Christian Kracht: Die Toten

verfasst am 15.12.2016 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kracht, Christian, Romane

Ein Roman, dessen Geschehen in der Zeit der Weimarer Republik, an der Schwelle zur Machtübernahme durch die Nazis angesiedelt ist und der auch direkt aus dieser Zeit entsprungen scheint. Krachts Sprache ist in diesem Roman definitiv nicht in unserer Jetztzeit angesiedelt, sie ist ausformulierend, übertreibend, verfeinernd, melodisch und distanziert.

Hinter der Sprache, die in diesem Roman das prägende Element ist, stehen Inhalt und Personen zurück: Der Schweizer Filmregisseur Emil Nägeli, der verloren durch die Welt reist. Ein Filmprojekt, mit dem die UFA weniger künstlerische als imperialistische Ziele verfolgen möchte, bringt ihn nach Japan.

Es vermischen sich Fiktion und Historie, wenn der Regisseur auf den schier allmächtig wirkende UFA-Direktor Alfred Hugenberg trifft, der ihm ein für damalige Verhältnisse gewaltiges Budget für den Film verspricht; wenn Nägeli in Japan den zeitgleich dort weilenden Charlie Chaplin kennen lernt. Beide Männer auf einer Art von Missionierungstour, bedacht, jeweils für ihre  Heimatländer diese ferne und undurchsichtige Land Japan für ihre Filmindustrie zu werben.

Die überhitzte Atmosphäre in Deutschland, in der jeder weiß, dass eine große Umwälzung ansteht und jeder noch die letzten Tage der Freigeistigkeit auskosten möchte; der US-Filmstar, der es versteht, die Menschen für sich zu gewinnen; der japanische Beamte, der zutiefst vom Glauben an die Überlegenheit seiner Nation überzeugt ist;..

Viele Szenarien, die Christian Kracht (ich bemühe dieses Wort nur deshalb, weil mir gerade kein anderes, passendes einfällt) wort- und wortbildgewaltig beschreibt. 

Alles zusammen hinterlässt das bei mir ein recht zwiespältiges Resümee: sprachlich fesselnd und gelegentlich inhaltlich spannend auf der einen Seite. Auf der anderen Seite blieb mir rein gar nichts aus diesem Roman konkret in Erinnerung, nachdem ich es zu Ende gelesen hatte.

Gelesen, daran erfreut, ins Regal gestellt, nicht mehr daran gedacht (und das ist viel weniger als bei den anderen Büchern von Christian Kracht, die ich bisher gelesen habe).


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