Coupland, Douglas: JPod

verfasst am 30.09.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Coupland Douglas, Romane

Während der Lektüre von „JPod“ drängte sich mir unweigerlich die Frage auf, ob es sich bei diesem Werk nicht teilweise um reine Papierverschwendung handelt. Weil die ersten hunderttausend Zahlen nach dem Komma von Pi benötigen schon einigen Platz, 30 Seiten genau genommen. Und in einer Liste von 58.894 willkürlich generierten Ziffern einmal den Buchstaben O zu verstecken, verschlingt ebenfalls auf einen Sitz gleich mal 30 Seiten.

Da fallen die 8.363 Primzahlen zwischen 10.000 und 100.000 schon gar nicht mehr so ins Gewicht.

Aber „JPod“ hat, man glaubt es kaum, auch so etwas wie eine Handlung, eine versuchte zumindest. Coupland erzählt von einer kleinen Entwicklungsabteilung für Ideen in einem Konzern, der Computerspiele in Vancouver, Kanada herstellt. Kaitleen, Bree, John Doe, Cowboy, Mark und der Ich-Erzähler Eithan Jarlewski, alle mehr oder weniger autistische Nerds, tummeln sich Tag und Nacht in ihrer Arbeitswabe. Das neueste Projekt ist ein Skateboardspiel, in das nach dem Willen der Marketing-Manager eine Schildkröte integriert werden soll, um es ein wenig aufzupeppen, sprich pfeifen muss das Ding.

Wenn sie glauben dies sei absurd, so werfen sie diesen Gedanken gleich wieder über Bord, denn die Skurrilitäten purzeln nur so aus den Seiten hervor. Eithans Mutter, die im Keller des elterlichen Hauses eine beachtliche Cannabisplantage betreibt, tötet aus Versehen ihren jugendlichen Liebhaber mittels Stromschlag. Der Vater, ein erfolgloser Schauspieler auf der Jagd nach seiner ersten Sprechrolle verstrickt sich ebenfalls in Affären mit jungen Kolleginnen und somit benötigen beide regelmäßig die Hilfe ihres Sohnes.

Dann taucht auch noch ein dubioser Chinese namens Kam Fong mit einem Flüchtlingsschwarm auf, der ebenfalls mit Drogen handelt und in weiterer Folge Eithans Vorgesetzten nach China entführen lässt, wo er ihn im Hinterland in einer Fabrik unter ständiger Heroingabe die Sohlen von Nike-Turnschuhen ausstanzen  lässt.

Eithan macht sich auf den Weg ins Reich der Mitte, um den Boss zurückzuholen, was gar nicht so einfach ist, das sich dieser inzwischen an die Droge gewöhnt hat und trifft zum Drüberstreuen im Flugzeug auch noch auf den Schriftsteller Douglas Copeland, der eine lukrative Geschäftsidee verfolgt.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, sollte Mr. Copeland auch zukünftig derartigen Stuss fabrizieren, wird ihm wohl tatsächlich nichts anderes übrig bleiben, als sich ein neues Betätigungsfeld zu suchen.

Zwar gelingen ihm immer wieder witzige Dialoge, aber alles in allem ist die Story doch zu flach. Coupland zeichnet das Ab- bzw. Zerrbild des modernen Angestelltendaseins in einem multinationalen Konzern. Überarbeitet ist keiner der Protagonisten, ganz im Gegenteil versuchen sie durch allerlei Spielchen ein wenig Ablenkung (um nicht zu sagen Sinn) in ihren Arbeitsalltag in der dumpf gewordenen Wohlstandsgesellschaft des 21. Jahrhunderts zu bringen.

Ronald McDonald, The Simpson oder die Ninja-Turtles, die Kenntnisse von Douglas Coupland über die amerikanische Gesellschaft und ihre „kulturellen“ Auswüchse sind vielfältig und er versucht sie in breiter Phalanx mit aller Gewalt zwischen die Buchdeckeln zu pressen. Was zu viel ist zuviel – mein besonderes Beileid gilt an dieser Stelle den beiden Übersetzern. Es muss die Hölle gewesen sein!

Irgendwie passt es zum Gesamtbild, dass das Lektorat auch nicht zu Hochform aufgelaufen ist und sich eine erkleckliche Anzahl von Fehlern eingeschlichen hat. Empfehlenswert ist die Lektüre in der Nähe eines Computers, um die vielen, dem Europäer wahrscheinlich unbekannten Begriffe gleich googeln zu können. Sollten sie Spezialist für Softwareapplikationen, amerikanische Fastfoodketten oder selbst ein Autist sein, vergessen sie meine vorangegangene Empfehlung.

Um alles auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen: die Hälfte der Seiten hätte angesichts der dünnen Handlung bei weitem auch gereicht!     


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