Noch nie habe ich nach 10 gelesenen Seiten begonnen, die Rezension zu schreiben. Diesmal ging es aber nicht anders, denn nach diesen 10 Seiten war ich schon dabei, das Buch weg zu legen. Wie kann man denn wissen, wie das Buch wird, ob spannend oder nicht ? Berechtigte Frage! Es ging aber gar nicht um Spannung oder nicht, es ging um deutsche Sprache oder nicht.
Vor der kurzen Inhaltsbeschreibung deshalb ein paar Worte zum Lektorat: eine Deutsch-Matura wäre damit nicht zu schaffen gewesen, auch der Aufstieg in die Oberstufe der ab 15-jährigen eher fraglich. Meine Deutschprofessorin hätte mehrere Kugelschreiber (Farbe: Rot) für “Satzstellung!”, “Sinn?”, “Wortwiederholung!”, und das Schreiben von noch viel mehr dieser Anmerkungen verbraucht. Fünf, Setzen!
Subjektive Einbildung ? Nun gut, dann ein paar Original-Zitate:
“Gläserne Gänge verbanden die beiden Trakte, vorausgesetzt man war im Besitz der erforderlichen Berechtigungskarte”
Wen oder was verbindet diese Karte: die Gänge, die Trakte, die Architekten oder die LeserInnen?
“Die Zeit drängte und es war nur mehr eine Frage der Zeit, wann das Gen-Lab an der Gerüchtebörse gehandelt werden würde”
So ein “Gähn-Läb” hat es anscheinend ziemlich eilig, gerüchteweise gehandelt zu werden
Rote Kugelschreiber waren es zwar nicht, aber ein Packerl Post-It hat dran glauben müssen – ein Zetterl hineingepickt zu jedem der schlimmeren Fälle. Ich habe zwar schon schlechte Bücher gelesen, aber noch nie hat mich ein so schlechtes Lektorat vom Inhalt abgelenkt. Abgesehen von den offensichtlichen Fehlern auch noch insgesamt der Stil eines mittelmäßigen Schulaufsatzes.
Trotzdem kommt natürlich jetzt noch der Versuch, die Handlung zu skizzieren (Versuch, weil vielleicht habe ich nicht alles richtig verstanden)
David Boosfeld reist im Auftrag seiner Firma, einem der weltweit führenden Pharamaunternehmen, aus Kapstadt nach Wien, um sich mit der Projektleiterin jener Softwarefirma zu treffen, die die benötigten Programme für das automatische Gen-Lab entwicklen soll. Aber in der letzten Zeit sind die Wiener im Verzug, also ist es höchste Zeit, sich selbst ein Bild zu machen. Er landet am Flughafen Wien-Schwechat, nimmt sich ein Taxi um letztendlich auf die U-Bahn und damit dem stickenden Autoverkehr auszuweichen.
Als er auf die nächste U-Bahn wartet, wird er Zeuge, wie gleich neben ihm eine junge Frau fast vor den einfahrenden Zug stürzt, von jemandem angerempelt, wie sie später meint. Und dann, Zufälle gibts, ist diese junge Frau ausgerechnet die Projektleiterin der Softwarefirma. Wie man sich so eben einmal zufällig trifft zwischen Kapstadt und Wien.
Böse Pharmafirma, fanatische Kirchenextremisten, eine unerwartete Erbschaft, ein paar EinzelkämpferInnen die das Unheil abwenden wollen – typischer Thriller-Stoff nachdem uns der gute alte Ost-Westkonflikt von 20 Jahren als Thrillerthema anhanden kam. Klingt jedenfalls so, wie es ist – schon oft gehört und gelesen, aber leider anderswo viel spannender und besser geschrieben. Story abgedroschen, Spannung lau, Logik Fehlanzeige, haarsträubende Zufälle, holprige und gefühllose Sprache, krampfhaftes aber vergebliches Bemühen und vor allem das Lekorat: siehe oben.
Auf Seite 65 war dann endgültig Schluß mit Lesen.
Brrrr. Nein danke.
PS: Vielleicht wird es danach besser, aber das werde ich nie wissen. Falls es jemand weiß, dann bitte um Kommentare.

