Irving, John: Letzte Nacht in Twisted River

verfasst am 23.07.2010 von | 1 Kommentar
Rubriken: Irving John, Romane

Fünfzig Jahre Familiengeschichte,die keinen Eindruck hinterlassen haben. Auch auf die Gefahr hin, daß ich es mir mit den vielen Irving-Fans verscherze: hätte ich dieses Buch nicht gelesen, wäre es auch nicht schade gewesen.

Die Geschichte beginnt im  Jahr 1954 und zieht sich (“zieht sich” passt hier doppelt) bis ins Jahr 2005. Im Mittelpunkt der Koch Dominic Baciagalupo, sein Sohn Daniel, später dessen Sohn Joe und Ketchum, der Freund aus der Holzfällersiedlung am Twisted River.  Zu Beginn ein Unfall eines Jungen, der beim Holzflößen umkommt. Na gut, denkt man sich, ist er eben tot, aber bleibt dabei unberührt. Es ist eben eine Geschichte, wie viele.

Das Unberührt-Sein zieht sich weiter, so wie sich die Handlung weiter zieht. Dominic und Daniel verlassen die Siedlung nach dem Tod von Indianer-Jane und ziehen die nächsten Jahrzehnte durch den Nordosten der USA, immer darauf bedacht, nicht die Aufmerksamkeit von Janes Mann auf sich zu ziehen. Denn der hat Jahre später allen Grund, die beiden zu aufzuspüren – ist doch der kleine Daniel schuld an Janes Tod, ein dummer Zufall war es, der den 12-jährigen zum Mörder werden ließ.

In gleicher Weise, wie mich das Buch völlig unberührt gelassen hat, bleiben auch die Personen von ihren eigenen Handlungen unberührt. Jane ist tot, da kann man nichts machen, es war ein dummer Zufall, dann wohnen wir eben ab sofort in der nächsten Stadt und ändern später auch unsere Namen. Janes Mann hat die Spur der beiden gefunden, reist ihnen nach – da kann man nichts machen, vielleicht muß man ihn auch töten, wenn er zu nahe rückt. Dann wohnen wir eben in der nächsten Stadt und ändern vielleicht nochmals unsere Namen – oder vielleicht auch nicht.

Alles egal, alles oberflächlich, in einer Handlung die recht ziel- und sinnlos zwischen Gegenwart und Erinnerungen an die Vergangenheit hin- und herspringt. Alle werden älter, es wird geheiratet und geschieden, zusammen gezogen und getrennt. Der Koch kocht und Daniel wird Schriftsteller und schreibt.

So weit so unspannend und so anstrengend. Über 700 Seiten, die vielleicht auf 200 Seiten besser untergebracht gewesen wären. Denn weder blieb mir ein Eindruck aus der Zeit, in der die Handlung spielt noch von den Menschen, die darin vorkommen.

PS:  der Ruf von John Irving basiert auf vielen Büchern aus vielen Jahrzehnten, die eine große Anhängerschaft haben. Dieses ist mein erster Irving, vielleicht mag das ein Grund sein, dass ich damit überhaupt nicht zurecht kam.



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  Annette am 06.01.2011 um 20:02 Uhr Uhr

    Naja, ein Irving ist ein Irving. Und dieses Buch hat alles,das es hierzu braucht:
    Ein Bär, abstruse Geschichten, merkwürdige Charaktere und epische Länge. Was der Leser braucht: Geduld und gute Handgelenke. Für Irving-Beginner besser geeignet: Owen Meany oder Garp.

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