So ein Wiesenbach, der windet sich in seinem Bett ganz gemächlich durch die Landschaft. Hin und wieder hört man ein leises Gurgeln, dann ein Plätschern, dort wo der Bach einen moosbewachsenen Stein umspült. Unvermittelt macht er einen Bogen, umrundet einen kleinen Hügel. Man steht an diesem Wiesenbach und wundert sich manchmal, wie das Wasser überhaupt fließen kann, man sieht doch fast kein Gefälle.
Doch es fließt. So fand ich die Atmosphäre im 2. Polt-Krimi. (Für mich war es der erste, den ich gelesen haben, weil Band 1 gerade in irgendeinem Bücherregal verschollen ist.). Simon Polt, Inspektor der Gendamerie in einer Zeit als Gendamerie noch Gendamerie und Polizei noch Polizei war, lebt und arbeitet in genau so einem Ort: viel sieht man nicht, aber doch bewegt sich etwas und sobald man wieder hinsieht, ist alles schon ganz woanders – und mitten durch fließt der Wiesbach.
Das Dahinscheiden eines kleinen Betrügers, der anscheinend einmal zu oft betrügen wollte und der Tod von Willi, der allen bis auf Polt gleichgültig war. Die beiden gelangweilten Teenager-Anarchisten und die Bande der Vier mit den drei Geheimnissen. Mehr von Ahnungen als von Spuren geleitet macht sich der Inspektor immer wieder auf den Weg durch seine kleine Stadt, spricht hier, hört dort zu und erfährt einiges, ohne dabei in typische Polizeiarbeits-Routine zu verfallen.
Das soll nicht heissen, dass man dabei auf die notwendigen Zutaten für einen Krimi verzichten muss. Langsam zu Beginn, immer schneller werdend, mit eine paar Verirrungen in falsche Spuren, ansteigende Spannung. Am Ende ist dann doch alles geklärt. Denkt man.
Nachwort/Nachfrage: als das Buch erschien, da bezahlte man bei uns noch mit Schilling. Da kauft sich der Polt doch glatt zwei Käswurstsemmeln mit Gurkerl um 21 Schilling. Kennt jemand ein Geschäft, in dem man das jetzt um 1,50€ bekommt? Oder auch um 2€ wegen der Inflation?
