Michael Krüger: Das Irrenhaus

verfasst am 18.10.2016 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Krüger, Michael, Romane

Man könnte auch sagen  „Ein Haus voller Narren“ zu diesem Haus, das ein Mann in bester Münchner Lage geerbt hat. Und zwar von der Tante einer Tante. Der Mann ist Archivar und gibt seinen Job sofort nach Erhalt des Erbes auf. Die Mieterträge des Zinshauses ermöglichen ihm ein komfortables Leben.

Er zieht in eine freigewordene Wohnung seines Hauses ein, gibt sich aber den anderen Mietern gegenüber nicht als Eigentümer des Hauses zu erkennen. Diese Mieter haben es in sich. Seinem Ziel, dem Nichtstun zu frönen, kommen ihm die Mieter in die Quere. Eine einsame Studienrätin will sich seiner annehmen, und zu allem Überfluss erhält er auch noch laufend Post für einen Schriftsteller, der vor ihm in der Wohnung gelebt hat. Er fängt an die Briefe zu lesen, die großteils von einer Frau kommen die behauptet, der Schriftsteller hätte ihre Werke plagiiert und gestohlen.

Der Mann, der für sich alleine leben wollte, schlüpft in die Rolle des verschwundenen Autors. Er eignet sich dessen Schrift an, gibt dessen schriftstellerischen Ergüsse als seine aus und identifiziert sich immer mehr mit der Figur des Schriftstellers. Aber so etwas kann auf Dauer nicht gut gehen. So kommt es, wie es kommen muss – die Polizei findet sich bei ihm ein. Er kann aufgrund der Tatsache seinen Personalausweis nicht finden zu können, nicht beweisen, dass er nicht Georg Faust ist, der Schriftsteller. Der Schlamassel wird immer größer, die Vergangenheit des Georg Faust taucht in Form einer Frau auf. Der Mann beschließt, diesem Leben zu entfliehen und die Flucht zu ergreifen.

Michael Krüger inszeniert einen köstlichen, komischen  Roman, in einer wunderbaren Sprache. Hinreißend die Schilderungen zu den einzelnen Protagonisten. Ein wahres Lesevergnügen.


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