Georg Haderer: Sterben und sterben lassen

verfasst am 17.09.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Haderer, Georg, Kriminalromane

Major Schäfer hat sich das Leben in seinem neuen Dienstort etwas beschaulicher vorgestellt. Ein Jäger verwechselt einen Mann mit einem Wildschwein und erschießt ihn. Das riecht nach Mord, so blind kann ja niemand sein! Was die Menschen von Schaching zusätzlich in Aufregung versetzt, ist die Rückkehr von Frederik Bosch. Er, der aufgrund der Ermordung eines kleinen Mädchens 26 Jahre inhaftiert war, kehrt in seinen Heimatort zurück.

Major Schäfer ist ein grantelnder, dennoch liebenswürdiger Ermittler. Zu viele Tote hat er bereits gesehen. Manchmal zweifelt er an seiner Berufswahl. Vor allem dann, wenn ihn in der Nacht Dämonen besuchen, um die erlebten Schaurigkeiten Revue passieren zu lassen. Um dem tristen Polizistenleben einen positiven Gegenpol entgegenzusetzen, überlegt er, den Garten des Hauses zu gestalten. Doch ein neuerlicher Mord muss geklärt werden.

Sylvia Thurners Ehemann Günther wird beim Joggen vom ortansässigen Spediteur Kappl mit einem Wildschwein verwechselt und erschossen. Schnell verdichten sich die Motive, die gegen eine Verwechslung sprechen, sondern für Mord. Für Schäfer geht es nur mehr darum, den Täter zu überführen. Das scheint ein leichtes Unterfangen zu sein. Kein großes Ding.

Vielleicht fühlt sich die Ermittlungsarbeit auch nur aufgrund Schäfers persönlicher Entspannungskuren mittels Rotwein oder einem Joint so rund an. Wer weiß das schon…

Als Frederik Bosch nach 26 Jahren Haft nach Schaching zurückkehrt gerät das Jägerdesaster – darüber wird doch viel zu viel jährlich in den Medien berichtet – in den Hintergrund. Bosch wurde des Mordes an dem 7jährigen Mädchen Susanna schuldig gesprochen und inhaftiert.

Nun ist er wieder da. Dass sich Bosch ausgerechnet wieder in sein Elternhaus Schaching niederlässt! Alte Wunden der Trauer reißen auf und die Bewohnerinnen und Bewohner von Schaching sind empört darüber, dass es der Mörder wagt, tatsächlich an jenem Ort seinen Wohnsitz zu nehmen, an dem er das grausame Verbrechen begangen hat. Gegen Frederik Bosch beginnt eine persönliche und mediale Hetze.

In einem Gespräch erfährt Schäfer eher in einem Nebensatz, dass es so manch Zweifel unter den Menschen in Schaching gibt, die Bosch tatsächlich als Täter in Betracht ziehen. Schäfer, feinsinnig und „berufsgeschädigt“ interessiert dieser Fall und beginnt zu recherchieren. Er stößt auf Gutachten die ihm zweifelhaft erscheinen. Bei genauerer Durchsicht der Ermittlungsunterlagen entdeckt er zudem Ungereimtheiten. Schäfers Verstand ist hellwach und arbeitet auf Hochtouren!

Ein gelungenes literarisches Puzzle aus skurrilen und liebenswerten Charakteren, sozialkritischen Aspekten, verschachtelten Zusammenhängen und jede Menge emotionalen Zündstoff!


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