Irgendwie habe ich mich ein schon bisschen gewundert, dass noch niemand einen der „Kultromane” von Wolf Haas besprochen hat. Natürlich ist mir klar, man liebt ihn oder man hasst ihn, dazwischen gibt es nichts, aber das ihn gleich alle hassen. Da ich zu Ersteren gehöre, fühle ich mich jetzt irgendwie berufen euch den Privatdetektiv Simon Brenner vorzustellen.
Privatdetektiv Brenner, ein eher unsympathischer Antiheld, wird nach Salzburg gerufen, um im katholischen Internat „Marianum” Beweise für die untadelige Vergangenheit eines ehemaligen Lehrers und jetzigen Bischofskandidaten zu finden. Ein früherer Internatsschüler hat ihn sexueller Übergriffe bezichtigt und da denkt man natürlich unweigerlich an die Affäre Groer, Hygieneunterricht you know.
Die Auftraggeber sind fast erleichtert, als der ehemalige Zögling, Schwiegersohn des Vizefestspielpräsidenten, als zerstückelte Leiche aufgefunden wird. Günstig, dass sich in der Nähe des Fundortes auch ein Landstreicher erhängt hat, damit scheint der Fall gelöst. Aber Brenner glaubt nicht daran, dass sich der Mörder von Reue und Gewissensbissen überwältigt, selbst gerichtet hat.
Und wie recht er doch behält! Weil kurz darauf passiert schon der nächste höchst unappetitliche Todesfall!
Die Sprache und der Stil von Haas-Romanen triefen nur so vor Andeutungen und Wortspielen. Gerne lässt er die Verben weg, schreckt vor derber Ausdrucksweise nicht zurück und spricht seine Leser direkt an und das nicht immer freundlich. „…oder sagen wir Afrika unten, wo sie die Kondome lieber aufsparen als Willkommensluftballone für den nächsten Papstbesuch.”
Geschmacklosigkeiten gehören zum guten Ton und selten findet man seine Leichen in einem Stück, also nicht unbedingt eine Lektüre für die besonders Zartbesaiteten unter uns.
Haas spart nicht mit Anspielungen und Seitenhieben, ach was sage ich, es sind gewaltige Hiebe auf die Kirche oder die Salzburger Festspiele. Generelle Sozialkritik ist das Fundament, auf dem der Autor die skurille Geschichte aufbaut und er liebt es besonders, bissig und boshaft zu sein. „… der Herr Primar will endlich einmal persönlich das Erbrochene von seiner alkoholkranken Frau wegputzen, praktisch das Leben wieder ganz spüren.”
Der Stil von Wolf Haas ist sicher gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich einmal eingelesen hat, fürchtet man sich ein bisschen, wenn das Buch ausgelesen ist.
„Komm süßer Tod”, „Silentium” und „Der Knochenmann” wurden bereits mit Josef Hader in der Hauptrolle verfilmt und dies sehr gelungen, wie ich finde. Aber das liegt wahrscheinlich daran, das Haas und Hader an den Drehbüchern mitgeschrieben haben. Aber wie gesagt, ein bisschen grauslich ist das alles schon!
