Richard Yates: Eine strahlende Zukunft

verfasst am 16.05.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Yates, Richard

Zu Beginn ist es die jugendlichen Leidenschaft, die Michael und Lucy am College miteinander verbindet. Er, der angehende Schriftsteller, dessen Einkommen keinen Luxus zulässt. Sie, die reiche Tochter aus reichem Hause, die ein Leben, in dem man nicht alles bekommt, was man sich wünscht, kaum vorstellen kann.

Das ist der Ausgangspunkt, aus dem heraus Richard Yates einen sehr bekannt erscheinenden Lebensweg der beiden erzählt: aus der Leidenschaft zur Liebe, zur Gleichgüligkeit, zur Trennung.

Michael erfährt erst spät, dass Lucy auf ein paar Millionen Dollar sitzt. Doch sein Stolz und seine Ambition lassen es nicht zu, dass er sich gewissermaßen ins gemachte Bett legt. Auf seinem Weg muß er unabhängig bleiben, hungrig, ein Künstler, der nicht in Versuchung gerät, seine Kunst zu verraten.

Wie es gelegentlich im Leben geschehen mag (mag kann sich diese ganze Geschichte deshalb so gut vorstellen), wird aus Liebe geheiratet, ein Hinterfragen der so unterschiedlichen Interessen hat zu dieser Zeit keinen Platz in den Gedanken der beiden. Auf Michaels Drängen hin verzichtet das Paar auf den Reichtum, Lucy willigt ein. Eine kleine Wohnung wird ihr zu Hause.

Als künstlerischer Erfolg fehlt und im Laufe der Jahre aus der Liebe zuerst Gewohnheit und dann Überdrüssigkeit werden, naht auch das Ende der Beziehung.

Michaels fortdauernde Weigerung, Lucys finanzielle Reserven anzugreifen, muß und wird zum Bruch führen; denn Lucy will diese selbstgewählte .. ja, Armut … mit jedem Tag weniger mittragen.

Es ist gar nicht notwendig den Klappentext zu lesen um zu wissen, dass die sich zu Beginn anbahnende Beziehung zwischen Michael und Lucy scheitern wird. Yates beschreibt die ersten Treffen, das Aufkeime der Verliebtheit, das Treffen Michael mit Lucys Eltern, die Hochzeit, den Umzug in die kleine Wohung immer so, dass klar ist: vom ersten Kapitel des Buches an steuern die beiden auf die Trennung zu.

Die Ansprüche Michaels führen zwangsläufig zum Scheitern. Er scheitert an sich selbst, er scheitert an seiner künstlerischen Ambition, er wird kein großer Schriftsteller. Und es scheitert seine Ehe.

Ein Buch, das auf mich zeitweilig wie aus einer Depression entsprungen scheint. Es lässt kaum Raum für Optimismus, es beschreibt, ganz im Gegenteil, die Widrigkeiten des Lebens. Trennung, Alkoholismus, Drogensucht gehören zu Richard Yates‘ Bild des Lebens. Eine Beschreibung, die für die damalige Zeit (die frühen 1980er) vielleicht aufrüttelnd gewesen sein mag, heute aber beinahe gewöhnlich (im Sinne von alltäglich) wirkt.

Zusammengefasst möchte ich dazu Elke Heidenreich zitieren und mich dem anschließen: „was man (aus diesem Buch) lernen kann: man kann sein Leben nicht planen, es gerät an einer kleinen Biegung aus den Fugen und ist nie mehr einzuholen.“


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