahren um die Gunst der Schauspielerin Elfriede Schopf buhlte und dies vergeblich. Nachdem der Partner von Frau Schopf (endlich) das Zeitliche segnete, sah Kraus seine Chance gekommen und meinte: “Jetzt müsste man die Schopf bei der Gelegenheit packen!“</p>
<p>Auch der aus dem ersten Band bereits bekannte originelle Rechtanwalt Dr. Hugo Sperber tritt  wieder in Erscheinung. Diesmal berichtet Torberg von einem Prozess, wo Sperber einen Einbrecher verteidigt, dessen Anklage sich auf eine Tasche mit Einbruchswerkzeugen stützt. „Herr Vorsitzender, ich habe ständig das zum Ehebruch erforderliche Werkzeug bei mir. Ist das ein Verdachtsmoment?“, entgegnete der Advokat nicht ohne eine Anflug von Ironie.</p>
<p>Wien war früher (man glaubt es kaum) auch die Stadt der großen Seelenforscher. Legendär dabei der Konflikt zwischen dem etablierten Wagner Jauregg und den revolutionären, jüngeren Psychoanalytiker wie Sigmund Freud und Alfred Adler. Bei einem Festbankett zu Ehren des Medizinnobelpreisträgers Wagner Jauregg hielten auch seine jüngeren Kollegen festliche Ansprachen.</p>
<p>Wagner Jauregg bedankte sich und gab dabei seiner Hoffnung Ausdruck, dass auch sie einmal den Nobelpreis zugesprochen bekommen. Dies sorgte für Überraschung, da er auf die nachfolgende Medizinergeneration nicht sehr gut zu sprechen war. Aber im anschließenden Nachsatz präzisierte er, dass er selbstverständlich jenen für Literatur gemeint habe.</p>
<p>Bezeichnend auch die Antwort von Wagner Jauregg, die er auf die Frage gab, ob er wissen möchte, was die Unterredung von Sigmund Freud mit einem seiner Patienten, einem besonders schwierigen Fall, zu Tage gefördert hat: „Das interessiert mich nicht was zwei Tepperte miteinander reden.“</p>
<p>Breiten Raum widmet der Sprachkünstler Torberg dem traurigen Kapitel der Flucht vor den Nazi-Schergen und der anschließenden Zeit der Emigration in Amerika, vornehmlich in Hollywood und New York im Kapitel „Die Zeitenwende“.</p>
<p>Abgerundet wird der Band mit Anekdoten über das Theater und die dazugehörigen Schauspieler, sowie den Sport – Torberg war Mitglied der österreichischen Wasserballnationalmannschaft, also ein Berufener.</p>
<p>Im Anhang sind noch die Nachrufe auf Hans Moser, Armin Berg, Karl Farkas, Gisela Werbezirk und Alma Mahler Werfel zu lesen. Hach, was waren das für Kapazunder und was würden wir heute alles geben für nur einen von ihnen. Alle Barbara Wussows und Harald Krassnitzers dieser Welt. Und die ganzen Fortells gibt’s selbstverständlich gratis dazu!</p>
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		<title>Pete Dexter: Deadwood</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 00:55:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Dexter, Pete]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Pete Dexter]]></category>

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		<description><![CDATA[Einige Kritiker, unter anderen auch jener der Washington Post meinten, DEADWOOD sei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1267" title="Deadwood" src="/wp-content/uploads/Deadwood.jpg" alt="" width="150" height="216" />Einige Kritiker, unter anderen auch jener der Washington Post meinten, DEADWOOD sei “wahrscheinlich der beste Western, der je geschrieben wurde.“ Bezüglich dieser Aussage wage ich es nicht, mir ein Urteil anzumaßen, da meine Kenntnisse der Westernliteratur nicht über Karl May und G.F.Unger (ich meine die Heftchenromane) hinausreichen. Was ich aber mit Fug und Recht behaupten kann ist, dass DEADWOOD der beste Western ist, den ich bisher gelesen habe.<span id="more-1266"></span></p>
<p>Wir schreiben das Jahr 1876. Der legendäre Revolverheld James Butler “Wild Bill“ Hickok und sein Freund Charley Utter sind mit einem Treck aus Cheyenne kommend in Deadwood eingetroffen. „Im Duell war er eiskalt, ohne nachzudenken tötete er das was vor ihm stand. Danach ging er fort, als hätte er nichts damit zu tun. Es war eine Form von Reinheit.“</p>
<p>Charley hat in seinem Leben noch nie auf einen Menschen schießen müssen und ist wenn man so will ein Geschäftsmann. „Charley hat nie die Absicht gehabt, in Panama reich zu werden, aber Geld hatte die Angewohnheit, ihm wie von selbst zuzufließen, als stünde er hügelabwärts.“ </p>
<p>Die Goldgräberstadt, die ihren Namen nicht zu unrecht trägt, liegt in den Black Hills in South Dakota, umgeben von jeder Menge Indianer, die erbittert um ihre Heimat kämpfen. Während des Trecks gab es einige Probleme, da Malcolm Nash, der Bruder von Charleys Utters Frau Matilde, versehentlich Wild Bills Pferd erschoss. „Bis auf das Pferd war es für alle ein Glück, dass es passierte, als es passierte, aber auch kein so großes Glück, als dass Gott dabei seine Hand im Spiel gehabt haben könnte.“</p>
<p>Aber noch mehr Bröseln wird es aufgrund eines Streits geben, der mit einem Mann namens Al Swearingen vom Zaun brach, der für sein Bordell, das „Gem Theater“, frische chinesische Mädchen nach Deadwood transportierte. Al Swearingen sinnt nach Rache und als professioneller Tunichtgut besitzt er ein gutes Gedächtnis.</p>
<p>Gesundheitlich gesehen pfeift Mr. Hickok, obwohl erst 39 Jahre alt, aus dem letzten Loch und auch dieses droht in Kürze zu verstummen. Und die Ärzte des Wilden Westen sind schlecht, aber sein Zustand ist noch schlechter. Morphium ist das Universalmedikament.</p>
<p>Wild Bill will einfach nur seine Ruhe und das Leben genießen, oder vielmehr was es daran noch zu genießen gibt. Doch seine Berühmtheit macht ihm einen Strich durch die Rechnung, sprich einmal Revolverheld, immer Revolverheld.</p>
<p>Auch die Damenwelt von Deadwood bedrängt Wild Bill. Da ist einerseits die Schauspielerin Mrs. Langrishe, die das Rampenlicht riecht, andererseits Calamity Jane Cannary, die am Helfersyndrom leidet und auf den ersten Blick gar nicht wie eine Frau aussieht &#8211; unter uns gesagt, auch auf den zweiten Blick nicht.</p>
<p>Doch Wild Bill ist nicht interessiert, da er erst kürzlich in St. Louis die Trapezkünstlerin Agnes Lake geheiratet hat. Außerdem benötigt er zum Pinkeln bereits eine halbe Stunde und da weiß selbst der Hobbymediziner, dass etwas Gröberes im Busch ist.</p>
<p>Wild Bill verbringt seine Tage größtenteils in den Saloons, wo er zum Gaudium der Goldgräber, Kopfgeldjäger und sonstiger Outlaws Schnapsgläser vom Rücken eines Hundes schießt, sozusagen ein Wilhelm Tell des Wilden Westens. Charley Utter hat sich inzwischen in den Kopf gesetzt mit seinem Bruder Steve einen Pony-Express von Deadwood nach Cheyenne zu gründen, um den bestehenden von Mr. Clippinger zu konkurrenzieren. „Charley verschwendete vielleicht sein Geld, aber nie seine Zeit.“</p>
<p>Wie das Amen im Gebet beginnt Al Swearingen seinen Rachefeldzug und überfällt Malcolm Nash, der sein Glück als Goldgräber versucht und fügt ihm lebensgefährliche Verletzungen zu. Schließlich engagiert er einen Schwachkopf namens Jack McCall, den Katzenmann, der Wild Bill während eines Kartenspiels in einer Bar aus nächster Nähe hinterrücks erschießt. Doch damit ist die Geschichte nicht beendet. Ganz im Gegenteil, sie beginnt erst richtig und in Deadwood wird am Ende kein Stein auf dem anderen bleiben.</p>
<p>Pete Dexter hat die historischen Vorkommnisse in Deadwood genauestens recherchiert und selbst einige Zeit in den Black Hills verbracht. Er zeigt uns den Wilden Westen wie er wirklich war: eine Welt der rohen Gewalt, von ständiger Gier und Rachegedanken angetrieben, schmutzig, korrupt, mit dem Recht des Stärkeren als Maxime.</p>
<p>Da bleibt wenig übrig von der Bonanza-Idylle mit dem dicken, gutmütigen Hoss. Man wähnt sich eher in der Vorhölle oder schon ein entscheidendes Stück weiter im Pandämonium.  Warum die Amerikaner so stolz auf diese Zeit sind und ihren Waffenwahn damit begründen, wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben.</p>
<p>Wortgewaltig und in eindringlichen Bildern erzählt er von den gescheiterten Existenzen, Gold- und Sinnsuchern, geplatzten Illusionen, sowie den vielen Schattenseiten seiner Protagonisten in diesem Babylon der Goldgräber, wo die Männer in den abgesteckten Claims das Gold aus dem Berg und sich selbst die Seelen aus dem Leib schürfen. </p>
<p>Dexter bedient sich  als Chronist einer lakonischen Sprache, die alles ein bisschen erträglicher macht. Über weite Strecken ist DEADWOOD zum Schießen komisch, weil der Autor sich nicht gescheut hat, auch Wagenladungen voll mit schwarzem Humor in den Text zu kippen.</p>
<p>DEADWOOD wurde 1986 bei Random House in New York veröffentlicht und liegt nun in deutscher Übersetzung vor. Dank und Anerkennung auch dem Liebeskind-Verlag für diese mutige Tat. Nach „Gods Pocket“ ein weiterer Beweis für die große Klasse von Pete Dexter.</p>
<p>PS: Bereits das Foto auf dem Buchcover ist legendär. Es zeigt (von links) Wild Bill Hickok, Texas Jack Omohundro und Buffalo Bill Cody, wobei ich noch nie traurigere Augen als jene von Wild Bill gesehen habe.</p>
<p>PPS: Vielleicht ist DEADWOOD tatsächlich der beste Western aller Zeiten und wenn nicht, ein wildes Lesevergnügen ist es auf jeden Fall!  </p>
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		<title>Wolfe, Thomas: Die Party bei den Jacks</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/08/wolfe-thomas-die-party-bei-den-jacks/</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Aug 2011 18:33:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfe, Thomas]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Wolfe]]></category>

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		<description><![CDATA[„Er mag von uns allen am meisten Talent gehabt haben, er hätte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1227" title="Die Party bei den Jacks " src="/wp-content/uploads/Wolfe_TParty_bei_den_Jacks_.jpg" alt="" width="150" height="239" />„Er mag von uns allen am meisten Talent gehabt haben, er hätte der größte amerikanische Schriftsteller gewesen sein können, wenn er bloß länger gelebt hätte…“, meinte kein Geringerer als William Faulkner 1952 über Thomas Wolfe. Und nach der Lektüre von „Die Party bei den Jacks“ mag man diesem schwärmerischen Rückblick auf den 1938, während der Arbeit an den Jacks, verstorbenen Schriftsteller beipflichten.<span id="more-1226"></span></p>
<p>Der Roman spielt, abgesehen von den ersten beiden Kapiteln, an einem einzigen Tag, dem 2. Mai 1928, dem Tag der Party in der Wohnung von Mr. Frederik und Mrs. Esther Jack, an der eleganten Park Avenue gelegen, unmittelbar vor dem großen Börsencrash. Mr. Jack ist ein (noch) erfolgreicher Bankier und Börsenspekulant an der Wallstreet, in den besten Jahren wie man so schön sagt, mit deutschen Wurzeln, aus Koblenz stammend. Und Mrs. Jack eine von der Kritik gefeierte Bühnenbildnerin, die in der New Yorker Kulturszene ebenfalls rauschende Erfolge feiert.</p>
<p>Geladen ist die New Yorker High Society (heute würde man Schickeria sagen), die selbstverständlich ausnahmslos erscheint, denn die alljährliche Party bei den Jacks ist legendär, sozusagen the place you have to be. Das perfekt von Mrs. Jack gestaltete Ambiente der Wohnung mit ihren riesigen Ausmaßen, ein opulentes Buffet voller Köstlichkeiten, die illustre Gästeschar und vor allem der atemberaubende Blick über die Skyline dieser “furiosen Stadt“ sind die Zutaten dieses gesellschaftlichen Highlights.</p>
<p>Geldgierige Finanzhaie, affektierte Kulturschaffende, abenteuerlustige Starlets, blasierte Adabeis, jede Menge diebisches Servicepersonal und eine Haushälterin die trinkt tummeln sich auf dieser Bühne der anderen Art. Schön, wenn Geld (noch) keine Rolex spielt.</p>
<p>Die Attraktion des Abends soll ein Drahtpuppenspieler sein, der in diesem Jahr die New Yorker Salons erobert hat.</p>
<p>Doch es gibt immer wieder fein gezeichnete Andeutungen, dass dramatische Veränderungen unmittelbar bevorstehen, die diesen aus Geld gemachten, selbstgefälligen Kosmos heimsuchen werden. Wenn die Subway unter dem Apartmenthaus durchfährt geht ein leichtes Zittern durch das Gebäude und auch durch Mr. Jack. Er verliert nur kurz, aber doch, das Vertrauen in die „schillernde Blase der Spekulation“, der er Reichtum, 50 Angestellte und ein yachtähnliches Automobil verdankt.</p>
<p>Was verbindet diese Menschen, die sich an diesem Abend bei den Jacks treffen, außer gesellschaftliche Konventionen? Sind sie an Geschäften interessiert oder doch eher aneinander? Thomas Wolfe lässt diese Fragen lange unbeantwortet, ergeht sich in detailgenauen Schilderungen von körperlichen Merkmalen und kommunikativen Eigenheiten der Partygäste. Aber ganz besonders hat es ihm die Stadt New York angetan – wie so vielen! Die Architektur seiner Sprache folgt der einzigartigen, monströsen Gestaltung der Gebäude in der wohl weltweit berühmtesten Metropole.</p>
<p>Wie „zersplitternde Schäfte aus Stahl und Stein“ ragen die Wolkenkratzer Manhattans in den Himmel. Dem Einfallsreichtum des Autors scheinen bei der Beschreibung des „Big Apple“ keinerlei Grenzen gesetzt. Mit unfassbarer, ungehemmter Sprachgewalt sprudelt es aus den Seiten hervor. Es ist eine Heimsuchung. Das schriftstellerische Talent dieses Mannes macht sprachlos.</p>
<p>Mittelpunkt und Herz der Szenerie ist allerdings die Gastgeberin Mrs. Esther Jack, die von sich selbst am meisten begeistert ist und von Wolfe besonders einfühlsam und facettenreich gezeichnet wurde. Selten noch erschien eine liebenswürdigere Person zwischen zwei Buchdeckeln (ausgenommen natürlich im Märchengenre), andererseits ist sie aber auch mit einer Abgehobenheit ausgestattet, wo es sehr guter Augen bedarf, um wenigstens noch die Fußsohlen schemenhaft in höheren Sphären erkennen zu können.</p>
<p>Hier drängt sich unweigerlich der Vergleich zum Triumvirat Grasser &#8211; Meischberger – Hochegger auf. War nicht der Karl Heinz auch immer so lieb und nett? Hat er sich nicht auch immer so gewählt ausgedrückt? Ist er wirklich so abgehoben? Wer hat ihn dann schlussendlich gewählt? Wer trägt nun die Verantwortung?</p>
<p>Am Ende bricht ein Brand oberhalb der Jackschen Wohnung aus und die gesamte Festgesellschaft muss die Flucht antreten. So wie es wenig später am „Schwarzen Freitag“ an der Wallstreet passiert ist. Oder im Jahr 2008 bei den Lehmann-Brüdern und allen anderen angeschlossenen Banken. Oder wie gerade gegenwärtig in der westlichen Finanzhemisphäre.</p>
<p>Bei Thomas Wolfe kam die Feuerwehr und brachte alles rasch wieder unter Kontrolle.</p>
<p>Ob uns das auch gelingen wird? Ich wage es zu bezweifeln.</p>
<p>Das Nachwort klärt über die autobiografischen Hintergründe des Werkes auf. Die Party fand tatsächlich statt, allerdings im Jahr 1930 im Hause eines Wallstreetspekulanten, mit dessen Gattin Thomas Wolfe ein Verhältnis unterhielt. Somit kann das Kapitel „Der Geliebte“ als Selbstbeschreibung des Schriftstellers gelesen werden.  </p>
<p>Das Romanfragment „Die Party bei den Jacks“ erschien 1995 aus dem Nachlass von Thomas Wolfe und liegt nun auch in einer grandiosen Übersetzung von Susanne Höbel in deutscher Sprache vor. Man kann dem Manesse-Verlag nur gratulieren, dieses bedeutende Stück Weltliteratur gehoben zu haben. Und es hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt und dies ist das eigentlich Erschreckende daran!</p>
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		<item>
		<title>Maja Haderlap: Engel des Vergessens</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/08/maja-haderlap-engel-des-vergessens/</link>
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		<pubDate>Tue, 23 Aug 2011 06:02:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Haderlap, Maja]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Maja Haderlap]]></category>

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		<description><![CDATA[„Der Engel des Vergessens dürfte vergessen haben, die Spuren der Vergangenheit aus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1178" title="Engel des Vergessens" src="/wp-content/uploads/Engel-des-Vergessens.jpg" alt="" width="150" height="247" />„Der Engel des Vergessens dürfte vergessen haben, die Spuren der Vergangenheit aus meinem Gedächtnis zu tilgen.“, schreibt Maja Haderlap am Ende ihres preisgekrönten ersten Prosawerkes. Gott sei Dank sind diese Himmelswesen auch nur Menschen, sonst wäre uns diese berührende, eindringlich-sensible, aber auch tieftraurige Lebens- Familien- und Volksgruppengeschichte aus dem Kärntner Grenzland „erspart“ geblieben. Und dies wäre ein großer Verlust für die literarische Landschaft Österreichs.<span id="more-1177"></span></p>
<p>Die Autorin beginnt ihre Autobiographie mit Erinnerungen an ihre Kindheit am elterlichen Hof im Lepena-Graben, in der Nähe von Eisenkappl (nunmehr gnädigerweise auch Železna Kapla-Bela) in den Kärntner Bergen gelegen, direkt an der Grenze zu Slowenien. Die herrliche Landschaft der Wälder und Wiesen steht in krassem Gegensatz zur allgemeinen Stimmung in diesem Landstrich.</p>
<p>Der Tod ist ein ständiger Begleiter der kleinen Maja &#8211; sei es durch Erzählungen der Großmutter über ihre Zeit im Konzentrationslager Ravensbrück, sei es durch die grauenhaften Erinnerungen an den Naziterror im Kärntner Unterland oder durch die häufigen Selbstmorde in der Gegend als Resultat der vielfältigen Kriegstraumata.</p>
<p>Selbst der eigene Vater droht mehrmals, wild gestikulierend mit einem Jagdgewehr in Händen, den Suizid an, da er seine seelischen Verwerfungen aus der Kriegszeit nicht überwinden kann &#8211; im zarten Alter von 12 Jahren schloss er sich den Partisanen an, nachdem ihn die GESTAPO gefoltert hat. »Er macht seinen Beklemmungen Luft, schleudert uns seine Wut als Wortsteinschlag entgegen, der uns unter sich begräbt, aus dem wir uns Stunden später mühsam herausarbeiten müssen.«</p>
<p>Maja Haderlaps Mutter ist eine fromme, sensible, jedoch aufgrund der Umstände unglückliche Frau, die ein gespannt-distanziertes Verhältnis zu ihrer Tochter pflegt.</p>
<p>Hauptbezugsperson ist die, trotz ihrer entbehrungsreichen Geschichte, kraftvolle Großmutter, die in den ersten Jahren die Erziehung übernimmt. »Im Sommer trage ich zu Hause das erste Mal einen Bikini. Großmutter holt, als sie mich darin erblickt, ihre Gusseisenpfanne und räuchert mich mit dem bitteren Duft der Weidenzweige ein.«<strong> </strong></p>
<p>Aufgrund ihrer Begabungen führt Maja Haderlaps Weg ins Gymnasium in Klagenfurt und schließlich zum Studium der Theaterwissenschaft nach Wien. Je weiter der Roman und somit das Erwachsenwerden voranschreiten, desto reflexiver werden die Betrachtungen der Erzählerin, desto präziser wird die Sprache und einer der größten Schandflecke der österreichischen Zeitgeschichte, der mit dem Begriff Ortstafelkonflikt nur unzureichend beschrieben wird, rückt immer stärker in den Mittelpunkt.</p>
<p>Zwar gab es vor kurzem die Einigung zur Aufstellung zusätzlicher Ortstafeln, doch auch hier wurde um jede einzelne Tafel gerungen, gab es keine Großzügigkeit des offiziellen Österreich für diese Volksgruppe, kein Hauch von Wiedergutmachung für die Jahre der Schmach und Unterdrückung. Ich finde dies, um es vornehm auszudrücken, schlicht und einfach schäbig. Jahrzehntelang wurden ihnen selbstverständliche Rechte verweigert, oftmals aus niederträchtigen politischen Motiven. Besonders die vom Himmel gefallene Kärntner Sonne hat sich dabei besonders unwürdig hervorgetan und eine Bande von Kriminellen hinterlassen.</p>
<p>Widerwärtig empfand ich bei der Lektüre das Verhalten eines beträchtlichen Teils der deutschsprachigen Mehrheit, die ihren slowenischstämmigen Mitbürgern einfach das Recht auf Heimat abgesprochen haben. Dabei sollten diese dummen und provinziellen Menschen einmal darüber nachdenken, wer im Krieg auf welcher Seite gestanden ist, wer die Nazis bekämpft und wer freudig mitgelaufen ist und wer somit eigentlich Dank und Anerkennung verdient hat.</p>
<p>Ups, hier ist wohl mein politisches Temperament mit mir durchgegangen, also zurück zum Stück. In Haderlaps Prosawerk, mit dem sie den diesjährigen Bachmann-Preis gewonnen hat, schimmert immer wieder ihre lyrische Profession durch und erinnert in Abschnitten an Texte der großen Herta Müller. Besonders die Großmutter und der Vater sind facettenreich und sehr intensiv beschrieben. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Autorin auch in Zukunft weiteren Erzählungen und Romanen widmet, denn aufzuarbeiten gibt es im südlichsten Bundesland wahrlich noch genug.</p>
<p>Besonders erfreulich ist auch die Tatsache, dass „der Engel des Vergessens“ seit Wochen die Verkaufslisten im österreichischen Buchhandel anführt und somit ein wenig Wahrheit über das Pack auf der anderen Seite des Packsattels bringt.</p>
<p>PS: Weil’s zur Thematik passt, ein Posting aus der Tageszeitung „Der Standard“:</p>
<p><strong>Gast: Kärntnerbua </strong><br /> 05.08.2011 23:05</p>
<h3><em>Warum muss ich mich so für unser Bundesland schämen?</em></h3>
<p><em>Mitglieder der Kärntner Landesregierung sind korrupt! </em><br /><em> Sie verschulden das Bundesland wie verrückt!</em><br /><em> Die Aussagen des Landeshauptmannes sind unerträglich!</em><br /><em> Die Arbeitslosenrate steigt!</em><br /><em> Die Abwanderung nimmt zu!</em><br /><em> Die Kärntner Landesregierung attakiert die unabhägige Justitz (sic)</em></p>
<p><em>Wie lange müssen wir uns das noch gefallen lassen?</em><br /><em> Wo wird dies noch hinführen!</em></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Peter Henisch: Morrisons Versteck</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Aug 2011 23:51:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Henisch, Peter]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Henisch]]></category>

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		<description><![CDATA[Kürzlich gab es leider durch Amy Winehouse wieder Zuwachs im legendären „Klub [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1167" title="Morrisons Versteck" src="/wp-content/uploads/Morrison.jpg" alt="" width="150" height="248" />Kürzlich gab es leider durch Amy Winehouse wieder Zuwachs im legendären „Klub der 27-jährigen“, jenem exklusiven Zirkel von früh verstorbenen Musiklegenden, dem bereits Kapazunder wie Janis Joplin, Jimmy Hendrix, Brian Jones oder Curt Cobain angehören.<span id="more-1166"></span></p>
<p>Für mich persönlich allerdings der größte, sozusagen „leader of the gang“ oder „master of desaster“, ist „the lizard king“ Jim Morrison, dem Peter Henisch mit diesem wiederaufgelegten Roman aus dem Jahr 1991 (anlässlich seines 40. Todestages) versucht hat, ein literarisches Denkmal zu setzen.</p>
<p>Der leidlich erfolgreiche Schriftsteller Paul (Peter Henisch?) erhält von seiner Jugendliebe Petra, einer Fotojournalistin, mehrere Briefe, in denen sie von wiederholten Treffen mit einem geheimnisvollen Mann in einem Park einer unbekannten amerikanischen Stadt berichtet.</p>
<p>Und dieser Mann soll (jetzt sollten Sie sich anhalten!) niemand Geringerer als James Douglas Morrison, von allen nur Jim gerufen, sein. Angeschlossen an die Briefe die Bitte, eine Biografie über diesen Hohepriester des Charismas, Grenzgänger seiner Selbst und Ausnahmekünstler zu schreiben.</p>
<p>Paul beginnt zu recherchieren und befragt seinen Freund Morgenrot, einen Musikjournalisten, der Morrison nicht ausstehen kann und somit der ideale Projektratgeber ist.</p>
<p>Wie der Zufall so spielt, erhält Paul auch noch eine Einladung zu einer Lesereise durch die USA, folgt seinen biografischen Spuren und begibt sich in das Schreckenskabinett des modernen Doktor Mabuse alias Jim himself.</p>
<p>Peter Henisch, wie Morrison Jahrgang 1943 hat eine bunte, vielschichtige Collage zum Mythos Jim Morrison zusammengestellt. Die Aorta des Romans, die alles am Leben erhält und vorantreibt, ist die bizarre Biografie dieser schillernden Persönlichkeit. Immer stärker pumpt sie in Richtung 3.Juli 1971, dem letzten Tag seines Lebens in Paris. Laufend zweigen Blutgefäße ab, in Form von Traumsequenzen des Autors, dem fiktiven Interview von Petra mit dem scheinbar untoten Jim Morrison, Meditationen über Textpassagen seiner Gedichte/Songtexte and so on.</p>
<p>Morrison selbst begriff sich viel stärker als Literat, vor allem als Lyriker, denn als Musiker.</p>
<p>Henisch fördert interessante Details zu Tage, wie sein erstes Gedicht „Horse Latitudes“, das er im Alter von 13 Jahren geschrieben hat und wo er mit jener Art zu sterben spielt, der er später in einer Badewanne selbst zum Opfer fällt, dem Ertrinken. Man könnte meinen, er sei mit hellseherischen Fähigkeiten beschlagen gewesen und wahrscheinlich war er es auch.</p>
<p>Das Leben von Jim Morrison gibt viele Rätsel auf, aber vor allem die Umstände seines Todes werden wohl für immer im Dunkel bleiben – ein gefundenes Fressen für alle Verschwörungstheoretiker. Henisch stellt verschiedene Vermutungen an, wie der Sänger schlussendlich leblos in der Badewanne seiner Pariser Wohnung gelandet sein könnte.</p>
<p>Für alle Fans ist „Morrisons Versteck“ ein kurzweiliges Lesevergnügen, das so manche unbekannte Facette aus seinem Leben zu Tage fördert. Für alle anderen möglicherweise sehr starker Toback und ein bisschen verwirrend. Aber so war er nun mal, der gute alte Jim.</p>
<p>PS: Tipp zur Verfeinerung des Lesevergnügens: „THE DOORS<img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=wwwtourenbike-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B000NDES9S" alt="" width="1" height="1" border="0" />“ hören, allen voran das <br />fantastische „<a href="http://www.amazon.de/gp/product/B000002HNR/ref=as_li_tf_tl?ie=UTF8&amp;tag=wwwtourenbike-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=6742&amp;creativeASIN=B000002HNR">Absolutely Live</a><img style="border: none !important; margin: 0px !important;" src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=wwwtourenbike-21&amp;l=as2&amp;o=3&amp;a=B000002HNR" alt="" width="1" height="1" border="0" /> “-Album und selbstverständlich „Riders on the storm“!</p>
<p>PPS: Und zum Abschluss nochmals Jim Morrison (singend): „When the music’s over, turn out the light, turn out the light, turn out the light.”</p>
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		<title>Jan Faktor: Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 16:56:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Faktor, Jan]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Faktor]]></category>

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		<description><![CDATA[Normalerweise bin ich so veranlagt, mich beinahe immer und überall dem Lesevergnügen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1152" title="Georgs Sorgen um die Vergangenheit" src="/wp-content/uploads/Georgs_Sorgen_um_die_Vergan.jpg" alt="" width="150" height="241" />Normalerweise bin ich so veranlagt, mich beinahe immer und überall dem Lesevergnügen hingeben zu können. Ob Zug, PKW oder Arztpraxis, völlig egal – meines Erachtens sollten alle Spitzenpolitiker, die während Dienstreisen nicht fähig sind ihre Akten zu lesen, schleunigst freiwillig zurücktreten. Das wäre ein Karl! Doch so einfach war es diesmal auch für mich nicht, denn beim Studium von „Georgs Sorgen um die Vergangenheit“ kam es, wahrscheinlich aufgrund des doch eher bizarr-tendenziösen Titels, mehrmals in meinem Umfeld zu Tuscheleien, wo ich mir fast sicher bin, die Worte „Schweinderl“ und „Ferkelei“ herausgehört zu haben.<span id="more-1151"></span></p>
<p>Und um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen mein Ratschlag: sollte ihr Herz der Prüderie gehören (dagegen gibt es nichts einzuwenden, die Welt muss keine Peep-Show sein!), würde ich die Finger und selbstverständlich auch die Augen aus diesem Buch lassen!</p>
<p>Aber all jene, die sich vom leicht infantilen Titel nicht abschrecken lassen, erwartet ein an die Grenze zur Genialität gehendes Lesevergnügen und sollten sie noch Erinnerungen an ihre eigene Pubertät und die Zeit ihrer Adoleszenz haben, ist dies äußerst nützlich, um nicht zu sagen sogar hilfreich bei der Bewältigung dieser kolossalen Familiengeschichte, jedoch keine unabdingbare Voraussetzung. Wenn ein Teil ihrer Vorfahren dann auch noch aus diesem wunderbaren Land nördlich von Österreich kommt, tja dann haben sie sowieso schon gewonnen.</p>
<p>„Du weißt doch, wie alle tschechischen Märchen beginnen: Es war einmal, war aber auch nicht.“ Der Ich-Erzähler Georg, Alter Ego von Jan Faktor, entführt uns in die Goldenen Stadt Prag, in die Zeit nach dem 2.Weltkrieg, speziell in die Phase der „goldenen“ Sechzigerjahren, die mit dem Einmarsch der Roten Armee 1968 allerdings jeglichen Glanz verloren haben.</p>
<p>Georg wächst in einer beinahe männerfreien Umgebung, umringt von einer überirdisch schönen Mutter, unzähligen Tanten, Großtanten, Großmüttern, Basen und einer Urtante mit dem interessanten Namen BOMBE in der Nähe des Hradschin auf. „Aus den KZs kamen nach dem Krieg nicht die Herren, sondern eher die Damen zurück.“</p>
<p>Beinahe deshalb, weil sein Onkel ONKEL (nein, ich habe mich nicht verschrieben!), ein manischer Sammler technischer Gerätschaften und Werkzeuge zwar ebenfalls in der Altbauwohnung lebt, sich aber in eine aus Kästen und Vorhängen erbaute Wagenburg zurückgezogen hat und an familiären Interaktionen so gut wie nicht teil nimmt.</p>
<p>An den Wochenenden muss Georg seinen Vater, einen Agenten der Spionageabwehr besuchen, der es mit der Hygiene und dem Alkohohl nicht allzu genau nimmt.</p>
<p>„Mein Vater und meine Mutter hatten sich, wie mir immer wieder erzählt wurde, vor dem Scheidungsrichter seinerzeit noch leidenschaftlich geküsst, wonach dieser meinte, so eine schöne Scheidung hätte er noch nie zelebrieren dürfen.“</p>
<p>Doch die größten Sorgen macht sich der junge Georg, der ein manischer Glotzer, ein sogenannter „optischer Penetrator“ ist, um seinen Penis. „Die ersten Sorgen um meinen Penis machte ich mir vor etwa fünfzig Jahren im Kindergarten – damals nur aus rein hygienischen Gründen.“ lautet der Auftaktsatz zu diesem epochalen Familien- und Sozialdrama. Viele weitere Gründe sollten im Lauf der Zeit noch nachfolgen.</p>
<p>Von Beginn an verströmt der Roman eine starke sexuelle Fixierung und dies vollkommen zu Recht, denn einerseits befindet sich Georg in der Pubertät und andererseits war die Sexualität einer der wenigen Bereiche, die die kommunistischen Machthaber nicht kontrollieren konnten, somit entsprechend beliebt. Ansonsten hat Georg aber eher abartige Neigungen, die sich in der Faszination für Müll, Schmutz und verschiedenste chemische Prozesse, bis auf die Ebene des Bakteriellen, manifestieren. Sollten sie einen empfindlichen Magen ihr eigen nennen, …nun, sie müssen es selbst wissen.</p>
<p>Aber um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen, handelt es sich bei „Georgs Sorgen“ keineswegs um eine Fäkalorgie von charlotterochehaften Ausmaßen, obwohl es vor Feuchtgebieten in Prag und Umgebung nur so sprudelte. Jan Faktor versteht es vorzüglich mit weiser Komik und einem fast ungebändigten Sprachgefühl, die vielen Schwachstellen des kommunistischen System bloßzustellen – selbst die Politkader bis hinauf zum Staatspräsidenten stehen da plötzlich nackt da &#8211; Copyright by Walter Meischberger.</p>
<p>Wie nicht anders zu erwarten, findet Georg seine erste Geliebte im Schoße der Familie, in der Person von Dana, so eine Art Mutter Teresa der Tiere, einer mehr als doppelt so alten Verwandten unbestimmten Grades, die auf einem Bauernhof außerhalb von Prag lebt. Der erinnernde Erzähler begegnet der Sexualität wie allen anderen Begebenheiten in seiner Umgebung aus der Sicht des Ingenieurs, einer damals universal eingesetzten Berufsbezeichnung.</p>
<p>Jan Faktor besitzt die Gabe eine autobiografisch angereicherte Realität mit komödiantischer Lust zur Übertreibung und durch schonungslose Selbstpersiflage in eine der köstlichsten Grotesken der modernen europäischen Literatur zu verwandeln. Die einzelnen Kapitel sind nicht chronologisch angeordnet, sondern kreisen mäanderförmig um den Hauptschauplatz der Geschichte, die gemeinsame Wohnung der Familie Schornstein in Prag. Bereits der Familienname ist ein mächtiger Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung der jüdischen Abstammung der Protagonisten.</p>
<p>Je weiter die Geschichte auf den 637 Seiten voranschreitet und dies ohne jegliche Längen auch tut, desto stärker nimmt der Autor die sexuelle Komponente zurück und der geschichtlich-politische Kontext tritt in den Vordergrund. „Unsere Scheißpartei hat die Leute um die Möglichkeit gebracht, unter normalen Umständen erwachsen zu werden. Darauf hätten sie aber ein Recht gehabt.“</p>
<p>Jan Faktors Prosa wird von unsentimentaler Wehmut getragen, die aus unbändiger Lebenslust und überbordendem Humorempfinden befeuert wird. Über weite Strecken wird man das Gefühl nicht los, einem modernem Friedrich Torberg zu lauschen. Immer wieder grüßt die gute alte Tante Jolesch zwischen den Zeilen hervor. Faktors Schelmen- und Entwicklungsroman ist ein weiteres sprachmächtiges, hochsatirisches Zeugnis eines Autors aus dem ehemaligen kommunistischen Ostblock.</p>
<p>Am liebsten hätte ich nach dem Ende gleich wieder von vorne zu lesen begonnen.</p>
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		<title>Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/07/wolf-haas-das-wetter-vor-15-jahren/</link>
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		<pubDate>Thu, 14 Jul 2011 07:40:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Haas, Wolf]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Wolf Haas]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn man sich die Mühe macht verschiedene Literaturführer zu studieren, wird man [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1154" title=" Das Wetter vor 15 Jahren" src="/wp-content/uploads/Das-Wetter.jpg" alt="" width="150" height="240" />Wenn man sich die Mühe macht verschiedene Literaturführer zu studieren, wird man zur Auffassung gelangen, dass die Entwicklung dieser Kunstgattung im 19. Jahrhundert irgendwie stehen geblieben ist. Alles was danach publiziert wurde, ist ein mehr oder weniger gutes oder schlechtes Verwalten des Status Quo, aber im Grunde genommen „still more of the same“. Und dann kommt der Wolf Haas (in meinen Fingerkuppen brannte bereits die Bezeichnung Tausendsassa) und liefert mit „Das Wetter vor 15 Jahren“ eine echte literarische Innovation, um nicht zu sagen Sensation.<span id="more-1153"></span></p>
<p>Wolf Haas beschreibt im vorliegenden Buch nicht nur eine Liebesgeschichte (Gott sei Dank nach all den grauenhaften Morden und Verstümmelungen in den Brenner-Romanen), sondern vor allem die Rezension dieser Liebesgeschichte in Form eines sich über Tage erstreckenden Interviews einer Literaturredakteurin mit Wolf Haas.</p>
<p>Literaturbeilage: Herr Haas, ich habe lange hin und her überlegt, wo ich anfangen soll.</p>
<p>Wolf Haas: Ja, ich auch.</p>
<p>Und dann geht’s los auf die 224-seitige Reise durch die Humor- und Gefühlswelten des Wolf Haas beim Schreiben des fiktiven Buches. Denn um die Kürche von Anfang an im Dorf zu lassen (dort gehört sie auch hin!), dieses Buch gibt es ja nicht würklich, sondern eben nur das tagelange Gespräch, sozusagen die Reflexion über den Text von Wolf Haas mit der bestens vorbereiteten Journalistin. Wenn sie so wollen, könnte man „das Wetter vor 15 Jahren“ auch als Metabuch, also ein Buch über ein Buch bezeichnen.</p>
<p>Oder für die Literaturwissenschafter unter uns durchbricht Haas den literarischen Instanzenzug Protagonist – Erzähler – Autor (wobei der Autor im Regelfall eine reale Person ist) dadurch, dass eben auch der Autor Wolf Haas im Buch fiktiv ist.</p>
<p>Und das Endergebnis ist eine der seltsamsten, witzigsten und intelligentesten Liebesgeschichten, die man sich vorstellen kann – wenn sie sich das nach meinen Worten überhaupt vorstellen können!</p>
<p>Nun aber zum Inhalt. Eigentlich beginnt alles mit einem Kuss. „Geht man vom äußeren Augenwinkel einen Zentimeter nach unten, kommt man zum Backenknochen. Und dann in einer geraden Linie weiter, noch einen Zentimeter. Dort hat Anni mich hingeküsst.“ Und es endet auch alles mit diesem Kuss.</p>
<p>Vittorio Kowalski, ein 30-jähriger Zechenabbau-Ingenieur aus dem Ruhrpott studiert seit 15 Jahren das Wetter im fernen Alpendorf Fermach. Temperatur, Niederschlagsmenge und Sonnenscheindauer kann er dem jeweiligen Datum zuordnen. Eines Tages wird er mit seinem sonderbaren Spezialwissen gar Wettkönig in der Fernsehshow „Wetten dass…?“ – sie erinnern sich, die mit dem großen Blonden! Jedenfalls kann sich niemand Vittorios seltsame Neigung erklären.</p>
<p>Aber in Fermach sitzt Anni Bonati vor dem Fernseher und erkennt den schüchternen Wettkandidaten wieder. Anni war die Tochter des Zimmervermieters und Vittorio der Sohn von Urlaubsgästen. Die beiden Kinder verbrachten jeden Sommer gemeinsam und es entwickelten sich, wie man so schön sagt Gefühle. Einerseits Scham über das peinliche Verhalten der Eltern, andererseits aber auch die zarten Bändchen der Liebe – bis ein Unglück sie für immer trennte.</p>
<p>Wolf Haas, der selbst keinen Fernseher besitzt, verfolgt den Auftritt bei Freunden, ist begeistert von Kowalski und beginnt zu recherchieren. Schließlich setzt er sich ins Auto und fährt nach Essen, um den Sonderling zu treffen. Dieser ist aber in das Bergdorf gereist, da er von Anni nach der Sendung eine Postkarte erhalten hat und platzt dort mitten in die Hochzeitsvorbereitungen seiner Jugendliebe.</p>
<p>Auch Haas begibt sich daraufhin nach Fermach und wird Zeuge einer weiteren Katastrophe von beinahe alttestamentarischen Ausmaßen. Und was sich der Autor da für den Schluss hat einfallen lassen, das geht, weil es so schön in den Landschaft passt in der der Roman spielt muss ich es erwähnen, auf keine Kuhhaut nicht.</p>
<p>Ceterum censeo Sommerunterhaltung auf höchstem Niveau und das nicht nur weil sich eine gelbe Luftmatratze auf dem Cover des Buches befindet. Der Wilhelm-Raabe-Literaturpreis war neben den hohen Verkaufszahlen der gerechte Lohn dafür.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Max Goldt: Die Aschenbechergymnastik</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/07/max-goldt-die-aschenbechergymnastik/</link>
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		<pubDate>Sat, 09 Jul 2011 07:31:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Goldt, Max]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Max Goldt]]></category>

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		<description><![CDATA[Wiederholt wurde an mich die Frage herangetragen, welche Art von Lektüre ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1144" title="Aschenbechergymnastiik" src="/wp-content/uploads/Aschenbechergymnastiik.jpg" alt="" width="150" height="238" />Wiederholt wurde an mich die Frage herangetragen, welche Art von Lektüre ich denn für den Sommerurlaub als besonders passend erachte. Dazu muss ich vorausschicken, dass ich selbst niemals urlaube, sondern die gute, alte Sommerfrische in atemberaubend schönen Landschaften mit kristallklaren Seen, balzenden Auerhähnen und jodelnden Sennerinnen, dem kontinuierlich gegrillt werden an verdreckten, meist überfüllten und ergo lauten Stränden, vorziehe. Ich kann ihnen daher nur eines raten: vergessen sie mir die Satire nicht, denn sie (v)erklärt das Leben und je nach Destination werden sie sie vielleicht brauchen, wie einen Bissen Brot.<span id="more-1143"></span></p>
<p>Womit wir beim Thema wären: ein weiterer Sammelband mit Texten, Karikaturen, Gedichten, Miniaturkammer- und anderen Spielen von und mit Max Goldt ist in meine Hände und folglich über die Augen auch ins Gehirn geraten. „Best of Nicht-Kolumne 1982-1998“ nennt es sich im Subtitel. Und im Vergleich zu den veröffentlichten Kolumnen in „Okay Mutter, ich nehme die Mittagmaschine“ fehlt mir ein bisschen der gnadenlose Esprit, sowie der (permanent) überragende Wortwitz in den Texten &#8211; ob sie es deswegen nicht zu Kolumnenehren geschafft haben? Darüber zu spekulieren liegt mir fern.</p>
<p>Daher gibt es diesmal in der Bewertung einen Punkt weniger, aber das wird dem Max Goldt so was von wuarscht sein und mir eigentlich auch, da es trotzdem ein Genuss war, den vorliegenden Band zu studieren. Es kommt halt immer auf den Standpunkt an, von wo man niveaumäßig eine Stufe nach unten plumpst.</p>
<p>Aufmerksame, gedächtnisstarke Leserinnen und Leser werden sich erinnern, dass ich beim letzten Mal empfohlen habe, besonderes Augenmerk bei der Lektüre auf eine satirische Umgebung zu legen, um verstärkende Effekte zu erzielen. Neben den schon traditionellen Eisenbahnfahrten wählte ich diesmal auch das Freibad meines Heimatortes als Studierstube. Und ich hatte kaum die Decke ausgebreitet, schon schlug sie wieder zu, die allgegenwärtige, überall lauernde Realsatire.</p>
<p>Eine ältere Dame kam in diesem Kleinod der Nässe auf mich zu und fragte, ob es denn im Schwimmbecken Usus sei, sich automatisch zu duzen. (Hier muss ich anmerken, dass ich in meinem Heimatort als Benimm-Papst gelte, geschult in den Fragen der Etikette und des sicheren Trittes auf jedwedem gesellschaftlichen Parkett, wenn sie so wollen bin ich so eine Art Schäfer-Ellmayr der Provinz.)</p>
<p>„Ein Schwimmbecken ist keine Almhütte, gnädige Frau“, antwortete ich wahrheitsgemäß und musste beobachten, wie besagte Dame unmittelbar darauf einer Gruppe äußerst rüstiger, braungebrannter Pensionisten, die dem fröhlichen Kartenspiel frönten, einen lautstarken Vortrag über die Maximen der sozialen Interaktion in kommunalen Freizeiteinrichtungen hielt, gipfelnd in dem Satz „Schämen sie sich, du alter Lustmolch!“</p>
<p>Wenn ich mich recht erinnere wollte ich ihnen aber eigentlich etwas zum vorliegenden Buch erzählen. So soll es auch sein. Max Goldt betrachtet darin das Leben wieder einmal in all seinen, auch noch so unbedeutend erscheinenden Facetten, quasi von A wie „Affe in Milch 1&amp;2“ bis Z wie „Zischelnde Mädchen im deutschsprachigen Teil Belgiens“, ingesamt stattliche 86 Beiträge!</p>
<p>Besondere Emotionen löste bei mir der Text „Das innere Singen des Dampfes“ aus, wo es um den Vortrag eines Physikers während einer Tagung zur Erforschung des ordinären Wasserdampfes ging. Und wenn ich nur das Wort Physiker höre, schwellen mir schon die Kabeln im Hals. Dazu ist eine weitere Erklärung vonnöten.</p>
<p>Neulich studierte ich aus reinem Jux und ebensolcher Tollerei die Ergebnislisten von Triathlonbewerben in unserem Land und machte die Entdeckung, dass ein beträchtlicher Teil der Sportskanonen „Physiker“ als Berufsbezeichnung angegeben haben.</p>
<p>Um aber bei einem Ironman ins Ziel zu kommen, bedarf es entsprechender Vorbereitung, sprich da geht praktisch viel Zeit drauf. Und diese fehlt dann klarerweise bei der beruflichen Forschung, wo eigentlich menschliche und künstliche Gehirne glühen, sowie Teilchenbeschleuniger oder was weiß ich rotieren sollten, damit die Geisel der Menschheit in Urlaubs- und Stoßzeiten, nämlich der Stau endlich der Vergangenheit angehört.</p>
<p>Jawohl ich spreche vom Beamen, bestens bekannt aus der Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“, das bei ein wenig mehr Engagement der Damen und Herren Physiker bereits zu menschlicher Serienreife gebracht hätte werden können. Weil was bringt es mir denn, wenn eines oder mehrere Atome von mir in Caorle, Mallorca oder auf Rhodos sind, aber der überwiegende Teil meines Körpers sich unverändert zu Hause befindet.</p>
<p>In diesem Sinne wünsche ich einen sonnen- und lesereichen Sommer und vermeiden sie Stau(ch)ungen so gut es geht.</p>
<p>PS: Natürlich ist Max Goldt auch die ideale Lektüre für den Strandurlaub, sagen wir in Jesolo.</p>
<p>Aber nur wenn sie sich ein bisschen im Griff haben. Sollten sie gleich bei der leisesten Pointe losprusten und bei den schwereren Humorattacken in Atemnot geraten, würde ich davon abraten. Weil wenn ich loswiehere verschrecke ich vielleicht eine Gemsenherde oder den durch die Gegend schwankenden Klaus Maria Brandauer, aber sie gleich halb Wien!</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Leonardo Padura: Der Mann, der Hunde liebte</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/07/leonardo-padura-der-mann-der-hunde-liebte/</link>
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		<pubDate>Sun, 03 Jul 2011 01:37:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Padura, Leonardo]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Leonardo Padura]]></category>

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		<description><![CDATA[Um es gleich am Beginn zu betonen: „Der Mann, der Hunde liebte“ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1068" title="Der Mann der Hunde liebte" src="/wp-content/uploads/Der-Mann-der-Hunde-liebte.jpg" alt="" width="150" height="250" />Um es gleich am Beginn zu betonen: „Der Mann, der Hunde liebte“ gehört dringend in den Katalog der (erlaubten) Suchtmittel aufgenommen und ich warne sie eindringlich vor der Lektüre. Als ich dieses Werk erstmals in Händen hielt, sank mein Arm gleich um mehrere Zentimeter ab und ich dachte mir nur, was für ein Ziegel von Buch! Fast scheint es so, als ob die Ausmaße der Geschehnisse und seine weltumspannende Bedeutung, ihm zusätzlich Gewicht verleihen.<span id="more-1066"></span></p>
<p>Leonardo Padura erzählt in diesem brilliant geschriebenen Monumentalwerk auf 730 Seiten von einem der abscheulichsten und hinterhältigsten Verbrechen des letzten Jahrhunderts, einem Zeitabschnitt, der mit ekelhaften Gewalttaten wahrlich nicht gegeizt hat.</p>
<p>Zur Sache: Ivan Cardenas Maturell, ein desillusionierter, kubanischer Schriftsteller trifft im Jahr 1977 am Strand bei Havanna einen rätselhaften, anscheinend schwer erkrankten Mann, der sich Jaime Lopez nennt und mit seinen beiden russischen Windhunden am Meer Spaziergänge unternimmt. Die beiden Männer freunden sich an und Lopez erzählt ihm die Lebensgeschichte von Ramon Mercader, der als Mörder von Lew Dawidowitsch Bronstein, besser bekannt als Leo Trotzki, in die Weltgeschichte einging.</p>
<p>Mercader, ein spanischer Kommunist wurde während des Bürgerkriegs in seiner Heimat von einem russischen Agenten angeworben und ausgebildet, um eine sehr spezielle Mission für das Weltproletariat durchzuführen. Der große Steuermann Josef Stalin hat es sich in seinen kranken Kopf gesetzt, neben vielen anderen Kampfgefährten, dem Mitstreiter Lenins, dem Gründer der Roten Armee, dem legendären Revolutionär Trotzki das Lebenslicht auszublasen.</p>
<p>Lew Dawidowitsch befindet sich seit 1928 mehr oder weniger auf der Flucht vor dem Diktator, wenngleich dies auch euphemistisch als Asyl bezeichnet wird. Kaum ein Land wagt ihn aufzunehmen. Alma-Ata, die Türkei, Norwegen und schließlich Mexiko sind die Stationen seiner Odyssee. Wiederholt kommt es zu Anschlägen auf Trotzki, denen er mit Glück entgeht. Am Ende überlebt nur seine Frau Natalia Sedowa und sein Enkel Ljowa die Angriffe der stalinistischen Killerkommandos. (Stalin begnügte sich niemals ausschließlich seinen Widersacher auszuschalten. In seinem Wahn mussten auch immer die Familienmitglieder bis ins 3. Glied daran glauben.)</p>
<p>Mercader bereitet sich drei Jahre auf das Attentat vor, wechselt seine Identität und nennt sich fortan Jaques Mornard mit belgischer Staatsbürgerschaft. Durch eine Scheinliebschaft mit der amerikanischen Aktivistin und Trotzki-Vertrauten Silvya Angelof erlangt er Zutritt zum festungsähnlichen Wohnhaus von Leo Trotzki und das Resultat ist der 20.August 1940, der Tag, an dem er einen Eispickel in den Kopf des Russen hieb. Danach wird er festgenommen, verhört, verurteilt und nach 20 Jahren Gefängnis nach Moskau abgeschoben. Dort lebte er bis 1974, um anschließend die letzten vier Jahre seines Lebens auf Kuba zu verbringen.</p>
<p>Padura versteht es meisterhaft, den zeitgeschichtlichen Hintergrund der Tat auszubreiten: die wahnhaften stalinistischen Säuberungen und Schauprozesse in der Sowjetunion, den Verrat an den Republikanern im Spanischen Bürgerkrieg, sowie damit verbunden der Aufstieg des Faschismus in Europa, gipfelnd mit der Machtergreifung Hitlers in Deutschland und dem heranziehenden neuerlichen Weltkrieg. (Wären die Geschichtsstunden in der Schule auch nur annähernd so spannend und fesselnd gewesen, wäre ich heute wahrscheinlich Historiker!)</p>
<p>In drei Erzählsträngen wird die Handlung mit epischer Breite, rasantem Tempo und trotzdem leicht lesbar, vorangetrieben. Neben dem Schriftsteller Ivan, der als Erzähler fungiert, bewegen sich die Lebensläufe von Trotzki und seinem Mörder Mercader anfangs parallel und schließlich unentrinnbar aufeinander zu.</p>
<p>Padura hält sich strikt an die historischen Fakten, nur wo es keine Gewissheiten gibt (im Lebenslauf von Ramon Mercader beispielsweise), unterstützt die schriftstellerische Fantasie den Lauf der Dinge. Und der Kubaner ist ein wahrer Meistererzähler und vermag die Atmosphäre auf den Buchseiten zum Knistern zu bringen, vergleichbar mit dem genialen, leider schon verstorbenen Romancier Roberto Bolano.</p>
<p>Absolute Größe erreicht das Buch, wenn Mercader und sein früherer Mentor Kotow die Ereignisse reflektieren, die Pervertierung der größten Utopie der Menschheit (Gleichheit und Demokratie) durch Stalin anprangern, ihren eigenen blinden Glauben an die Sache verurteilen und der Wahrheit ins Auge sehen, nämlich dass sie willige Mordwerkzeuge in den Händen eines Wahnsinnigen waren – dabei kommt man mehrmals in die Situation Mitleid mit dem Mörder zu empfinden.</p>
<p>Liest sich das Buch über weite Strecken wie ein perfekt konstruierter Spionageroman, so schwenkt es in den philosophischen Passagen in ein Werk von großer, bedingungsloser Tiefe um, welches die Verbrechen des Kommunismus auf allen Ebenen schonungslos offen legt.</p>
<p>Lange Rede, kurzer Sinn: ich ziehe den Hut und neige mein Haupt in Demut und Bewunderung vor dem großen Leonardo Padura.</p>
<p>PS: Obwohl erst die Hälfte des Jahres vorbeigerauscht ist, wage ich zu behaupten, dass dies mein Buch des Jahres ist. Sollte noch etwas Eindrucksvolleres nachkommen freue ich mich. Soweit reicht mein Glaube allerdings nicht.</p>
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		<title>Fred Vargas: Die Tote im Pelzmantel</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/06/fred-vargas-die-tote-im-pelzmantel/</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Jun 2011 05:17:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[Kriminalromane]]></category>
		<category><![CDATA[Vargas, Fred]]></category>
		<category><![CDATA[Fred Vargas]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn zwei echte Könner ihrer Metiers, wie die famose Krimiautorin Fred Vargas [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-992" title="Die Tote im Pelzmantel" src="/wp-content/uploads/Pelzmantel.jpg" alt="" width="150" height="212" />Wenn zwei echte Könner ihrer Metiers, wie die famose Krimiautorin Fred Vargas und der nicht minder weltweit bekannte Künstler und Grafiker Edmond Baudoin ein gemeinsames Projekt vorlegen darf man gespannt sein. So geschehen beim vorliegenden Band „Die Tote im Pelzmantel“,  nach einer Kurzgeschichte der französischen Schriftstellerin aus dem Jahr 2002.<span id="more-991"></span></p>
<p>Baudoin illustrierte das Prosawerk mit seinen eindringlichen Schwarz-Weiß-Bildern und gibt dem faszinierenden Kommissar Adamsberg ein Gesicht. Und es entspricht annähernd jenem Antlitz, das sich mir bei der Lektüre von (ausschließlich in Worten verfassten) Vargas-Romanen in der Fantasie gebildet hat. Ich habe ihn zwar um ein paar Jährchen älter in Erinnerung, aber das würde zu weit führen, sprich wäre Pedanterie!</p>
<p>Zur Handlung: der Pariser Stadtstreicher Pi, der seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Schwämmen, die er in einem Einkaufswagerl durch die Gegend karrt, fristet, wird in einer kalten Winternacht Zeuge eines Mordversuchs an einer prominenten jungen Frau. Nachdem er sich über einem Metro-Schacht zum Schlafen „gebettet“ hat, sieht er, wie die Schüsse aus einem fahrenden Auto abgegeben werden. Gegenüber der Polizei  schweigt Pi jedoch beharrlich &#8211; nichts gesehen, nichts gehört und ergo nichts zu sagen.</p>
<p>Aber da kommt Adamsberg ins Spiel, der als hervorragender Überwinder von Hindernissen gilt, vergleichbar etwa mit dem amerikanischen Inspektor Columbo, verkörpert durch den leider vor kurzem verstorbenen Peter Falk.</p>
<p>Während langer Gespräche mit Pi gelingt es dem Kommissar durch sein Einfühlungsvermögen und sein Übermaß an Intuition den Schlüssel zur verstockten Seele des Clochards zu finden und den Fall zu lösen.  Und nicht nur das, er ersinnt auch eine Möglichkeit, für Pi den Verkauf der Schwämme anzukurbeln – immerhin befinden sich davon 9000 (in Worten neuntausend!) im Besitz des einzigen Zeugen.</p>
<p>Der einzige Kritikpunkt (bedingt durch die Kürze der Vorlage) ist die relative Kürze der „Graphik Novel“, denn nach 50 Seiten ist der Zauber auch schon wieder vorbei, obwohl man gerne noch weiterlesen und vor allem auch weiterschauen möchte. In einem Nachwort („Mit dem Pinsel erzählen, mit Wörtern malen“)  gibt der Comic-Publizist Klaus Schikowski einen Überblick zur Geschichte der graphischen Novellen, die sich vor allem in Frankreich großer Beliebtheit erfreuen.</p>
<p>Alles in allem ein sehr kurzweiliges Vergnügen, das für mich allerdings die Lektüre der langen Riemen von Fred Vargas nicht ganz ersetzen kann. Und da kommt ja bekanntlich etwas Neues auf uns zu. Hurra!</p>
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		<title>Max Goldt: Okay Mutter, ich nehme die Mittagsmaschine</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Jun 2011 01:44:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Goldt, Max]]></category>
		<category><![CDATA[Satire]]></category>
		<category><![CDATA[Max Goldt]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei der Lektüre eines satirischen Werkes empfiehlt es sich zur Verstärkung des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1081" title="Okay Mutter" src="/wp-content/uploads/Okay-Mutter.jpg" alt="" width="150" height="255" />Bei der Lektüre eines satirischen Werkes empfiehlt es sich zur Verstärkung des satirischen Effektes auch auf eine passende satirische Umgebung zu achten. Bei einem hochsatirischen Kompendium wie der vorliegende Kolumnensammlung der ehemaligen Titanic-Edelfeder Max Goldt kann ich nur zu Fahrten mit der österreichischen Bundesbahn raten. <span id="more-1080"></span>Niemals würde ich einen Satz, ja nicht einmal ein Wort in der Lugner-City lesen, weil dort nicht die Satire ihre Blüten treibt, sondern nur die dumpfsinnige Peinlichkeit.</p>
<p>Max Goldt ist ein Meister des messerscharfen Blicks auf die Nebensächlichkeiten des Lebens und diese durchdringt er analytisch bis in ihre Grundfesten, quasi den Baugesetzen des informell Unbedeutsamen. Goldt entdeckt Dinge, die jenen Menschen, die sich mit wichtigen Dingen beschäftigen müssen oder dies sogar freiwillig tun, garantiert verborgen bleiben und dies wäre doch jammerschade.</p>
<p>Moment, jetzt schlingert gerade der Schaffner herbei und ich muss wieder mal meine Auswanderernummer abziehen, weil die immer für eine gewisse Heiterkeit sorgt.</p>
<p>Dabei erzähle ich dem Zugbegleiter während der Fahrkartenkontrolle, dass ich die letzten 15 Jahre in Australien gelebt habe und frage dann wie das so war in Österreich, als der Schüssel Kanzler und diese nicht enden wollende Riege von Marionetten Verkehrsminister waren. Da macht dann das niedrige Pensionsantrittsalter der ÖBB wirklich Sinn, weil ein betagter Zugbegleiter die damit erzeugte cholerische Explosion nur schwerlich unbeschadet überstehen würde.</p>
<p>Sie sehen also, es ist höchst vergnüglich, geistig anregend und auch lehrreich mit Max Goldt durch unser schönes Land zu reisen und Schimpfworte kann man dabei auch lernen, die fielen einem selbst nicht mal im Traum ein. Insgesamt 108 Beiträge in einer durchschnittlichen Stärke von 5 Seiten (pro Kolumne), die sich über den Zeitraum von Juli 1990 bis Jänner 1998 erstrecken, erquicken den Leser dieses Sammelbandes, nebst sorgsam ausgewählten Fotos mit Bildunterschriften und Karikaturen von Tex Rubinowitz.</p>
<p>Max Goldt ist ein zutiefst konservativer Mensch. Er liebte Retro schon, bevor es überhaupt Retro ist, also durch die Retrowelle wieder mit neuem Chic aufgeladen wurde, beispielsweise den Pullunder. Er macht sich Sorgen um den Verfall der deutschen Sprache, will nicht nach Brasilia oder Los Angeles reisen, überhaupt interessieren ihn Elendsviertel nicht die Bohne.</p>
<p>Das finde ich ein bisschen schade, da der Zug gerade in der jüngsten österreichischen Landeshauptstadt eingefahren ist, die in linken Kreisen den wenig schmeichelhaften Kosenamen Sankt Blöden trägt. Hier regiert und (be-)herrscht ein Politiker seine Bürger (an), der sich nicht durch übertriebene Nähe zur Literatur auszeichnet und von bösen Zungen auch als inverser Taliban bezeichnet wird, kurzum er ist einfach kein Feingeist.</p>
<p>Aber zurück zu Max Goldt, der ebenfalls sehr gerne mit der Eisenbahn durch die Gegend rollt und dabei in Orte vordringt, wo nicht einmal die jeweiligen Landesbürger wissen, dass sie sie haben. In meiner näheren Heimat wäre das zum Beispiel die Gemeinde Oed bei Amstetten. Jetzt treibt dem sensiblen Menschen allein die Nennung des Namens Amstetten schon gruselige Schauer auf den Rücken. Und Oed bei Amstetten  ist da wie eine Geisterbahnfahrt als Kleinkind. Allein!</p>
<p>Keinesfalls möchte ich einer Oederin oder einem Oeder zu nahe treten, denn dieser Ort hat meiner Erfahrung nach seine Mitte bereits gefunden und ist so wie er heißt.</p>
<p>Und dies ist das höchste Lob das ich auszusprechen vermag &#8211; einem Ort gegenüber selbstverständlich.</p>
<p>Ach könnte ich dies doch dem oben erwähnten Bundeskanzler auch nur nachsagen, aber dann müsste er die Ü-Stricherl aus seinem Namen entfernen und eventuell das Sch am Namensanfang durch ein D ersetzen, wie wir durch Enthüllungen in den letzten Jahren schreckensbleich zur Kenntnis nehmen mussten. „Ein kleiner Mann kann keine Mitte haben“, sagte einst meine Großmutter väterlicherseits zu mir, meinte aber die tragische Kanzlerfigur mit dem dollen Fuß. Und wahrscheinlich hatte sie Recht.</p>
<p>Huch, jetzt habe ich mich aber ordentlich verplaudert und der Intercity „Lisl Gehrer – Bildungsexpress Österreich“ fährt bereits in den Wiener Westbahnhof ein. Da dies jedoch ein Kopfbahnhof ist, könnte ich theoretisch auch noch sitzen bleiben und einfach  weiterquasseln, aber in unserer Bundeshauptstadt gibt es gar viele köstliche Dinge zu entdecken und deshalb werde ich mich nun höflichst verabschieden.</p>
<p>Vielleicht sollte ich mit einigen Wiener Hausmeistern das Gespräch suchen und fragen wie es meinem Wien in den letzten Jahren so ergangen ist?</p>
<p>Ja genau, so werde ich es machen!</p>
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		<title>Henning, Peter: Die Ängstlichen</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Jun 2011 06:47:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Henning, Peter]]></category>
		<category><![CDATA[Romane]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Henning]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Schauplatz dieses Romans, um nicht zu sagen das Schlachtfeld, befindet sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="/wp-content/uploads/Die-Angstlichen.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1004" title="Die Ängstlichen" src="/wp-content/uploads/Die-Angstlichen.jpg" alt="" width="150" height="248" /></a>Der Schauplatz dieses Romans, um nicht zu sagen das Schlachtfeld, befindet sich im deutschen Städtchen Hanau, der Heimat der weltberühmten Märchenerzähler Gebrüder Grimm. Den Gefallen eines Märchens erweist uns Peter Henning allerdings nicht, vielmehr begegnet man dem schieren Gegenteil. <span id="more-1003"></span>Eine wahrlich furchterregende Geschichte über Existenzängste und innerfamiliären Grausamkeiten, sprich: wir sprechen vom Alltag in westlichen Wohlstandsgesellschaften. &#8220;Doch wohin er auch floh: Die Angst davor war immer schon da.&#8221;</p>
<p>Im Mittelpunkt der Familiengeschichte steht Johanna Hansen, die Patriarchin, dreifache Mutter und vierfache Großmutter, die nach dem überraschenden Verlust ihres Lebenspartners Janek beschließt, den Familiensitz aufzugeben und den Rest ihres Lebens in einem Seniorenheim zu verbringen. Um diese Entscheidung zu verkünden, plant sie ein letztes gemeinsames Familientreffen, das sie akribisch vorbereitet und wo alle nochmals zusammenkommen sollen.</p>
<p>Die Gästeliste wird von Helmut Jansen angeführt, dem ältesten Sohn Johannas, einem egomanisch veranlagtem, beziehungsunfähigen, zynischen Ekelpaket, einem Neurotiker reinsten Wassers, dessen Leben aus den Fugen gerät, als er eines Tages Blut in seinem Urin entdeckt.</p>
<p>Weiters ihre Tochter Ulrike, die vor den Trümmern ihrer Ehe steht, nachdem die außerehelichen Verfehlungen ihres Mannes Rainer ruchbar wurden, für dessen Karriere als Finanzvorstand eines Reifenkonzerns sie ihr eigenes Leben, für den einlullenden Schein materieller Sicherheit, geopfert hat.</p>
<p>Schließlich Johannas Enkelsohn Ben Jansen, ein zarter junger Mann und Sportjournalist ohne feste Anstellung, von Geldnöten geplagt, der seine Kindheit in einem Heim verbracht hat und von Panikattacken heimgesucht wird.</p>
<p>Der Rest der Familie musste „leider“ absagen, wenngleich auch aus sehr unterschiedlichen Motiven. Ulrikes Mann Rainer wurde von seiner Gattin eigenhändig mittels anonymen Drohbriefen in den Wahnsinn getrieben, sozusagen als „kleine“ Racheaktion für die erlittene Schmach. Er verbarrikadiert sich in seinem Hobbykeller. Für die drei Kinder des Paares ist der Begriff „Familiensinn“ ohnehin bar jeder Bedeutung.</p>
<p>Bens Freundin Iris, eine Bankangestellte blieb dem Treffen ebenfalls aus eigenem Antrieb fern, nachdem sie von Ben zu einer kriminellen Handlung angestiftet wurde, womit er die Liebe seines Lebens anscheinend zerstört hat.</p>
<p>Einzig Konrad Jansen, der zweite Sohn Johannas ist kein Ängstlicher und nimmt volles Risiko, um endlich wieder heim zu kommen. Seit langen Jahren an Schizophrenie leidend, setzt er die Medikamente ab und wagt einen halsbrecherischen Ausbruchsversuch aus der psychiatrischen Heilanstalt, in der er sein Leben fristet.</p>
<p>Die Protagonisten werden von Henning im Laufe der Handlung immer stärker unter Druck gesetzt und hervorragend weiß er die Spannung von Seite zu Seite zu steigern. Die Chancen, die ihnen der Autor einräumt, können sie auf Grund ihrer absoluten Mutlosigkeit jedoch nicht nützen. Alles konzentriert sich auf den großen Showdown „Familientreffen“ und man wird nicht enttäuscht.</p>
<p>Ja, so fühlt es sich an das Fegefeuer der Kleinbürger und Gefühllosen, der Ängstlichen und niemals über den eigenen Schatten-Springer. Eine wahrlich fürchterliche Befundung der Gegenwart!</p>
<p>Unweigerlich drangen bei der Lektüre der Ängstlichen die Lamberts aus den Tiefen meines Gedächtnisses hervor, jener ebenfalls monströse Familienverband mit ihrem letzten gemeinsamen Weihnachtsfest aus dem modernen Klassiker „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen.</p>
<p>Leider besitzt Henning nicht das sprachliche Talent des Amerikaners, denn Sprachbilder wie „Ulrike war aufgeschreckt, und das Wort ALARM flackerte rhythmisch auf sämtlichen Bildschirmen ihres inneren Frühwarnsystems“ haben wir schon eleganter gelesen.</p>
<p>Ansonsten wären „Die Ängstlichen“ wohl ebenfalls ein Stück Weltliteratur.</p>
<p>So ist das vorliegende Werk „nur“ gute deutsche Prosa.</p>
<p>Aber das ist ja immerhin auch etwas.</p>
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		<title>Max Goldt Lesung im Rabenhof-Theater, Wien</title>
		<link>http://www.literatur-blog.at/2011/06/max-goldt-lesung-im-rabenhof-theater-wien/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 Jun 2011 12:07:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sündi</dc:creator>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Lesung]]></category>
		<category><![CDATA[Max Goldt]]></category>

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		<description><![CDATA[Bis auf den letzten Platz ausverkauft, präsentierte sich das Wiener Theater am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-1052" title="Max-Goldt" src="/wp-content/uploads/Max-Goldt.jpg" alt="" width="250" height="250" />Bis auf den letzten Platz ausverkauft,   präsentierte sich das Wiener Theater am Rabenhof an einem lauschigen   Frühlingsabend, genau genommen am vorletzten Tag, des alljährlich immer   wieder entzückenden Zeitabschnitts mit  dem lieblichen Kosenamen Wonnemonat.<span id="more-1051"></span></p>
<p>Max Goldt steht auf dem Programm,   der Großmeister der satirischen Kolumne und ausgewiesener Spezialist für   Kurzprosa. Eine Reihe hinter uns Klaus Nüchtern vom Falter und ein paar   Reihen vor uns Hermes (privat in dunkles Tuch gehüllt),  der   Reportagengestalter der Talkshow „Willkommen Österreich“. Alles   angerichtet also für einen genussvollen Abend und das Gebotene ging mit   den Erwartungen eine Liaison ein, wo man sagen muss, ja das ist wahre   Wonne.</p>
<p>Fast schüchtern betrat Goldt Punkt   20 Uhr die Bühne in einem bräunlichen Nadelstreifanzug und einem   Nadelstreifhemd! – vielleicht eine Anspielung auf das sich häufende   Phänomen der Nadelstreifgangster, vielleicht aber auch nicht.</p>
<p>Eigentlich soll der legendäre   Titanic-Kolumnist sein neues Buch „Gattin aus Holzabfällen“ vorstellen.   Da es sich dabei aber um ein Bilderbuch handelt und Goldt sich standhaft   weigert, einen Beamer, Laptop oder andere technische Apparaturen zu   verwenden, weil da ja immer was schief gehen kann und nach Murphys Law   auch geht, beschreibt er kurzerhand die gefundenen oder   selbstgeschossenen Bilder verbal und trägt anschließend den Kommentar   bzw. die Bildunterschrift vor.</p>
<p>Und wenn ich vortragen sage, dann   meine ich es auch so, weil Max Goldt ist ein begnadeter Vorträger.   Gestochen scharf seine Sprache, punktgenaue Betonung und richtige   Pausensetzung &#8211; ein Labsal für meine schon bei so manchen Lesungen   geschundene Ohren. Selbst wenn Goldt seine Stimme verstellt, wirkt sie   niemals künstlich.</p>
<p>Natürlich gab es bei der   zweistündigen Lesung auch Texte aus älteren Büchern zu hören, sowie   Anekdoten, Lebensweisheiten und Zitate, regelmäßig unterbrochen von   spontanen Beifallsbekundungen des Publikums. Mal ging es um „Würzburg,   das Weinfass an der Autobahn“, dann waren wir plötzlich in Hannover, wo   ein Bordell mit „spooning and snogging“ wirbt, also „Zungenküsse und   kuscheln – genau die zwei Sachen, die man bei den meisten Prostituierten   vermisst“, erzählt uns der Autor vielleicht aus eigener Erfahrung,   vielleicht aber auch nicht.</p>
<p>Selbst mit Ratschlägen zur   leichteren Bewältigung des Lebens ganz allgemein geizt Goldt nicht,   beispielsweise durch den folgenden Telefondialog zur Abwehr von lästigen   „Spamanrufen“.</p>
<p>Anrufer: Mein Name ist Meißner. Von der Forschungsgruppe Sprache.<br /> Goldt: Glaub ich nicht.<br /> Anrufer: Wie, das glauben Sie nicht?<br /> Goldt: Naja, es gibt in Deutschland schon viele komische Namen, von der   Heide, von der Lippe, aber von der Forschungsgruppe Sprache, so heißt   doch keiner!<br /> Anrufer: Das verstehe ich jetzt nicht.<br /> Goldt: Das tut mir leid, tschüss!</p>
<p>Unaufgefordert (was nach der vielen   Klatscherei sehr angenehm war) las Goldt noch eine Zugabe über eine   Frau, die ihrem Sohn, der zur Homosexualität neigt und sich mit seinem   Partner gerade vergnügte, den abgetrennten und konservierten Penis des   Vaters ins Zimmer stellte, sozusagen die Rute im Fenster.</p>
<p>Und im Nu waren zwei Stunden vergangen,   aber der Schlussapplaus und das Gelächter gutgelaunter Menschen schallte   noch lange durch die Frühlingsnacht in Wien.</p>
<p>PS: Max Goldt trank während der Lesung vier   Flaschen Mineralwasser, obwohl er gar nicht schwitzte und das finde ich   auch eine äußerst bemerkenswerte Leistung.</p>
<p><em>Fotocredit: Chili Gallei für das RabenhofTheater</em></p>
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