Mark Scheppert: Koalaland
Australienroman

verfasst am 25.07.2013 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Scheppert, Mark

Unterschiedlicher können zwei Menschen wohl nicht sein als Micha und Nina. Nina, eine erfolgreiche Businessfrau, die mit Laptop reist, um immer und überall mit ihrer Firma kommunizieren zu können. Das tut sie auch am Anfang sehr ausgiebig. Abschalten vom Alltagstrott ist dadurch natürlich unmöglich. Erst nach einiger Zeit erkennt Nina, dass es noch etwas anderes gibt als Firma, Laptop und Handy. Letzteres landet nach einigen Tagen im Abseits, nämlich im Wasser.

Micha, ein eher anfänglich zurückhaltender Typ, der auf Spurensuche seiner Kindheitsträume über Australien ist. Geld und Urlaub hat er über Jahre zusammengespart und nun ist er voller Tatendrang und Aufregung, was ihn und seine Begleiterin, nur eine Freundin und (noch) nicht mehr, alles erwartet.

Das Aparte an der Geschichte ist, dass Scheppert in seinem Buch jeweils beide zu Wort kommen lässt. Einmal das Erlebte, Gesehene aus Michas Sicht, und einmal zieht Nina ein Resümee. Teilweise decken sich die Meinungen über ihre Erlebnisse, jedoch sehr häufig sind die Interpretationen der Beiden doch auseinander gehend.

Was mich an diesem Buch unheimlich gestört hat ist der viele Alkohol, der durch die Seiten geflossen ist. Nahezu bei jeder Rast wurde Bier und Rotwein im Überfluss gekauft, jedoch Wasser, was ja speziell im Outback ein unumgänglicher Begleiter sein muss, in kleinen Mengen. Das Resultat dieser Alkohol Einkaufsorgien waren häufig Übelkeit, Kopfschmerzen an den jeweils folgenden Tagen. Wenn man bedenkt, dass Nina und Micha Tagestouren von bis zu 300 km fahren mussten, ist es doch sehr erstaunlich, dass sie das durchgestanden haben. Auch mit der Sprache hatte ich fallweise so meine Schwierigkeiten. Sie war mir zu salopp, zu derb.

Nicht desto trotz, ist dieses Buch eine kurzweilige, spannende Reiseerzählung. Die Schilderungen über die Sehenswürdigkeiten, über Begegnungen mit Menschen und Tieren, die unterschiedlichen Klimazonen vermitteln den Reiz der von den Beiden erfahrenen Gebiete Australiens – New South Wales, South Australia, Northern Teritory und Queensland. Scheppert gelingt es, einem die Sehenswürdigkeiten so nahe zu bringen, das sie zumindest bei mir einen Hauch von Sehnsucht nach Australien erzeugt haben.

Sydney beeindruckt mit der stählernen Harbour Bridge und dem Opernhaus mit seinem markanten Dach. Im historischen Stadtteil „The Rocks“ kommt man aber leider nicht am „Löwenbräu Keller“ vorbei. „Kings Cross“, das Viertel der Künstler, Eckkneipen und Innlokale, dekadenten Boutiquen Hotels hinterlässt das Gefühl wiederkommen zu wollen. Die Naturschönheiten finden Nina und Micha auf der Weiterfahrt zu den Blue Montains. Weiter Richtung Norden fahren Sie entlang der Küste mit den wunderbaren Stränden auf der einen, und teilweise riesigen Sanddünen auf der anderen Seite.

 Von Brisbane fliegen sie zurück nach Sydney. Von dort geht’s per Flug nach Adelaide, von wo aus sie mit einem Camper Richtung Norden in das Outback aufbrechen. Vorbei an Nationalparks  und dem beeindruckenden Uluru, dem Heiligtum der Aboriginis, erreichen sie Alice Springs, eine Stadt mitten im Nirgendwo. In Alice Springs sind die Gegensätze zwischen Weißen und Aboriginis besonders deutlich zu spüren.

Per Flugzeug kommen Sie nach Darwin, einer schon  mehre Male von vernichtenden Zyklonen und im 2. Weltkrieg von den Japanern zerstörten Stadt. Inmitten von viel Grün und tropischen Pflanzen ist der Ort mit seinen stabilen Betonbauten eine trotzige tropische Schönheit. Bedauerlicherweise ist der Strand von Darwin zwar wunderschön, aber nichts für Schwimmer und Surfer. Todesquallen verhindern das Vergnügen im Meerwasser zu plantschen.

Der Flug von Darwin nach Alice Springs ist der Vorbote für das Ende des Urlaubes.

Zwar liegen noch etliche Kilometer bis zu ihrem Rückflughafen Sydney vor ihnen, aber es ist absehbar, wann sie wieder die Heimreise antreten müssen. Für Micha ein Muss, da er zwischenzeitlich Nachricht bekommen hat, dass in seiner Firma einiges passiert, und womöglich sein Arbeitsplatz in Gefahr ist. Ziemlich beunruhigt setzt er die Weiterfahrt mit dem Campingbus von Alice Springs fort. Nina dagegen fängt sich mit dem Gedanken anzufreunden, länger in Australien zu bleiben.

Kängurus, Koalas, Wombats, Spinnen, fliegende Krokodile , wunderbare Landschaften, tolle Naturschauspiele – wie einmalige Regenbogen, wie man sie bei uns nicht sehen kann- menschliche Originale sind weiter Wegbegleiter für Nina und Micha.  Was aber auf der Strecke bleibt, ist Ninas Liebe zu Micha.

Angefangen hat die Reise in Sydney. Nach anfänglichen Unstimmigkeiten näherten sich die Beiden während der Reise an, was schlussendlich  zu einer Liebesbeziehung führte, jedoch am Ende der Reise nicht als solche endete. Jeder der Beiden ging seinen eigenen Weg – Micha flog zurück nach Deutschland und hat seinen Job behalten,  Nina kündigte ihren Job und blieb noch für eine Weile an der Westküste Australiens.


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