Im neuen Krimi mit Lemming als Hauptfigur nimmt sich der Autor neben der Geschichte um Leopold Wallisch und seiner frisch entstandenen Kleinfamilie einem wichtigen Thema unsere Alltags an. Es geht um Lärm in all seinen Facetten. Lärm kann ein Stressor sein, der als enorme Belastung sogar das Motiv für einen Mord sein kann.
Leopold Wallisch und seine Klara bekommen ihr erstes Baby. Wie kann es anders sein, das Kind kommt nicht geplant, beispielsweise in einer Klinik, zur Welt. Nein, im Leben des Lemmings läuft nichts nach Plan, so auch nicht beim Nachwuchs. Zwischen den Häusern Wiens und just während eines über ihnen rotierenden Hubschraubers, setzen die Wehen ein. Der Lärm des Hubschraubers verhindert, dass der Taxifahrer Lemmings Hilferuf durch das Handy erreicht. So bahnt sich das Kind in einem Klosterhof seinen Weg in die Welt. Während sich Klara heftig in den Geburtswehen krümmt, kommt zufällig eine Frau namens Angela vorbei und bietet ihre Hilfe als Hebamme an. Mutter und Vater sind über die Geburtshilfe so glücklich, dass sie Angela, dem Engel in der Not, anbieten, den Namen für den Sohn zu wählen. Er heißt Benjamin.
Am heiligen Abend, Ben ist mittlerweile sieben Monate alt, wird in Klaras Haus, das sich in Ottakring befindet, das Gas abgedreht. Nicht weil sie die Gasrechnung nicht bezahlt hätte. Wichtige Umbauarbeiten sind durchzuführen, Aufschub gibt es keinen. Dabei soll Weihnachten die ruhige Zeit im Jahreszyklus sein. Aber nichts wie Lärm! Aufgrund der winterlicheren Minusgrade ist es notwendig, den kleinen Jungen in eine warme Umgebung zu bringen. Lemming und Klara beschließen, ihren Sohn der Geburtshelferin Angela zur kurzfristigen Obsorge zu überlassen. Als sie Ben wieder abholen, findet Lemming die Frau tot auf. Auf Angelas Brust, quietschend und putzmunter, liegt der Sohnemann. Neben dem Bett der Toten steht ein Becher Kakao mit einem Schuss Gift. Der Lemming zweifelt an Selbstmord. Er und Klara machen sich daran, den Mord an ihrer Freundin aufzuklären.
Neben der Geschichte über Vaterrolle, damit verbundenen Ängsten und Verpflichtungen gibt es diesen zweiten Handlungsstrang, in dem es um das Thema Lärm in all seinen Facetten geht. Lärm kann man/frau scheinbar nicht entkommen. Er ist Begleiter im Alltag, in der Großstadt sowieso allgegenwärtig, kein Fest kann ohne Lärm gefeiert werden. Selbst der Hund Castro wird in der lauten Silvesternacht getötet. Und dann Stille.
Lemming´s vierter Fall ist absolut lesenswert. Ich hatte zwar so meine Befürchtungen, dass der neue Fall meinen, mittlerweile hohen Erwartungen an Humor und verstrickten Handlungssträngen, nicht gerecht werden könnte. Doch auch diesen österreichischen Krimi möchte ich unbedingt weiter empfehlen!

